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RUBENS 127

1. Oktober 2008


Kriminologie aus der Ferne




Der weiterbildende Masterstudiengang setzt auf Blended-Learning

Los ging es im WS 05/06 als Präsenzstudium für 30 Studierende. Doch längst ist aus dem weiterbildenden Masterstudiengang „Kriminologie und Polizeiwissenschaft“ an der Juristischen Fakultät ein Fernstudiengang (Blended-Learning) mit über 60 Studierenden geworden. Wie und wann diese Blackboard und andere E-learning-Werkzeuge nutzen, haben die Juristen nun detailliert untersucht.

Jährlich bewerben sich rund 200 berufserfahrene Personen um einen der 60 Plätze im Studiengang: Juristen, Psychologen, Mediziner, Sozialwissenschaftler, Lehrer, Polizisten und Sozialarbeiter. Dass ihnen ein kompletter Fernstudiengang angeboten werden kann, ist zum einen der multimedialen Ausstattung der RUB zu verdanken. Wurden in anderen Fernstudiengängen früher und z. T. heute noch Kurs- und Lernunterlagen per Post verschickt, arbeiten die Bochumer von Anfang an mit Blackboard. Diese E-learning-Plattform ist speziell zum Lehren und Lernen außerhalb der Vorlesungsräume konzipiert und bietet exzellente Möglichkeiten für ein Fernstudium. Seit 2007 setzen die Juristen zudem Adobe Connect ein, um den Studierenden Vorlesungen auch als mediales (Video-)Ereignis präsentieren zu können.

100.000 Zugriffe

Um zu erfahren, wann und wie lange die Studierenden im virtuellen Klassenzimmer sitzen, hat der Lehrstuhl für Kriminologie, der für den Masterstudiengang verantwortlich ist, die Zugriffe auf Blackboard ausgewertet. Als Beispiel diente die Aufzeichnung der Vorlesung Kriminologie I (Januar bis April 2008). Untersucht wurden Häufigkeit und Tagesverteilung der Zugriffe von 75 Teilnehmern (darunter fünf Dozenten/Betreuern). In den knapp drei Monaten wurden mehr als 100.000 Zugriffe auf das System registriert: darunter rund 37.000 auf die administrativen Bereiche („Ankündigungen und Diskussionsforum“) und über 49.000 auf die sog. Inhaltsbereiche (z.B. Kursunterlagen). Das bedeutet einen Durchschnitt von weit über 1.000 Zugriffen pro Person. Allein diese Zahlen sprechen deutlich für die Akzeptanz und das Engagement der Studierenden.
Die Besonderheit, dass nahezu alle Teilnehmer/innen voll berufstätig sind, spiegelt sich in der Aufteilung der Zugriffe wieder. Mit 3.500 bis rund 4.200 liegen die Stunden zwischen 18 und 22 h deutlich an der Spitze. Am Wochenende ist die Zugriffintensität etwas geringer als in der Woche, am häufigsten büffeln die Studierenden montags und donnerstags. Die erhöhte Zugriffsintensität an Donnerstagen hängt vermutlich damit zusammen, dass die Studieninhalte für die kommende Woche mittwochs online gestellt wurden.

Weiterbildungsprofil geschärft

Fest steht, dass die Symbiose von Blackboard und Connect den Studierenden im Masterstudiengang Kriminologie und Polizeiwissenschaft optimale Möglichkeiten bietet, sich neben ihrem Beruf weiterzubilden und einen (zusätzlichen) Hochschulabschluss zu erwerben. Es ist jedoch eine weitere Symbiose entstanden: Das Multimedia-Angebot der RUB und die Unterstützung durch die Stabsstelle des Rektorates helfen dem Masterstudiengang, und dieser wiederum trägt zur Schärfung des Weiterbildungsprofils der Uni bei.

Preisgekröntes Policing
Adobe Connect dient dem Lehrstuhl für Kriminologie auch als Basis für ein internationales und interdisziplinäres Seminar, dessen Konzipierung im letzten Semester im „RUBel-Wettbewerb“ mit einem der 5 x 5000 Euro-Preise ausgezeichnet wurde. Derzeit liefern Wissenschaftler aus mehr als einem Dutzend Ländern und verschiedenen Fachdisziplinen Vorlesungen zum Thema „Policing“. Sie werden in Bochum aufbereitet und ab Herbst 2008 den Studierenden in Bochum und an den Partnereinrichtungen in Australien, Südafrika, USA und Europa zur Verfügung stehen. Für dieses virtuelle englischsprachige Seminar hat der Lehrstuhl (zusammen mit zwei E-Tutoren) die Connect-Vorlesung „How to do Connect“ aufgezeichnet, um die ausländischen Partner mit der Technik vertraut zu machen. Im WS 08/09 wird Connect erstmals auch in der Vorlesung „Einführung zur Kriminologie“ (mit zuletzt 700 Teilnehmer/innen) eingesetzt.

 

Kriminologie in der Küche
Der eine oder andere wird vielleicht auf dem Toilettendeckel Platz nehmen, oder am Küchentisch; wer Glück hat, auf dem Sofa, wenn Prof. Thomas Feltes im Wintersemester seine Grundlagen-Vorlesung „Kriminologie I“ hält. Denn der Jurist ist zu Gast bei Kristo Šagor. Der Theatermacher wohnt für fünf Monate im Theater unter Tage (TuT), dem kleinsten Spielort des Bochumer Schauspielhauses, der eigens in eine komplett eingerichtete Wohnung verwandelt wurde. Sie dient als Kulisse und Zuschauerraum.
Es wird anders zugehen als üblich in der Vorlesung, die Prof. Feltes jedes Jahr für Jura-Studienanfänger anbietet. „In der plüschigen Atmosphäre der Theaterwohnung sind Diskussionen und Fragen viel besser möglich als im Hörsaal vor 500 Leuten“, schätzt Feltes, und auch Bewohner Šagor wird sich sicher einmischen und aus anderer Perspektive Aspekte einbringen.
Geplant ist, die Dynamik des Raumes in die Vorlesung einzubeziehen und Heimat, Wohnung, Arbeitsplatz zu thematisieren oder andere Akteure zu Wort kommen zu lassen. „Wir werden auch sehen müssen, wo wir Beamer und Leinwand aufbauen, vielleicht variieren wir ein wenig. Es hat jedenfalls Spaß gemacht, mit Kristo Šagor Ideen zu entwickeln“, erzählt der Jurist. Wichtig ist beiden, Studierende ins Schauspielhaus und Bürger in die Uni zu locken. Da im TuT nur etwa 90 Personen Platz haben, werden vor der Vorlesung kostenlose Eintrittskarten verteilt, für Studierende eine Woche vorab in der RUB, für Bürger im Schauspielhaus. Zudem sind alle Vorträge später via Adobe Breeze im Internet zu hören und zu sehen.

Neben den Kriminologen sind auch die Theaterwissenschaftler regelmäßig zu Gast im TuT. Jeden zweiten Mittwoch laden Šagor und verschiedene Dozenten zum gemeinsamen „Close Reading“. Dabei gelten zwei Regeln: Jegliche Sekundärliteratur ist verboten. Jede persönliche Assoziation ist erlaubt. Im Gespräch stellt sich heraus, welche Assoziationen sich mit dem jeweiligen Text vereinbaren lassen und welche als äußerliche Vorurteile gelten müssen, die fallen gelassen werden. Eröffnet wird die Reihe von Prof. Ulrike Haß.

Info: Kriminologie I findet ab dem 21.10. jeden 2. Dienstag 14-16 h im TuT statt (in den Wochen dazwischen im HZO 20); Close Reading ab dem 22.10. jeden 2. Mittwoch 16-18 h.

 




Dipl. iur. Felix-Feldmann-Hahn, Prof. Dr. Thomas Feltes M.A., Lehrstuhl für Kriminologie, Kriminalpolitik und Polizeiwissenschaft; md
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