Daumen rauf
Die DFG verlängert drei Sonderforschungsbereiche
Drei Sonderforschungsbereiche mit Beteilung der RUB wurden
im Frühjahr von der Deutschen Forschungsgemeinschaft
begutachtet, dreimal ging anschließend der Daumen
nach oben: Verlängerung ab Juli 2008 – für
drei bzw. vier Jahre. Die Freude bei den Bochumer Proteinforschern,
Geowissenschaftlern und Physikern über viele weitere
Millionen Fördergelder war groß.
Für die Beteiligten an den Sonderforschungsbereichen
(SFB) gehört es zum normalen Geschäft: Etwa
drei Jahre nach der ersten Bewilligung durch die Deutsche
Forschungsgemeinschaft kommen hochkarätige Gutachter
in die Labore und gucken, was die Forscherinnen und Forscher
bislang geschafft haben und ob sich lohnt, weitere Millionen
in die Projekte zu stecken. In Bochum war man im Frühjahr
ziemlich optimistisch, als der obligatorische Besuch anstand:
bei zwei an der RUB ansässigen SFB und bei einem
sog. Transregio SFB, an dem die RUB beteiligt ist. Dieser
Optimismus war berechtigt, denn nur kurz nach der Begutachtung
stand fest: Alle drei SFB werden verlängert, also
ein glatter Durchmarsch.
Proteine als Regler
Der SFB 642 (GTP- und ATP-abhängige Membranprozesse,
Sprecher: Prof. Klaus Gerwert) wird sogar gleich um
vier weitere Jahre verlängert. In ihm stehen die
Proteine im Blickpunkt: Sie regeln sämtliche Lebensprozesse
in der Natur und bestimmen u. a. auch das Wachstum oder
die Teilung der Zellen. Wegen ihrer Regelfunktion sind
Proteine von größtem Interesse für die
Wissenschaft und für die medizinische Anwendung:
„Wenn man herausfindet, wie diese Proteine arbeiten,
wie sie zusammenspielen und welche Prozesse sie steuern,
könnte man auch gezielt eingreifen und krankmachende
Abläufe blockieren“, erklärt Prof. Gerwert.
Am SFB sind 15 Teams aus den Bochumer Fakultäten
Biologie und Biotechnologie, Chemie und Biochemie sowie
Medizin, der TU Dortmund und dem Max Planck Institut
für molekulare Physiologie Dortmund beteiligt:
mit insgesamt rund 200 Wissenschaftlern. Die Fördersumme
des SFB wurde von sechs Millionen in der ersten Förderperiode
auf jetzt 9,6 Millionen Euro aufgestockt. Zusätzlich
wurden zwölf Doktorandenstipendien für eine
SFB-interne Graduierten-Schule zur Förderung des
wissenschaftlichen Nachwuchses bewilligt.
Die Erde in Bewegung
Beim SFB 526 (Rheologie der Erde, Sprecher: Prof. Wolfgang
Friederich) dreht sich alles um unseren Heimatplaneten.
Die Erde ist aufgrund ihres Aufbaus und des Temperaturfelds
im Inneren dauernder Veränderung unterworfen. Konvektionsbewegungen
im Erdmantel sind der Motor für die Bewegung der
Lithosphärenplatten, wobei die Verformung vor allem
auf die Plattengrenzen konzentriert ist. Unmittelbares
Zeugnis dafür sind Vulkanismus und Erdbeben. Letztere
sind Ausdruck bruchhafter Verformung im oberen, kälteren
Stockwerk der Lithosphäre. Entscheidend für
das Verständnis dieser Vorgänge ist das mechanische
Verhalten der Gesteine unter den unterschiedlichen Randbedingungen
innerhalb der Lithosphäre, das Thema des SFB 526.
Er konzentriert sich auf das mechanische Verhalten der
Materialien der Erde in allen Maßstäben von
der Oberfläche bis in große Tiefen, wobei
ein breites Spektrum an Methoden zum Einsatz kommt.
Wissenschaftler aus den Bereichen Geophysik, Geologie,
Kristallographie, Petrologie, Materialwissenschaften,
Mechanik und Bauingenieurwesen (Grundbau und Bodenmechanik)
kooperieren in 16 Teilprojekten, zusammengefasst zu
vier Projektbereichen.
Hadronen in Wechselwirkung
Beim Transregio SFB 16 (Elektromagnetische Anregung
subnuklearer Systeme) fungiert die Uni Bonn als Sprecherhochschule,
Bochumer Physiker sind entscheidend beteiligt. Der SFB
steht unter dem Motto: Hadronen erforschen heißt
auch das Universum erforschen. Denn Hadronen sind Elementarteilchen,
von deren prominentesten Vertretern, den Protonen und
Neutronen, den Grundbausteinen der Atomkerne, auch die
Masse der Sterne und Galaxien stammt. Sie unterliegen
der starken Wechselwirkung, den sog. Kernkräften.
Man unterscheidet bislang zwei Gruppen von Hadronen,
je nachdem, ob sie sich aus zwei oder drei Quarks zusammensetzen.
Doch die Forschung der letzten Jahre fördert immer
neue Arten von Hadronen zutage: Meist werden sie theoretisch
voraus berechnet und schließlich in Teilchenbeschleunigern
nachgewiesen. So trugen die Berechnungen der Bochumer
Forscher im Transregio SFB maßgeblich zur Entdeckung
des sog. Fünf-Quark-Teilchens bei, die international
großes Aufsehen erregte. Experimentelles Zentrum
des SFB ist die Elektronen-Stretcher-Anlage (ELSA) am
Physikalischen Institut der Uni Bonn. Die Wissenschaftler
der Unis Bochum, Bonn und Gießen betreiben hier
gemeinsame Grundlagenforschung und nehmen mit einer
Reihe von Detektoren die innere Struktur der Protonen
und Neutronen unter die Lupe. md/ad
Infos zu allen Sonderforschungsbereichen
der RUB: www.rub.de/forschung/sfb.htm
md/ad
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