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RUBENS 126

1. Juli 2008



Täuschend echt



Die Studierenden am IFHV simulieren per Planspiel eine humanitäre Krise



Was tun, wenn eine Regierung eine ethnische Minderheit in einem Land gewalttätig unterdrückt? Was, wenn Unruhen bis hin zu einem Bürgerkrieg entstehen und gleichzeitig von außerhalb Flüchtlinge ins Land drängen? Welche humanitäre Lösungen gibt es? Mit diesen Fragen mussten sich die Studierenden am Institut für Friedenssicherungsrecht und Humanitäres Völkerrecht (IFHV) der RUB eine Woche lang beschäftigen.

Im Planspiel simulieren 29 Studierende einen Hilfseinsatz für den fiktiven Staat Osmania. Das Szenario orientiert sich an der Realität: Trotz eines Bürgerkriegs kommen Flüchtlinge aus benachbarten Krisenregionen ins Land. Zusätzlich treten Komplikationen wie Landminen, Geiselnahmen, schlechtes Wetter oder Choleraepidemien ein. Aufgabe der Studierenden ist es, möglichst realistische Hilfspläne zu erarbeiten, die sich an internationalen Standards der Humanitären Hilfe orientieren. Dazu werden sie in neun Organisation eingeteilt, die von „Ärzte ohne Grenzen“ über das Auswärtige Amt bis hin zum Internationalen Roten Kreuz reichen. „Die Studenten müssen teils sehr komplexe Problemsituationen koordinieren, wie die Logistik der Hilfslieferungen, die Evakuierung der unbeteiligten Bevölkerung aus dem Krisengebiet oder Verhandlungen mit Rebellen und Militär“, so Prof. Dennis Dijkzeul, Leiter des Planspiels. Unterstützt werden die Studenten von einer sechsköpfigen Delegation der Columbia Universität (New York).
Wie ernst das Planspiel genommen wird, spürt man sofort an der Hektik unter den Studenten: In einem Raum sind Mitglieder jeder Organisation versammelt. Sie suchen nach Lösungen für die Evakuierung. Es herrscht ständiges Kommen und Gehen, da auch an anderer Stelle geplant werden muss: Beschaffung der Visa, Finanzplanung, Transportgenehmigungen oder das Einverständnis der angrenzenden Staaten einholen, um ein neues Flüchtlingslager zu bauen. Einen Raum weiter sitzen Prof. Dijkzeul, seine wissenschaftlichen Mitarbeiter und die Gäste aus New York, alle ebenfalls mit Rollen im Planspiel bedacht. Der Austausch der Informationen läuft ebenfalls realitätsnah über sog. Coordination Meetings und E-Mails, wozu eigens ein großes Netzwerk im NA-Gebäude errichtet wurde.

Auf einer Höhe mit Yale

Mit der Simulation schließen die Studenten den dreisemestrigen Master-Aufbaustudiengang NOHA (Network on Humanitarian Assistance) ab. Sie sollen ihre theoretisch erworbenen Kenntnisse und Fertigkeiten in einer humanitären Krise anwenden und diese möglichst erfolgreich bewältigen. „An Hand der Simulation können wir die Studenten, die den Nachwuchs für das internationale Krisenmanagement ausmachen, auf reale Probleme in der Planung, Koordination und Lösung einer humanitäre Katastrophe vorbereiten“, sieht Prof. Dijkzeul eins der Ziele der Simulation.
Rosemary Kikon, einer der Teilnehmerinnen, sieht es ganz genauso. Sie war bereits mit „Malteser International“ in einem Tsunamigebiet und wird als nächstes an einem Einsatz in Sri Lanka mitwirken. Sie sagt: „Die Simulation ist eine gute Übung für die Studenten, ihre Verhaltensweisen sich selbst und ihren Mithelfern gegenüber in Stresssituationen kennen zu lernen; sie stellt realistische Vorgaben, die einen gut für spätere Einsätze vorbereitet.“
Prof. Dijkzeul hebt vor allem die Zusammenarbeit mit anderen Unis hervor. Seiner Meinung nach befindet sich die RUB in diesem Gebiet der Lehrtätigkeit auf einer Höhe mit amerikanischen Eliteuniversitäten wie Yale, Harvard, Princeton oder Columbia. An der Columbia unterrichtet Dennis Dijkzeul ebenfalls. Deshalb beteiligen sich 2008 zum sechsten Mal Studierende und ein Professor der Columbia University, Prof. Dr. Dirk Salomons, an der Simulation; erstmals dabei ist ein Experte der Oxford Brookes Universität, Prof. Dr. Leonard van Duijn.. „Die Teilnahme der Columbia-Studierenden an der Simulation und der Aufenthalt dieser Experten ist Ausdruck der erfolgreichen Arbeit des IFHV. Das IFHV bildet Nachwuchs für das internationale Krisenmanagement aus, leistet zentrale wissenschaftliche Beiträge und erforscht Lösungen für humanitäre Katastrophen“, meint Prof. Dijkzeul.

Rafael Rau
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Letzte Änderung: 30.6.2008| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik