Vermarkten, patentieren, ausgründen
Die rubitec GmbH feiert ihr zehnjähriges Bestehen
Auf zehn Jahre erfolgreiche Arbeit in der Vermarktung
von Forschungs- und Entwicklungsergebnissen blickt die
rubitec GmbH zurück. Die Gesellschaft für
Innovation und Technologie der Ruhr-Universität
startete im März 1998 und hat seitdem u. a. etwa
50 Firmengründungen aktiv unterstützt, rund
60 Patente angemeldet und zum Teil vermarktet, sowie
Studierende und Wissenschaftler der RUB in zahlreichen
Veranstaltungen über die Themen Selbstständigkeit
und Existenzgründung informiert. Ihr Jubiläum
feierte die rubitec im Mai mit der Verleihung der Transfer-
und Erfinderpreise 2007.
„Die rubitec ist stetig gewachsen und war von
Beginn an wirtschaftlich unabhängig“, sagt
Dr. Karl Grosse, der seit Gründung der Transfergesellschaft
ihr Geschäftsführer ist. Die Mitarbeiterzahl
stieg von sieben auf 16, der Umsatz von ca. 350.000
Euro (1999) auf knapp eine 2,7 Mio. (2007). „Unser
Geschäft läuft gut und ist stabil“,
so Grosse, „und in all den Jahren war das Betriebsergebnis
positiv. Den Gesellschafter hat es gefreut.“ Der
Gesellschafter, das ist heute allein die RUB. Als die
rubitec gegründet wurde, zählten noch die
Sparkasse Bochum, das Technologiezentrum Ruhr (TZR)
und ein Ingenieurbüro dazu, die Ruhr-Uni war Mehrheitsgesellschafterin.
Mit dem Start der sog. Patentverwertungsoffensive des
Bundesforschungsministeriums wurde die rubitec im August
2001 dann zu einer 100-prozentigen Tochter der RUB.
Was sich wie eine durchgehende Erfolgsgeschichte liest,
war zu Beginn jedoch ein steiniger und langer Weg. Die
Idee, eine eigene Transfergesellschaft zu gründen,
verfolgte Altrektor Prof. Manfred Bormann schon seit
seinem Amtsantritt im Jahr 1994. Von da an galt es,
viele teils auch hohe Hürden zu nehmen, Klippen
zu umschiffen und in der Uni wie außerhalb viel
Überzeugungsarbeit zu leisten – vor allem
im NRW-Wissenschaftsministerium. „Rückblickend
kann man nur verwundert feststellen, wie schwierig manche
Angelegenheiten im Hochschulbereich noch vor zehn, fünfzehn
Jahren waren“, sagt der Physiker Bormann, der
seit Gründung von rubitec Vorsitzender des fünfköpfigen
Beirats ist.
Überzeugungsarbeit in Moskau
In einer Zeit, da Marketing, Vermarktung und Transfer
noch nicht zum Repertoire der Hochschulen gehörten,
betrat die Ruhr-Uni Neuland. Eine professionelle Transfergesellschaft
gab es damals nur in Hamburg-Harburg. Um das erste Unternehmen
dieser Art in NRW gründen zu können, musste
unter anderem der steuerrechtliche Status der Uni genauestens
bestimmt werden, musste die Universität gegenüber
dem NRW-Wirtschaftsministerium eine „Patronatserklärung“
abgeben – eine Art Bürgschaft für Einnahmeausfälle.
Als „Durchbruch“ jedoch bezeichnet Bormann
eine Dienstreise nach Russland, auf der er die damalige
Wissenschaftsministerin Anke Brunn begleitete. Ihr Ministerium
hatte „angesichts der Neuheit unseres Anliegens“
Bedenken und Einwände. Erst bei einem abendlichen
Spaziergang durch Moskau konnte Bormann sie von der
Idee überzeugen. „Je länger und hartnäckiger
wir am Ball blieben, um so mehr nahm die Aufgeschlossenheit
auf der anderen Seite zu“, so der Altrektor. Sein
Rektorat traf nicht zuletzt auch auf Widerstände
im Senat der RUB. Die Studierenden befürchteten
den „Verrat der hehren Idee der deutschen Universität“
durch zunehmende Kommerzialisierung, erzählt Prof.
Bormann, „und die Ingenieure fanden, dass eine
solche Gesellschaft eigentlich bei ihnen am besten aufgehoben
sei.“ Bormanns Fazit: „1997 ging es im Senat
hoch her, aber letztendlich fand das Projekt dann auch
hier Zustimmung.“
Die Beharrlichkeit zahlte sich aus. „Die ersten
zehn Jahre waren eine interessante und spannende Zeit“,
resümiert Karl Grosse, „die rubitec hat sich
in diesem Zeitraum besser als erwartet entwickelt.“
Heute, da vergleichbare Unternehmen, Patent- und Gründerverbünde
an den Hochschulen selbstverständlich sind, blickt
der Geschäftsführer der „ältesten“
Transfergesellschaft Nordrhein-Westfalens zuversichtlich
voraus: „Insgesamt sind die Hochschulen wirtschaftsnäher
ausgerichtet und der Anwendungsbezug der Forschung hat
zugenommen.“ Es wird der rubitec auch in den nächsten
zehn Jahren nicht an Arbeit, Projekten und Ideen mangeln.
Ruhr@venture 2008
Am 18. Juni wurden die Preise im Businessplanwettbewerb
von rubitec, Ruhr@venture 2008, vergeben: Der erste
Platz ging an die Protectimmun GmbH von Dr. Marion Kauth,
Prof. Dr. Albrecht Bufe, Prof. Dr. Otto Holst und Dr.
Till Gombert. Das Unternehmen entwickelt innovative
Arzneimittel auf der Basis von natürlichen Substanzen
aus dem allergie-protektiven Milieu traditioneller Bauernhöfe.
Den zweiten Platz belegte die Firma Vakzin Factory von
Dr. Thomas Grunwald und Prof. Dr. Klaus Überla
vor der Firma Rookai System von Kai Piontek.
jw
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