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RUBENS 125

1. Juni 2008


Schlagfertige Superheldin


Vorgestellt: ein neuer Bochum-Krimi




Mit dem ausdrücklichen Wunsch des Vaters versehen, Jura in Bielefeld zu studieren, sitzt Lila im Zug. Doch Wünschen des autoritären Vaters zu folgen, ist nicht gerade die Stärke der 20-Jährigen. Deshalb steigt sie statt in Bielefeld im ihr unbekannten Bochum aus, und so lernen wir zunächst die Stadt durch ihre Augen kennen – ausgerechnet an einem tristen Regenabend im Herbst. Trotzdem bleibt Lila. Sie nistet sich beim Privatdetektiven Danner und dem Kneipenwirt Molle ein, arbeitet zunächst als Kellnerin, später zusätzlich als Detektivin an der Seite Danners. Es gilt den vermeintlichen Selbstmord der 16-jährigen Schülerin Eva aufzuklären. Und das funktioniert am besten, indem man allernächsten Kontakt zu Evas Mitschülern knüpft. Lila geht wieder in die Schule und knüpft fleißig.
Also mal wieder so ein typischer Krimi aus Bochum, könnte man da denken. Tatsächlich liefert Autorin Lucie Klassen in ihrem Erstling „Der 13. Brief“ auch noch das übliche Personal: den harten und unnahbaren Privatdetektiven, der zudem früher Polizist war und desillusioniert den Dienst quittierte. Ihm zur Seite steht ein ehemaliger Kollege, etwas weniger desillusioniert und darum noch als Kriminalkommissar im Dienst. Getragen wird die Handlung allerdings von der frischen, frechen und unkonventionellen Lila, zugleich der Ich-Erzählerin. Das tut dem Buch sehr gut, denn natürlich bringt eine Amateurdetektivin vollkommen andere Aspekte in die Aufklärung eines komplizierten Falles ein als die Profis. Bisweilen geht es dabei ironisch bis komisch zu, und vor allem wird der Story sehr viel Zeit und Raum gegeben, sich in Breite und Tiefe zu entwickeln – ohne jemals dahinzuplätschern. Im Gegenteil: Es ist von der ersten bis zur letzten Seite spannend, selbst wenn Lila nur mit ihren neuen Schulfreundinnen auf DVD den „Schuh des Manitu“ anschaut.
Und doch, manchmal kommt man beim Lesen nicht umhin zu fragen: Kann die gute Lila nicht doch etwas sehr viel? Vormittags spielt sie perfekt die Rolle einer 16-jährigen Gymnasiastin, nachmittags brilliert sie als 20-jährige Kellnerin und abends tritt sie als 26-jährige Femme Fatale beim Polizeiball auf. Zwischendurch kombiniert sie mindestens so messerscharf wie Sherlock Holmes, und wenn es gar nicht anders geht, schlägt sie härter zu als Lara Croft. Es mag ja sein, dass eine deutsche Detektivgeschichte auch mal eine schlagfertige Superheldin vertragen kann: Aber irgendwie will das nicht so recht zu dem sehr ernsten und traurigen Thema passen, das diesen Fall nach und nach durchdringt, das in seinem ganzen Ausmaß jedoch erst ganz am Ende ans Licht gebracht wird.

Info: Lucie Klassen: „Der 13. Brief“, Grafit Verlag, Dortmund 2008, 348 Seiten, 9,95 Euro





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Letzte Änderung: 31.5.2008| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik