Ein Barschrank
als Gesellenstück
Serie Ausbildungsberufe an der Ruhr-Uni: Tischler
Mit 130 Auszubildenden ist die Ruhr-Universität
drittgrößter Ausbildungsbetrieb in Bochum.
Die Liste der 17 Ausbildungsberufe reicht vom Feinwerkmechaniker
über den Tierpfleger bis hin zum Glasapparatebauer.
Doch was genau steckt hinter diesen Bezeichnungen? RUBENS
liefert die Antworten. Dieses Mal wird der Ausbildungsberuf
Tischler vorgestellt. Fünf Azubis lernen momentan
den Beruf.
Die Arbeit des Tischlers ist enorm vielfältig.
Zunächst erfährt der Auszubildende in der
Schreinerei der Biologen u. a. alles über Arten
und Merkmale von Holz. über das Herstellen von
Holzverbindungen oder über die einzelnen Handwerkzeuge.
Später geht’s an die Maschinen. „Dann
werden die Aufgaben breiter und aufwendiger und schließen
selbstständige Projekte ein“, erzählt
Karl-Heinz Sandermann, der Meister im Betrieb. Dazu
gehören die Herstellung von Rahmen, Gestellen,
Büro- und Labormöbeln, sowie die Bearbeitung
von Kunststoffen, Metallen und Glas, die Durchführung
von Demontagearbeiten, Reparaturarbeiten und vieles
mehr. „Erst kürzlich haben die Auszubildenden
ein Zeitschriftenregal für die Uni-Verwaltung gebaut“,
ergänzt Geselle Lukas Oppenberg. „Sie helfen
auch beim Bau von Teeküchen für die Lehrstühle
mit.“
120 Stunden Zeit
Die Ausbildung wird mit der dreigeteilten Gesellenprüfung
beendet. Dabei wird großer Wert auf die Eigenständigkeit
der Lehrlinge gelegt. In der Theorie werden die Kenntnisse
abgefragt, die die Azubis in der Schule gelernt haben.
In der Praxis folgen die sog. Handprobe und das Gesellenstück.
Bei der Handprobe stellt die Prüfungskommission
eine Aufgabe, die der Lehrling in einer vorgegebenen
Zeit zu bewältigen hat. Beim Gesellenstück
haben die angehenden Tischler 120 Arbeitsstunden Zeit,
etwas Persönliches zu kreieren. Bislang hatten
die Azubis ihr Können ausschließlich unter
Beweis gestellt, indem sie Vorgegebenes fertigten: einen
Schuhputzkasten, einen kleinen Bollerwagen für
Puppen, eine Wanduhr oder einen Blumenhocker.
Johannes Wagner (23 Jahre) ist im dritten Ausbildungsjahr
und plant für seine Gesellenprüfung einen
Barschrank. Dafür muss er zunächst die technischen
Zeichnungen fertig stellen, ehe er mit der praktischen
Umsetzung beginnen kann. Die Arbeit als Tischler liebt
er. Nach der Ausbildung überlegt er, eine Weiterbildung
zu machen. „Ob ich mich anschließend spezialisieren
will, halte ich mir offen.“ Schließlich
gibt es verschiedene Möglichkeiten. „Neben
dem Möbelbau ist auch der Laden-, Fenster- und
Türen- oder Treppenbau möglich“, so
Wagner. „Man könnte sich auch als Restaurator
weiterbilden.“ Aber ehe er sich über die
berufliche Zukunft weitere Gedanken macht, freut er
sich auf den Bau des Barschranks. Zwar gibt es feste
Regeln, an die er sich halten muss, aber er arbeitet
von Anfang bis Ende ganz alleine daran.
Sheila
Patel
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