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RUBENS 125

1. Juni 2008

Reif dank der Insel



Studierende unterrichten Bochumer Schüler in kleinen Gruppen

Je eher sich angehende Lehrer mit dem Schulalltag auseinandersetzen, desto besser. An dieser Maxime orientiert sich das Projekt „Lerninseln“. Seit dem Wintersemester 07/08 unterrichten Studierende der RUB Schüler der Bochumer Schiller-Schule in Kleingruppen. Davon profitieren alle: Die Studierenden absolvieren das Pflichtmodul „Schulpraktische Studien“ und schnuppern in ihren späteren Beruf hinein und die Schüler bereiten sich intensiv auf ihre Abschlussprüfung in der 10. Klasse vor.

Die Lerninseln folgen den Ideen des vor drei Jahren entwickelten Modulbereichs „Förderunterricht an Sekundarschulen“: Studierende können parallel zum laufenden Semester in kleinen Einheiten an einer weiterführenden Schule unterrichten, statt ein Sechswochen-Praktikum während der Semesterferien zu machen. Fünf Bochumer Schulen sind beteiligt. Am Gymnasium Schiller-Schule entstanden im WS 07/08 die ersten Lerninseln. Teilnehmende Studierende schließen mit der Schule einen Praktikumsvertrag und erteilen einmal wöchentlich einer kleinen Schülergruppe Unterricht zu festgelegten Themen, bei denen die Schüler Nachholbedarf haben. „Das Projekt hat zwei Ziele“, erklärt Johannes Roeloffs, Praktikumsmanager im Zentrum für Lehrerbildung der RUB: „Zum einen sollen individuelle Lücken im Schulstoff ausgeglichen werden, um die Schüler effektiv auf die zentrale Abschlussprüfung der Klasse 10 vorzubereiten, zum anderen können sich die Studierenden erstmals in der Lehrerrolle erfahren.“ Da eine Lerninsel aus maximal acht Schülern besteht, werden die Studierenden nicht überfordert, zumal sie eine Insel immer zu zweit leiten.

Mathe fachfremd

Jessica Klamke und Alma Muminovic haben die Pilotphase mitgemacht. Sie haben zusammen die Lerninseln „Quadratische Gleichungen“ und „Quadratische Funktionen“ – obwohl beide nicht Mathe studieren. Muminovic studiert Chemie und Biologie, Klamke Germanistik und Geschichte. Allerdings sind nur in Hauptfächern (Mathe, Deutsch, Englisch, Latein) Inseln vorgesehen und dann auch nur bei Bedarf. „Mathe zu unterrichten war für uns beide dann doch kein Problem, es ging ja um die Grundlagen der 9. Klasse“, sagt Jessica Klamke. „Außerdem wurden wir von Frau Stickdorn gut eingeführt und bekamen viele Materialien“, ergänzt Alma Muminovic. Sarah Stickdorn unterrichtet Mathe und Sport an der Schiller-Schule und koordiniert die Lerninseln.
Bevor die Studierenden auf die Lerninsel können, gibt es an der RUB ein vorbereitendes didaktisches Seminar, eine zweiwöchige Hospitation in der Schule sowie abschließend ein Seminar zur Evaluation. Die Studierenden müssen aber nicht am Stück hospitieren, sondern können die Phase über das Semester verteilen. Diese Flexibilität war vor allem für Alma Muminovic wichtig, denn sie hat ein kleines Kind. Ein weiterer Vorteil: Die Schiller-Schule liegt so nah an der RUB (Waldring), dass man den Unterricht in den Lerninseln in zwei Freistunden integrieren kann. Jessica Klamke und Alma Muminovic ziehen deshalb ein sehr positives Fazit: „Wir konnten vollkommen in die Rolle des Lehrers schlüpfen, da wir für Gestaltung und Ablauf des Unterrichts verantwortlich waren. Wir haben auch gelernt, mit unterschiedlichen Charakteren umzugehen und ihnen Spaß am Lernen zu vermitteln.“

14 Inseln für 100

Dass die Inseln ein voller Erfolg sind, zeigen auch die Zahlen: Im Winter gab es 14 Lerninseln an der Schiller-Schule, für knapp 100 Kinder der Jahrgänge 5-10. In diesem Jahr wird das Angebot auch auf Nebenfächer wie Chemie ausgeweitet, hinzu kommen fächerübergreifende Inseln. Bis jetzt standen für jede Lerninsel drei Doppelstunden zur Verfügung. Klamke und Muminovic wissen aber, dass das längst nicht ausreicht, um den individuellen Wissensstand der Schüler kennen zu lernen und sie effektiv zu unterrichten.
Im zweiten Durchgang, jetzt im Sommersemester 2008, läuft jede Insel über sechs Doppelstunden. Hinzu kommen weitere kleine Veränderungen, die sich aus der ersten Erprobung des Projekts ergeben haben: In einer der ersten Sitzungen wird der Fachlehrer, wenn gewünscht, anwesend sein, um den Studierenden ein konkretes Feedback über ihre Arbeit zu geben. Außerdem soll für Schüler die Teilnahme verbindlicher werden. Denn obwohl sich für die Inseln von Klamke und Muminovic acht Schüler/innen angemeldet hatten, variierte die tatsächliche Anzahl zwischen drei und acht.


Infos zum Modul „Förderunterricht“ bei Johannes Roeloffs, GA 2/38 (Praktikumsbüro) und unter http://www.rub.de/schulpraktikum/index.htm; Infos zu den Lerninseln der Schiller-Schule unter http://www.schiller-schule.de.



Julia Brosig
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Letzte Änderung: 31.5.2008| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik