Reif
dank der Insel
Studierende unterrichten Bochumer Schüler
in kleinen Gruppen
Je eher sich angehende Lehrer mit dem Schulalltag
auseinandersetzen, desto besser. An dieser Maxime orientiert
sich das Projekt „Lerninseln“. Seit dem
Wintersemester 07/08 unterrichten Studierende der RUB
Schüler der Bochumer Schiller-Schule in Kleingruppen.
Davon profitieren alle: Die Studierenden absolvieren
das Pflichtmodul „Schulpraktische Studien“
und schnuppern in ihren späteren Beruf hinein und
die Schüler bereiten sich intensiv auf ihre Abschlussprüfung
in der 10. Klasse vor.
Die Lerninseln folgen den Ideen des vor drei
Jahren entwickelten Modulbereichs „Förderunterricht
an Sekundarschulen“: Studierende können parallel
zum laufenden Semester in kleinen Einheiten an einer
weiterführenden Schule unterrichten, statt ein
Sechswochen-Praktikum während der Semesterferien
zu machen. Fünf Bochumer Schulen sind beteiligt.
Am Gymnasium Schiller-Schule entstanden im WS 07/08
die ersten Lerninseln. Teilnehmende Studierende schließen
mit der Schule einen Praktikumsvertrag und erteilen
einmal wöchentlich einer kleinen Schülergruppe
Unterricht zu festgelegten Themen, bei denen die Schüler
Nachholbedarf haben. „Das Projekt hat zwei Ziele“,
erklärt Johannes Roeloffs, Praktikumsmanager im
Zentrum für Lehrerbildung der RUB: „Zum einen
sollen individuelle Lücken im Schulstoff ausgeglichen
werden, um die Schüler effektiv auf die zentrale
Abschlussprüfung der Klasse 10 vorzubereiten, zum
anderen können sich die Studierenden erstmals in
der Lehrerrolle erfahren.“ Da eine Lerninsel aus
maximal acht Schülern besteht, werden die Studierenden
nicht überfordert, zumal sie eine Insel immer zu
zweit leiten.
Mathe fachfremd
Jessica Klamke und Alma Muminovic haben die Pilotphase
mitgemacht. Sie haben zusammen die Lerninseln „Quadratische
Gleichungen“ und „Quadratische Funktionen“
– obwohl beide nicht Mathe studieren. Muminovic
studiert Chemie und Biologie, Klamke Germanistik und
Geschichte. Allerdings sind nur in Hauptfächern
(Mathe, Deutsch, Englisch, Latein) Inseln vorgesehen
und dann auch nur bei Bedarf. „Mathe zu unterrichten
war für uns beide dann doch kein Problem, es ging
ja um die Grundlagen der 9. Klasse“, sagt Jessica
Klamke. „Außerdem wurden wir von Frau Stickdorn
gut eingeführt und bekamen viele Materialien“,
ergänzt Alma Muminovic. Sarah Stickdorn unterrichtet
Mathe und Sport an der Schiller-Schule und koordiniert
die Lerninseln.
Bevor die Studierenden auf die Lerninsel können,
gibt es an der RUB ein vorbereitendes didaktisches Seminar,
eine zweiwöchige Hospitation in der Schule sowie
abschließend ein Seminar zur Evaluation. Die Studierenden
müssen aber nicht am Stück hospitieren, sondern
können die Phase über das Semester verteilen.
Diese Flexibilität war vor allem für Alma
Muminovic wichtig, denn sie hat ein kleines Kind. Ein
weiterer Vorteil: Die Schiller-Schule liegt so nah an
der RUB (Waldring), dass man den Unterricht in den Lerninseln
in zwei Freistunden integrieren kann. Jessica Klamke
und Alma Muminovic ziehen deshalb ein sehr positives
Fazit: „Wir konnten vollkommen in die Rolle des
Lehrers schlüpfen, da wir für Gestaltung und
Ablauf des Unterrichts verantwortlich waren. Wir haben
auch gelernt, mit unterschiedlichen Charakteren umzugehen
und ihnen Spaß am Lernen zu vermitteln.“
14 Inseln für 100
Dass die Inseln ein voller Erfolg sind, zeigen auch
die Zahlen: Im Winter gab es 14 Lerninseln an der Schiller-Schule,
für knapp 100 Kinder der Jahrgänge 5-10. In
diesem Jahr wird das Angebot auch auf Nebenfächer
wie Chemie ausgeweitet, hinzu kommen fächerübergreifende
Inseln. Bis jetzt standen für jede Lerninsel drei
Doppelstunden zur Verfügung. Klamke und Muminovic
wissen aber, dass das längst nicht ausreicht, um
den individuellen Wissensstand der Schüler kennen
zu lernen und sie effektiv zu unterrichten.
Im zweiten Durchgang, jetzt im Sommersemester 2008,
läuft jede Insel über sechs Doppelstunden.
Hinzu kommen weitere kleine Veränderungen, die
sich aus der ersten Erprobung des Projekts ergeben haben:
In einer der ersten Sitzungen wird der Fachlehrer, wenn
gewünscht, anwesend sein, um den Studierenden ein
konkretes Feedback über ihre Arbeit zu geben. Außerdem
soll für Schüler die Teilnahme verbindlicher
werden. Denn obwohl sich für die Inseln von Klamke
und Muminovic acht Schüler/innen angemeldet hatten,
variierte die tatsächliche Anzahl zwischen drei
und acht.
Infos zum Modul „Förderunterricht“
bei Johannes Roeloffs, GA 2/38 (Praktikumsbüro)
und unter http://www.rub.de/schulpraktikum/index.htm;
Infos zu den Lerninseln der Schiller-Schule unter http://www.schiller-schule.de.
Julia
Brosig
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