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RUBENS 125

1. Juni 2008

Gesellschaftsfähig



Der Wissenschaftsrat gibt der Bochumer Soziologie sehr gute Noten



Dem Wissenschaftsrat sei dank! Die Zeiten, da sich die Ruhr-Uni in den publikumswirksamen Ranglisten von Stern, Spiegel & Co. beständig im Mittelfeld wiederfand, sind vorbei. Schon zum zweiten Mal innerhalb weniger Monate legt der WR ein seriöses Rating zur Forschungsleistung vor, in dem ein Fachbereich der RUB sehr gut abschneidet. Die Bochumer Soziologie bekommt in zwei von sechs bewerteten Leistungen sogar die Bestnote. Insgesamt liegt der Fachbereich in den Top Ten in Deutschland.


Wir haben bereits im Februar darüber berichtet: Der Wissenschaftsrat (WR) möchte zurzeit herausfinden, wie forschungsstark die einzelnen Fachbereiche an deutschen Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen sind. In Pilotprojekten wurden zunächst Chemie und Soziologie beleuchtet. Nachdem die Ergebnisse für Chemie im Januar vorlagen (RUBENS 122), wurden Ende April auch die Daten für Soziologie veröffentlicht.
In der Pilotstudie Soziologie wurden Leistungen von 57 Universitäten und außeruniversitären Instituten im sog. Informed Peer Review Verfahren bewertet. Das heißt, die Bewertungsergebnisse sind nicht aus quantitativen Daten errechnet, sondern spiegeln das Urteil einer Gutachtergruppe wider, die Publikationen, verschiedene qualitative und quantitative Indikatoren sowie Rahmeninformationen zu jeder Einrichtung zugrunde gelegt hat. Die Bewertungen erfolgten in den Dimensionen Forschung, Nachwuchsförderung und Wissenstransfer, denen sechs Kriterien zugeordnet wurden: Forschungsqualität (Originalität, wissenschaftliche Bedeutung); Effektivität (Beitrag zur Entwicklung der Wissenschaft); Effizienz (dieser Beitrag in Relation zum Personaleinsatz); Nachwuchsförderung (Maßnahmen, Erfolge); Transfer in andere Bereiche (Wirtschaft, Politik, Verwaltung etc.); Wissensvermittlung und -verbreitung.
Die Soziologie an der RUB erhielt einmal die Note „sehr gut“, für Nachwuchsförderung, und dreimal die Note „gut“: für Forschungsqualität, Effektivität und Effizienz. Transfer und Vermittlung wurden auf einer anderen Skala bewertet: Die Bochumer Soziologie liegt mit „überdurchschnittlich“ jeweils in der höchsten Stufe. Deutschlandweit gehört die Ruhr-Uni damit zu den zehn besten universitären Soziologie-Standorten.


Grund zum Feiern
Über das hervorragende Abschneiden der Bochumer Soziologie sprach Arne Dessaul mit dem Dekan der Fakultät für Sozialwissenschaft, Prof. Ludger Pries, und mit Prof. Ilse Lenz, die die Datenerfassung für den Wissenschaftsrat koordiniert hatte.

RUBENS: Frau Prof. Lenz, Herr Prof. Pries, was war Ihre erste Reaktion, als Sie die Ergebnisse des Wissenschaftsrates gesehen haben?
Prof. Pries: Wir haben uns natürlich prima gefühlt. Wir sind insgesamt ausschließlich mit sehr gut oder mit gut benotet worden. Dabei sind wir mit einer großen Fächerbreite ins Rennen gegangen: mit sieben Lehreinheiten. Anders als viele andere Unis, die sich zum Teil auf ihre zwei, drei herausragenden Einheiten beschränkt haben.


RUBENS: Hat Sie demnach das gute Abschneiden überrascht?
Prof. Lenz: Wir konnten recht schnell abschätzen, wie gut unsere Einheiten sind. Ich hatte schon im Laufe der Untersuchung – da noch eher im Scherz – alle Kolleginnen und Kollegen zu einer Fete eingeladen, sobald die Ergebnisse vorliegen würden. Jetzt haben wir wirklich allen Grund zum Feiern und das werden wir in diesem Semester auch noch tun.
Prof. Pries: Mittlerweile haben wir die Ergebnisse aller Unis gründlich ausgewertet und festgestellt, dass wir einige renommierte Standorte wie Heidelberg, Köln oder Tübingen hinter uns gelassen haben.

Verborgene Stärken

RUBENS: Der Wissenschaftsrat hatte von sich aus aber keine Rangfolge erstellt?
Prof. Pries: Nein, aber das war anhand der Daten kein Problem. Ähnlich gut oder besser eingestuft als wir sind in der Summe nur Bamberg, die Berliner Humboldt Uni, Bielefeld, Bremen, Düsseldorf, Göttingen, Jena, Mannheim und die Uni München sowie als außeruniversitäre Einrichtungen das Kölner Max-Planck-Institut und das Sozioökonomische Panel am Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin. Die beiden letztgenannten Institutionen muss man ausklammern, das wiederum heißt: Wir gehören in Deutschland zu den zehn besten Unis, in NRW sind wir die Nummer zwei.

RUBENS: Wie muss man sich das Informed Peer Review Verfahren vorstellen, mit dem der WR zu seinen Ergebnissen gekommen ist?
Prof. Lenz: Wir mussten viele Unterlagen und Fragebögen ausfüllen. Erhoben wurde der Zeitraum 2001 bis 2005. Wir mussten aus diesen fünf Jahren alle Publikationen aller Wissenschaftler aufzählen und beschreiben, alle Doktorarbeiten und so weiter. Das wäre ohne die Unterstützung der Fakultät und des Rektorats gar nicht möglich gewesen. Bei beiden möchten wir uns nochmals herzlich bedanken.
Prof. Pries: Man sollte ergänzen, dass die Zusammenarbeit mit dem WR sehr fruchtbar gewesen ist und dass wir mit dieser objektiven Art der Begutachtung extrem einverstanden sind.
Prof. Lenz: Und das, obwohl wir als integrierte Fakultät für Sozialwissenschaft nicht so recht ins Raster der Untersuchung gepasst haben. Die meisten Unis führen nämlich zum Beispiel Soziologie und Politikwissenschaften getrennt, während wir beide Fächer in einer interdisziplinären Sozialwissenschaft in Forschung und Lehre verstehen. Häufig können wir diese Stärke in Befragungen nicht so recht geltend machen.

Belastbares Bild

RUBENS: Drei der sechs Bewertungskriterien sind kaum noch oder gar nicht zu verbessern, bei den drei anderen ist noch etwas Luft nach oben. Gibt es schon Ideen, sich noch weiter zu verbessern?
Prof. Pries: Ich hatte es schon angedeutet. Wir haben sehr viele Lehreinheiten ins Rennen geschickt, darunter auch solche, von denen wir wussten, dass ihre Forschungsleistungen in dieser Untersuchung als nicht sehr gut betrachtet werden – weil sie beispielsweise eher auf die Lehre ausgerichtet sind. Hätten wir uns auf die forschungsstarken Einheiten beschränkt, hätten wir noch besser abgeschnitten.
Prof. Lenz: So war die Spannweite recht breit, es gab speziell bei Forschungsqualität, bei Effektivität und bei Effizienz sowohl sehr gute als auch gute oder befriedigende Einheiten, unterm Strich wurde ein „Gut“ daraus.
Prof. Pries: Andererseits haben wir diese Breite bewusst gewählt. Das primäre Ziel war nicht ein gutes Abschneiden im Vergleich zu anderen Unis, sondern ein belastbares Bild der Stärken und Schwächen der Soziologie an der RUB zu geben – das ist ja das, was zum Beispiel Studierende und Forschende interessiert.
Prof. Lenz: Jetzt haben wir beides: das Wissen und das gute Abschneiden. Und anhand des Wissens können wir nun sehr gezielt verbessern.
Prof. Pries: Das werden wir allerdings zunächst innerhalb der Sektion für Soziologie besprechen.

RUBENS: Herr Pries, als Dekan der Fakultät für Sozialwissenschaft sind Sie zugleich für andere Fachbereiche zuständig, beispielsweise Politikwissenschaft. Wissen Sie, wann der WR dieses Fach begutachten wird?

Prof. Pries: Nein. Ich weiß nur, dass die Fakultät von der jetzigen Untersuchung profitiert. Und falls jemals die gesamte Fakultät begutachtet werden sollte, würde sie meines Erachtens mindestens genauso gut abschneiden wie jetzt die Soziologie. In Politik haben wir gerade erfolgreich einen hundertprozentigen Generationswechsel geschafft, dort sind nun sehr publikationsstarke Kolleginnen und Kollegen tätig.


Profil Fakultät für Sozialwissenschaft

Die Fakultät für Sozialwissenschaft der RUB setzt auf einen modernen interdisziplinären und internationalen Ansatz in Forschung und Lehre. Dazu zählt die Verbindung der fünf Disziplinen Politikwissenschaft, Soziologie, Sozialpsychologie & Sozialanthropologie, Sozialpolitik & Sozialökonomik sowie Sozialwissenschaftliche Methodenlehre und Statistik. Zur Fakultät gehören 15 Lehrstühle mit 21 Professor/innen, 20 wissenschaftliche Mitarbeiter/innen sowie zahlreiche Lehrbeauftragte.
Die Forschungsstärke der Fakultät schlägt sich vor allem im Volumen und in der Zusammensetzung der Drittmittel, in der Anzahl und Qualität der Promotionen sowie in national und international beachteten Publikationen nieder. Mit Drittmitteln wird nicht nur Grundlagenforschung finanziert, sondern auch die Verknüpfung von Grundlagen- und anwendungsorientierter Forschung.
Die Sowi-Fakultät hat als eine der ersten das gesamte Studienangebot auf die modularisierten Bachelor- und Master-Studiengänge umgestellt. Der Bachelor- und Master-Studiengang Sozialwissenschaft (1-Fach) ist von einer fächerverbindenden wissenschaftlichen und forschungsmethodischen Ausrichtung bestimmt. Das 2-Fach-Modell ist stärker themen- und berufsfeldorientiert, die Studiengänge heißen hier „Kultur, Individuum, Gesellschaft“ und „Politik, Wirtschaft und Gesellschaft“. Hinzu kommen der Master of Education und der Masterstudiengang Gender Studies. Eingeschrieben an der Fakultät sind derzeit rund 1.800 Studierende.



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Letzte Änderung: 31.5.2008| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik