Der Spaß an der Lehre
Was macht eigentlich …Dr. Tagrid Yousef?
Vor ein paar Jahren haben sie das Leben an der Ruhr-Uni
maßgeblich geprägt – in Forschung,
Lehre, Kultur usw. Irgendwann sind sie aus dem Blickfeld
verschwunden. RUBENS hat sich auf die Suche nach diesen
Menschen gemacht. Diesmal haben wir Dr. Tagrid Yousef
gefunden. Sie studierte Ende der achtziger Jahre Biologie
an der RUB und promovierte anschließend. Bekannt
wurde sie als erste „Uni-Zwerg-Mutter“:
Im Sommer 1998 gründete sie zusammen mit ein paar
Studentinnen den Verein „Uni-Zwerge zur Förderung
Hochschulangehöriger der RUB mit Kindern“.
Heute arbeitet Tagrid Yousef an einem Duisburger Berufskolleg
und engagiert sich in zahlreichen Vereinigungen.
Frau Yousef, wie üblich haben wir
vor dem Interview ein wenig gegoogelt. Zu Ihnen gibt
es sehr viele Treffer. Da geht es um Muslime in Deutschland,
ums Kopftuch, um Neurobiologie, um Berufskollegs und
um einen Lehrerinnen- und Lehrerverband. Was steht bei
all dem bei Ihnen im Mittelpunkt?
Ich habe kürzlich zusammen mit einigen Kolleginnen
und Kollegen das Netzwerk für Lehrerinnen und Lehrer
mit Zuwanderungsgeschichte gegründet. Dieses Projekt
wird vom NRW-Schulministerium unterstützt. Immerhin
geht es auch darum, Schüler mit Zuwanderungsgeschichte
für den Lehrerberuf zu gewinnen. Ach ja, und gerade
eben noch habe ich versucht, telefonisch jemandem beim
Schulministerium zu erreichen. Mit meinem Leistungskurs
Biologie nehme ich an einer Probeklausur zum Zentralabitur
für die Jahrgangsstufe 12 teil.
Leistungskurs Biologie
Und, haben Sie jemanden erreicht?
Nein, leider nicht. Dabei gibt es noch einige Unklarheiten,
denn die Berufsschulen machen im kommenden Jahr zum
ersten Mal im Fach Biologie beim Zentralabitur mit.
Erzählen Sie doch mal, was Sie am Berufskolleg
genau machen.
Ich unterrichte in Abiturbildungsgängen im Leistungskurs
Biologie und bin Fachsprecherin für Biologie. Des
weiteren unterstütze ich die Kolleginnen und Kollegen
bei Fragen zu Problemen mit Schülerinnen und Schülern
mit Zuwanderungsgeschichte.
Ich habe da noch was von angehenden Augenoptikern im
Gedächtnis.
Das habe ich bis zum letzten Sommer gemacht, an einer
Düsseldorfer Berufsschule: Dort habe ich Physik
und Biologie unterrichtet – nachdem ich Staatsexamen
und Referendariat nachgeholt hatte. Dann kam vor zwei
Jahren die Duisburger Berufsschule hinzu. Im letzten
Sommer hat man mir in Duisburg eine feste Stelle angeboten.
Jetzt bin ich ausschließlich dort und versuche
zurzeit vor allem, die Kontakte zu Universitäten
auszubauen und die Schüler so richtig für
die Hochschule und für die naturwissenschaftlichen
Fächer zu motivieren und vorzubereiten.
Und was hat es mit dem Lehrerinnen- und Lehrerverband
an Berufsschulen in NRW (vlbs) auf sich, über den
wir Sie per E-Mail erreicht haben?
Dort bin Ansprechpartnerin bei Fragen zum Umgang mit
Schülerinnen und Schülern aus Zuwandererfamilien,
zum Thema Islam, für Seiteneinsteiger bzw. Berufswechsler
…
Wie Sie selbst.
Genau. Außerdem gebe ich Fortbildungen zu diesen
Fragen und zu Lehrergesundheit (burnout), was gerade
jetzt hoch aktuell ist.
Gegen die Langeweile
2001 haben Sie der Ruhr-Uni den Rücken
gekehrt, das lag auch an mangelnden Karrierechancen.
Haben Sie es nun besser getroffen?
(lacht): Auf jeden Fall. Vor ein paar Tagen erst habe
meine erste Beförderungsstufe mit großem
Erfolg gemeistert. Etwas Vergleichbares wäre an
der RUB nicht möglich gewesen. Dort wollte ich
vor allem die Lehre ausbauen, aber dafür wurden
keine Stellen angeboten. Dann kam die Chance, nach Düsseldorf
zu gehen. Ich habe den Schritt nie bereut, denn das
Unterrichten macht mir viel Spaß.
Als Sie 1998 die Uni-Zwerge initiierten, ging es auch
darum, eine geeignete Betreuung für Ihre Tochter
Samira zu finden. Samira geht nun längst zur Schule
und wahrscheinlich wird sie sich gar nicht mehr an ihre
Zwergzeit erinnern!?
Kein bisschen. Wir haben zwar noch die Uni-Zwergen-Zipfelmütze,
die wir übrigens auch aufsetzen, aber damals war
sie einfach noch zu klein, um sich heute noch daran
zu erinnern. Sie ist jetzt zehn und geht in die fünfte
Klasse, meine große Tochter ist 19 und macht gerade
ihr Abitur. Sie kann sich noch sehr wohl daran erinnern,
weil sie bei allen Anlässen dabei war.
Und wie sieht es bei Ihnen aus. Denken Sie noch an die
Uni-Zwerge zurück?
Ja, sehr gerne. Als Samira damals zur Welt gekommen
ist, steckte ich mitten in der Doktorprüfung. Als
das fertig war, habe ich Erziehungsurlaub genommen.
Aber das war mir eigentlich ein bisschen zu langweilig.
Dann habe ich zufällig diesen Aushang gesehen,
„Gründung einer Studenteninitiative zur Betreuung
von Kindern“, und ich habe mich da einfach reingeklinkt,
sehr engagiert und die Uni-Zwerge ins Leben gerufen,
den Spielplatz erkämpft und so weiter.
Haben Sie noch Kontakt zu den damaligen Mitstreiterinnen?
Leider nicht, das verliert sich irgendwann.
Eben mal ein Gehirn
Dann wissen Sie wohl auch nicht, dass die
Uni-Zwerge ab Mitte Mai einen Extraraum für Kinderwagen
haben?
Nein. Obwohl ich regelmäßig auf die Homepage
der Uni-Zwerge schaue. Gestern noch, aber da stand nichts
dazu. Aber das ist super mit dem Raum. Ansonsten habe
ich natürlich mitbekommen, dass sich bei den Zwergen
viel Positives getan hat, mit Fernsehen, neuen Räumen,
neuen Möbeln.
Auch an der RUB hat sich seit 2001 allerhand getan.
Bekommen Sie davon etwas mit?
Ja, ich habe noch sehr viel mit der RUB zu tun. Mit
meinen Schülern bin ich regelmäßig im
Schülerlabor. Auch für meinen Unterricht in
Duisburg bekomme ich hier viel Unterstützung, zum
Beispiel durch die Technischen Assistentinnen am Lehrstuhl
von Prof. Ulf Eysel. Oder wenn ich mal ein Gehirn brauche
…
Hm?
Zwecks Anschauungsmaterial, für den Unterricht.
Erst neulich haben mich Prof Ulf Eysel und Prof. Klaus-Peter
Hofmann privat besucht. Am Lehrstuhl von Prof. Hoffmann
habe ich meine Diplomarbeit geschrieben. An das Institut
für Biopsychologie von Prof. Onur Güntürkün
habe ich jetzt zwei meiner Schülerinnen für
ein Praktikum vermitteln können. An diesem Institut
soll ich eventuell ab Herbst eine Vorlesung übernehmen.
Darauf freue ich mich sehr. Wie Sie sehen ist der Kontakt
zur Uni noch sehr groß!
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