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RUBENS 125

1. Juni 2008



Der zweite Mann im Boot



Materialforschungszentrum ICAMS wird am 6. Juni offiziell eröffnet


Es war auch der Zauber, der jedem Anfang innewohnt, der Prof. Dr. Alexander Hartmaier dazu bewogen hat, in Erlangen-Nürnberg seine Zelte abzubrechen und im ihm größtenteils unbekannten Bochum ins kalte Wasser zu springen. Seit dem 1. Mai ist er der zweite Institutsdirektor von ICAMS, dem Interdisciplinary Centre for Advanced Materials Simulations, das am 6. Juni feierlich eröffnet wird.

„Es wäre sicherlich gemütlicher gewesen, in Erlangen zu bleiben – auch für die Familie“, meint er, aber der Reiz, ein Institut neu aufzubauen war größer. „Mit guter Grundausstattung etwas zu bewegen, dem neuen Institut den eigenen Stempel aufzudrücken – diese Chance bekommt man nicht oft im Leben.“ Und so pendelt er für die Übergangszeit Halbe-Halbe zwischen hier und da, hält in Erlangen noch Vorlesungen, plant in Bochum mit Prof. Dr. Ralf Drautz, der seit Februar da ist, das ICAMS-Forschungsprogramm.

Was im Material passiert

Drei Schwerpunkte haben sie schon festgelegt, orientiert an den Bedingungen des Rahmenvertrags für ICAMS, der das Allgemeine regelt, den Interessen der Industrie und der Advanced Study Groups sowie den eigenen Forschungsinteressen und Vorarbeiten. Und so wird ICAMS zunächst 1. die Eigenschaften von Grenzflächen und die Schichthaftung untersuchen, 2. Vorgänge, die im Material bei starken Umformungen stattfinden, etwa beim Pressen oder Walzen von Metall, und 3. den Einfluss von Legierungselementen auf die Eigenschaften von Stahl.
Hartmaiers eigener Schwerpunkt liegt auf den Eigenschaften von Grenzflächen, und zwar auch innerhalb von Werkstoffen. „Heute betrachtet man Bauteile meist als homogene Einheiten“, erklärt er. „Wenn man aber wissen will, was bei mechanischen Belastungen im Werkstoff vorgeht, muss man die Mikrostruktur berücksichtigen, den Aufbau aus einzelnen Atomen, aus Kristalliten und deren Grenzflächen und Defekte.“
Diese Betrachtungsweise treibt er voran, zumeist per Computerberechnung, aber auch zusammen mit anderen Lehrstühlen und Partnern im Experiment. Ganz korrekt heißt das „Mikromechanische Behandlung von makroskopischem Werkstoffverhalten“. Praktisch werden Fragen beantwortet wie: Wie fest sind Bleche nach dem Walzen? Wann platzt eine Schicht ab? Wie lässt sich das verhindern und der Werkstoff optimieren? Anwendungsspezifische Antworten sind hier zwar nicht sofort zu erwarten, dämpft Hartmaier zu große Erwartungen, aber mittelfristig auf alle Fälle, das heißt in fünf bis zehn Jahren.

Der erste Doktorand ist da

Der Faktor Zeit ist wichtig. „In der Wissenschaft können manche Prozesse sehr lange dauern, gerade im Vergleich mit der Industrie“, so Hartmaier, der in seiner Laufbahn in beiden Feldern gearbeitet hat. „Ich hoffe, dass ICAMS auch aufgrund der Industriebeteiligung schnell arbeiten können wird.“ In einem Jahr, so plant er, sollen nicht nur viele Mitarbeiter da sein, sondern auch erste vorzeigbare Ergebnisse aus Projekten präsentiert werden können.
Noch sind bei ICAMS die Gänge leer, wenn man von Handwerkern absieht, die noch mit der Herrichtung der Räume beschäftigt sind. Prof. Hartmaier hat vorläufig Quartier auf der Etage von Prof. Drautz bezogen, „dann sind wir beide nicht so einsam“, schmunzelt er. Der erste Doktorand ist aber schon eingestellt, er kommt von der RUB und muss auf ICAMS geradezu gewartet haben; er hat sich initiativ beworben. Auch weitere Forscher werden gerne kommen, ist Prof. Hartmaier zuversichtlich, „Schwierigkeiten erwarte ich höchstens bei der Anwerbung von höher qualifizierten Arbeitsgruppenleitern, um die auch die Industrie gerade mit attraktiven Jobangeboten wirbt.“ Aber ICAMS hat viel Wind gemacht und ist bereits ein Begriff. Und wenn die vielen Vorschusslorbeeren auch den Erfolgsdruck erhöhen, so schüren sie doch auch die Spannung bei potenziellen Mitstreitern.
So bleibt Prof. Hartmaier nebenbei noch Zeit für andere Sorgen, etwa die Wohnungssuche. Zum neuen Schuljahr soll die Familie herziehen, da drängt die Zeit. Aber da ein alter Schulfreund und auch die Uni mit Tipps parat stehen, ist auch hier schon eine Lösung in Sicht.

Info: Am 6. Juni wird ICAMS im Beisein von NRW-Innovationsminister Prof. Andreas Pinkwart und dem Vorstandsvorsitzenden der ThyssenKrupp Steel AG, Dr. Karl-Ulrich Köhler, feierlich eröffnet.





md
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Letzte Änderung: 31.5.2008| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik