Straff und transparent
Pläne und Ziele des neuen Asta-Vorstandes
Der Asta hat nach ungewöhnlich kurzen
Koalitionsverhandlungen seine Arbeit bereits Mitte Februar
aufgenommen. Neuer Vorsitzender ist Sven Ellmers von
der Linken Liste, den neuen Finanzreferenten stellt
die Alternative Liste mit Christian Wolf. Die Grüne
Hochschulgruppe und die Liste Schöner Wohnen In
Bochum komplettieren den neuen Asta. Rafael Rau sprach
mit Ellmers und Wolf über die ersten Wochen Asta-Arbeit
und über Ziele und Vorhaben in der Legislaturperiode.
Sie haben sich sehr schnell auf eine Koalition
geeinigt, wie kam das?
Wolf: Wir waren uns alle darüber
im klaren, dass der alte Asta die Büros schnellstmöglich
räumen muss. Im Vorfeld mussten wir deshalb jeden
zweiten Tag Koalitionsverhandlungen führen.
Ellmers: Grund dafür war keine
politisch motivierte Ungeduld, sondern die prekäre
finanzielle Ausgangslage. Wir wollten die Vorgänge
um die Mensaparty so schnell wie möglich aufklären,
da durch die Untersuchung des Rechnungsprüfungsamts
auch im Raum stand und steht, dass möglicherweise
Straftaten begangen wurden. Vor diesem Hintergrund war
es nötig, den alten Asta so schnell wie möglich
abzulösen.
Erfreuliche Wahlbeteiligung
Die Wahlbeteiligung war diesmal höher
als zuletzt. Glauben Sie, dass eine Trendwende im politischen
Interesse der Studierenden zu erkennen ist oder dass
die Motivation eher in den Vorfällen rund um die
Mensaparty liegt?
Ellmers: Es ist zu hoffen, dass dies
eine Wende darstellt, wobei in den letzten vier Jahren
die Wahlbeteiligung bereits stetig angestiegen ist.
Doch der deutliche Sprung von 13,6 auf 17,6 Prozent
ist sicherlich zum Großteil durch die Mensaparty
oder auch andere Verfehlungen zu erklären. So wurde
z.B. hochschulpolitisch im letzten Jahr kaum etwas auf
die Beine gestellt.
Kann man die hohe Wahlbeteiligung Ihrer
Meinung nach auch noch weitertragen bis zu den Senatswahlen
Anfang Juni, so dass die Beteiligung dort auch höher
ist?
Ellmers: Bei den Senatswahlen können
zwar auch Studierende gewählt werden, dennoch fällt
die Wahlbeteiligung hier jedes Jahr wesentlich geringer
aus. Dafür gibt es mehrere Gründe: Der Gestaltungsspielraum
der studentischen Vertreter im Senat ist nicht mit den
Möglichkeiten vergleichbar, die der Asta bietet.
Die Bewerbung der Senatswahl, zu der meist nur wenige
Listen antreten, erreicht deshalb auch lange nicht die
Dimension der Wahlen zum Studierendenparlament. Außerdem
kann man bei den Senatswahlen nur an einem Tag seine
Stimme abgeben. Und die Verlagerung von Kompetenzen
des Senats zum neu gegründeten Hochschulrat, in
dem ja überhaupt keine Studierenden sitzen, macht
einen Anstieg der Wahlbeteiligung auch nicht gerade
wahrscheinlicher.
Wiederholte Koalition
Die jetzige Koalition hat in ähnlicher
Form bereits früher den Asta gebildet. Sehen Sie
das als Vorteil?
Ellmers: Es ist sicherlich ein Vorteil.
Die Alternative Liste und die Linke Liste sind ja traditionell
Koalitionspartner, auch die Liste Schöner Wohnen
In Bochum gehörte schon im letzten gemeinsamen
Asta zur Koalition und es besteht ein Vertrauensverhältnis.
Neu hinzugekommen ist die Grüne Hochschulgruppe,
mit der in der letzten Opposition die lockeren Beziehungen
verstärkt wurden.
Was genau wollen Sie anders machen als
der letzte Asta?
Wolf: Wir wollen mehr Transparenz schaffen.
Das haben wir zum einen dadurch erreicht, dass wir im
Haushalt keine versteckten Stellen für Listenmitglieder
geschaffen haben, sondern sagen, wer für uns im
Asta sitzt und Geld bekommt. Es ist nicht wie im letzten
Jahr, als beispielsweise 17.000 Euro für Projektstellen
ausgegeben wurden. Neben den Kernaufgaben des Asta,
Service und Hochschulpolitik, möchten wir auch
allgemeinpolitische Arbeit machen, weil wir der Meinung
sind, dass politische Partizipation zum studentischen
Leben dazu gehört und man es nicht einfach ausklammern
kann.
Ellmers: Wesentliche Punkte sind noch,
dass wir verantwortungsvoll mit den studentischen Geldern
umgehen und die politischen Referate, die abgeschafft
wurden, wieder eingeführt haben.
Haben Sie schon ein genaues Konzept erstellt?
Ellmers: Wir haben den Haushaltsplan
erstellt, der bereits im Parlament mit einer großen
Mehrheit abgesegnet wurde, die über die Stimmen
der Koalition hinausgeht. Erstmals haben wir dabei den
Haushalt nach den Vorgaben der Haushalts- und Wirtschaftsführungs-Verordnung
der Studierendenschaften NRW umgestellt.
Politischer Dienstag
Wohin konkret fließt das Geld aus
dem Semesterbeitrag?
Wolf: Wir möchten ein breit gestreutes
Angebot bieten. Natürlich ist Kultur ein Bereich,
der uns sehr wichtig ist, aber es wird auch politische
Angebote geben, zum Beispiel den politischen Dienstag.
Ellmers: Es wird im Kulturcafé
jeden Dienstag im Semester von unterschiedlichen Referaten
Veranstaltungen und Diskussionsrunden geben. Die Referate
für Kultur und Wohnen, Internationalismus, Grund-
und Freiheitsrechte und Kritische Wissenschaften werden
diese Abende gestalten.
Wolf: Wir werden auch die Sozialleistung
des Asta aufrecht erhalten. Wir haben bei Erstellung
des Haushaltsplans den Sozialfonds erhöht, aus
dem sich Studenten den Semesterbeitrag zurückerstatten
lassen können, wenn sie kein Geld haben. Die dafür
vorgesehene Summe ist an den erhöhten Sozialbeitrag
angepasst, der vor allem durch die Einführung des
NRW-Tickets bedingt ist.
Außerdem wollen wir die Fachschaften wieder fördern.
Im letzten Jahr gab es hier leider einige Fehlkommunikationen,
die dazu führten, dass die Fachschaften im Unklaren
über die Genehmigung ihrer Anträge waren.
Das gipfelte darin, dass Anträge unbearbeitet liegen
blieben, die Fachschaften nicht planen konnten und wir
bei Amtsantritt bis zu vier Monate alte Anträge
vorfanden. Die nachträgliche Bearbeitung dieser
Anträge wird zudem dadurch erschwert, dass von
Ende November letzten Jahres bis Anfang Februar schlicht
keine Protokolle von Vorstandssitzungen existieren.
Ellmers: Diese Protokolle sind notwendig,
weil man ohne sie keine Auszahlungen tätigen kann.
Werden Sie sich trotz der finanziellen
Situation am Campusfest beteiligen?
Ellmers: Selbstverständlich.
Das Kulturreferat arbeitet bereits intensiv an der Planung
des Bühnenprogramms.
Gesenkte Druckkosten
Wie wollen Sie die bestehenden Schulden
abbauen?
Wolf: Wir führen einen straffen
Haushalt. Beispielsweise haben wir die Haushaltstitel
für diverse Initiativen zu einem einzigen Titel
zusammengefasst. Das soll verhindern, dass eine Initiative
fest mit einem bestimmten Betrag plant, obwohl das Geld
an anderer Stelle sinnvoller verwendet werden kann.
Ellmers: Zudem mussten 120.000 Euro
aus den Rücklagen entnommen werden; ohne sie hätte
die Zahlungsfähigkeit des Asta nicht aufrecht erhalten
werden können. Diese Rücklagen müssen
in den nächsten Jahren selbstverständlich
wieder aufgebaut werden. Weil das innerhalb eines Jahres
nicht zu bewerkstelligen ist, muss sich die nächste
Studierendenschaftsvertretung daran beteiligen. Es gibt
aber auch Einsparungen im aktuellen Haushalt, wie bei
der BSZ, bei der die zuvor in die Höhe geschnellten
Druckkosten gesenkt werden konnten.
Rafael
Rau
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