Rundfunkpionier
Was macht eigentlich … Oliver Zöllner?
Vor ein paar Jahren haben sie
das Leben an der Ruhr-Uni maßgeblich geprägt
– in Forschung, Lehre, Kultur usw. Irgendwann
sind sie aus dem Blickfeld verschwunden. RUBENS hat
sich auf die Suche nach diesen Menschen gemacht. Diesmal
haben wir Prof. Dr. Oliver Zöllner gefunden. Anfang
der Neunziger war er einer der ersten Reporter von Radio
ct (jetzt „ct das Radio“) und allererster
freier Mitarbeiter von RUBENS. Später hat er als
freier Journalist gearbeitet, hat promoviert, war beim
Südwestfunk, hat die Abteilung Markt- und Medienforschung
der Deutschen Welle geleitet und als Unternehmensberater
gearbeitet. Heute lehrt er an der Hochschule der Medien
in Stuttgart. Für das Interview mit Arne Dessaul
kam er nach Bochum.
Herr Prof. Zöllner, wann haben Sie
zuletzt Radio ct gehört?
Das war vor etwa einem halben Jahr, zum zehnjährigen
Jubiläum von ct als Campusradio mit eigener Frequenz.
Wo haben Sie das gehört?
In Stuttgart.
Huch?
Übers Internet. Das funktioniert ausgezeichnet,
die Qualität ist sehr gut.
Bastelarbeit
Hat das aktuelle Programm noch was mit
den Anfangsjahren zu tun?
Nein, nur noch sehr wenig. Von 1990 bis 1997 haben wir
Bürgerfunk in einem kleinen Studio in der Volkshochschule
gemacht, das wurde dann auf der damaligen Ruhrwelle
gesendet, eine Stunde pro Woche. Wir waren eine kleine
Hochschulgruppe mit etwa acht Leuten als hartem Kern.
Jeder musste alles können und machen. Ich war Reporter,
Moderator, Produzent, Mitglied der Redaktionsgruppe
und Techniker. Das war reine Bastelarbeit, mit analogen
Bändern, die man noch richtig schneiden musste.
Heute ist ct ein digitalisiertes, durchformatiertes,
professionelles Radio mit allem Drum und Dran. Toll,
was daraus geworden ist.
Das ist auch Ihr Verdienst.
Wir waren ein Team. Entscheidend ist, dass das Angebot
bis heute so gut funktioniert und angenommen wird. Mittlerweile
ist es doch so, dass die Studenten an jeder Hochschule
erwarten, dass es ein Campusradio gibt. ct war da absoluter
Vorreiter in Deutschland.
Trotzdem hat das Campusradio zurzeit Nachwuchssorgen?
Ja? Mir kam es immer so vor, als würde man ct die
Tür einrennen.
Nicht mehr. Das gilt aber für alle Einrichtungen,
die auf studentisches Engagement angewiesen sind. Die
Studenten haben wegen des verschulten Studiums weniger
Zeit. Und Geld müssen sie auch noch verdienen.
Da bleibt keine Zeit mehr für ehrenamtliche Arbeit.
Also, ich kann nur jedem raten, sich nebenher zu engagieren.
Ich sehe zwar dieses Problem mit dem verschulten Bachelorstudium
auch bei uns in Stuttgart und ich weiß, dass meine
Studenten auch so denken: dass sie in erster Linie an
ihre Kreditpunkte und ans Fortkommen im Studium denken
müssen und dass sie wirklich sehr wenig Zeit haben
neben dem Studium. Aus meiner Erfahrung kann ich allerdings
sagen: Das, was ich bei ct gelernt habe, handwerklich
und auch menschlich, das ist mit Kreditpunkten nicht
aufzuwiegen.
Bis Österreich
Mal was Anderes: Parallel zum Campusradio
hat sich ja in den Neunzigern auch die Campuszeitung
der Ruhr-Uni entwickelt. Sie waren der erste freie Autor
von RUBENS. Wissen Sie noch, worum es in Ihrem ersten
Artikel ging?
Ich glaube, das war über eine Exkursion der Anglisten
nach Schottland.
War das nicht die Sache mit der Präparationstechnik?
Das war später, meine ich. Die haben sich jedenfalls
hinterher mächtig beschwert über meinen Artikel.
Ja, diese Geschichte erzählt man sich auch heute
noch gerne in der Redaktion. Journalismus à la
Bildzeitung hat man uns vorgeworfen, weil nicht genau
das geschrieben wurde, was die Präparatoren erzählt
haben.
(lacht): Ich habe das anders gesehen.
Verständlich. Jedenfalls haben Sie damals Artikel
geschrieben und Radio gemacht – und auch noch
studiert bzw. promoviert. Und das sogar im Ausland.
Das stimmt – ich habe es allerdings „nur“
bis nach Österreich geschafft. Ich habe Publizistik,
Kunstgeschichte sowie Theater-, Film- und Fernsehwissenschaft
in Bochum, Wien und Salzburg studiert. Österreich
war aufgrund der Magister-Studienordnungen damals für
mich das einzig mögliche Ausland. Heutzutage fahren
die Studenten für ein einziges Semester zum Teil
bis nach Neuseeland und bekommen ihre gesamten Studienleistungen
voll anerkannt. Das sind dann die Vorteile des Bachelorstudiums.
Auch wenn ich von diesem verschulten Studium insgesamt
nicht so sehr viel halte.
Verfolgen Sie eigentlich, was auf dem Bochumer Campus
passiert?
Doch, wenn auch etwas sporadisch. Zum einen über
RUB Alumni, zum anderen über Bekannte in Querenburg.
Da erfahre ich zum Beispiel immer mal wieder, wenn ein
Professor emeritiert oder pensioniert wird. Auch RUBENS
lese ich – im Internet.
20 Stunde Lehre
Seit etwa zwei Jahren sind Sie an der Hochschule
der Medien in Stuttgart. Was genau sind Ihre Aufgaben
dort?
Im Studiengang Medienwirtschaft betreue ich den Bereich
Medienmarketing und Marktforschung. Ich unterrichte
die Studenten in den Methoden der Datenerhebung und
Datenanalyse, in Medienmarketing, Medienforschung, Unternehmenskommunikation,
Public Relations sowie in Internationaler Kommunikation.
Das ist eine Menge.
Ich habe ja auch mindestens 18 Semesterwochenstunden
Zeit dafür, momentan mache ich sogar 20. Nicht
untypisch für Fachhochschulen. An Universitäten
beträgt das Lehrdeputat meist maximal neun Semesterwochenstunden.
Und trotzdem geht der Trend dahin, dass auch FH-Profs
nebenher intensiv forschen und publizieren sollen. Leider
hat der Tag nur 24 Stunden. All die Lehrveranstaltungen
müssen ja auch vor- und nachbereitet werden, hinzu
kommen Bachelorarbeiten usw. Aber dass das bitte nicht
falsch verstanden wird: Mir macht die Arbeit an der
Hochschule der Medien sehr viel Spaß.
Es lohnt sich also nicht zu fragen, ob Sie sich vorstellen
könnten, an die RUB zurückzukehren? Wir haben
ja jetzt auch einen Bereich Medienwissenschaft.
(lacht erneut): Fragen kann man immer. Andererseits
sind die Bedingungen in Stuttgart optimal. 3.300 motivierte
Studenten, hervorragende Ausstattung, nette Kollegen
...
Schon gut, schon gut.
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