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RUBENS 124

1. Mai 2008



Rundfunkpionier


Was macht eigentlich … Oliver Zöllner?

Vor ein paar Jahren haben sie das Leben an der Ruhr-Uni maßgeblich geprägt – in Forschung, Lehre, Kultur usw. Irgendwann sind sie aus dem Blickfeld verschwunden. RUBENS hat sich auf die Suche nach diesen Menschen gemacht. Diesmal haben wir Prof. Dr. Oliver Zöllner gefunden. Anfang der Neunziger war er einer der ersten Reporter von Radio ct (jetzt „ct das Radio“) und allererster freier Mitarbeiter von RUBENS. Später hat er als freier Journalist gearbeitet, hat promoviert, war beim Südwestfunk, hat die Abteilung Markt- und Medienforschung der Deutschen Welle geleitet und als Unternehmensberater gearbeitet. Heute lehrt er an der Hochschule der Medien in Stuttgart. Für das Interview mit Arne Dessaul kam er nach Bochum.

Herr Prof. Zöllner, wann haben Sie zuletzt Radio ct gehört?
Das war vor etwa einem halben Jahr, zum zehnjährigen Jubiläum von ct als Campusradio mit eigener Frequenz.

Wo haben Sie das gehört?

In Stuttgart.

Huch?

Übers Internet. Das funktioniert ausgezeichnet, die Qualität ist sehr gut.

Bastelarbeit

Hat das aktuelle Programm noch was mit den Anfangsjahren zu tun?
Nein, nur noch sehr wenig. Von 1990 bis 1997 haben wir Bürgerfunk in einem kleinen Studio in der Volkshochschule gemacht, das wurde dann auf der damaligen Ruhrwelle gesendet, eine Stunde pro Woche. Wir waren eine kleine Hochschulgruppe mit etwa acht Leuten als hartem Kern. Jeder musste alles können und machen. Ich war Reporter, Moderator, Produzent, Mitglied der Redaktionsgruppe und Techniker. Das war reine Bastelarbeit, mit analogen Bändern, die man noch richtig schneiden musste. Heute ist ct ein digitalisiertes, durchformatiertes, professionelles Radio mit allem Drum und Dran. Toll, was daraus geworden ist.

Das ist auch Ihr Verdienst.

Wir waren ein Team. Entscheidend ist, dass das Angebot bis heute so gut funktioniert und angenommen wird. Mittlerweile ist es doch so, dass die Studenten an jeder Hochschule erwarten, dass es ein Campusradio gibt. ct war da absoluter Vorreiter in Deutschland.

Trotzdem hat das Campusradio zurzeit Nachwuchssorgen?

Ja? Mir kam es immer so vor, als würde man ct die Tür einrennen.

Nicht mehr. Das gilt aber für alle Einrichtungen, die auf studentisches Engagement angewiesen sind. Die Studenten haben wegen des verschulten Studiums weniger Zeit. Und Geld müssen sie auch noch verdienen. Da bleibt keine Zeit mehr für ehrenamtliche Arbeit.

Also, ich kann nur jedem raten, sich nebenher zu engagieren. Ich sehe zwar dieses Problem mit dem verschulten Bachelorstudium auch bei uns in Stuttgart und ich weiß, dass meine Studenten auch so denken: dass sie in erster Linie an ihre Kreditpunkte und ans Fortkommen im Studium denken müssen und dass sie wirklich sehr wenig Zeit haben neben dem Studium. Aus meiner Erfahrung kann ich allerdings sagen: Das, was ich bei ct gelernt habe, handwerklich und auch menschlich, das ist mit Kreditpunkten nicht aufzuwiegen.

Bis Österreich

Mal was Anderes: Parallel zum Campusradio hat sich ja in den Neunzigern auch die Campuszeitung der Ruhr-Uni entwickelt. Sie waren der erste freie Autor von RUBENS. Wissen Sie noch, worum es in Ihrem ersten Artikel ging?
Ich glaube, das war über eine Exkursion der Anglisten nach Schottland.

War das nicht die Sache mit der Präparationstechnik?

Das war später, meine ich. Die haben sich jedenfalls hinterher mächtig beschwert über meinen Artikel.

Ja, diese Geschichte erzählt man sich auch heute noch gerne in der Redaktion. Journalismus à la Bildzeitung hat man uns vorgeworfen, weil nicht genau das geschrieben wurde, was die Präparatoren erzählt haben.

(lacht): Ich habe das anders gesehen.

Verständlich. Jedenfalls haben Sie damals Artikel geschrieben und Radio gemacht – und auch noch studiert bzw. promoviert. Und das sogar im Ausland.

Das stimmt – ich habe es allerdings „nur“ bis nach Österreich geschafft. Ich habe Publizistik, Kunstgeschichte sowie Theater-, Film- und Fernsehwissenschaft in Bochum, Wien und Salzburg studiert. Österreich war aufgrund der Magister-Studienordnungen damals für mich das einzig mögliche Ausland. Heutzutage fahren die Studenten für ein einziges Semester zum Teil bis nach Neuseeland und bekommen ihre gesamten Studienleistungen voll anerkannt. Das sind dann die Vorteile des Bachelorstudiums. Auch wenn ich von diesem verschulten Studium insgesamt nicht so sehr viel halte.

Verfolgen Sie eigentlich, was auf dem Bochumer Campus passiert?

Doch, wenn auch etwas sporadisch. Zum einen über RUB Alumni, zum anderen über Bekannte in Querenburg. Da erfahre ich zum Beispiel immer mal wieder, wenn ein Professor emeritiert oder pensioniert wird. Auch RUBENS lese ich – im Internet.

20 Stunde Lehre

Seit etwa zwei Jahren sind Sie an der Hochschule der Medien in Stuttgart. Was genau sind Ihre Aufgaben dort?
Im Studiengang Medienwirtschaft betreue ich den Bereich Medienmarketing und Marktforschung. Ich unterrichte die Studenten in den Methoden der Datenerhebung und Datenanalyse, in Medienmarketing, Medienforschung, Unternehmenskommunikation, Public Relations sowie in Internationaler Kommunikation.

Das ist eine Menge.

Ich habe ja auch mindestens 18 Semesterwochenstunden Zeit dafür, momentan mache ich sogar 20. Nicht untypisch für Fachhochschulen. An Universitäten beträgt das Lehrdeputat meist maximal neun Semesterwochenstunden. Und trotzdem geht der Trend dahin, dass auch FH-Profs nebenher intensiv forschen und publizieren sollen. Leider hat der Tag nur 24 Stunden. All die Lehrveranstaltungen müssen ja auch vor- und nachbereitet werden, hinzu kommen Bachelorarbeiten usw. Aber dass das bitte nicht falsch verstanden wird: Mir macht die Arbeit an der Hochschule der Medien sehr viel Spaß.

Es lohnt sich also nicht zu fragen, ob Sie sich vorstellen könnten, an die RUB zurückzukehren? Wir haben ja jetzt auch einen Bereich Medienwissenschaft.

(lacht erneut): Fragen kann man immer. Andererseits sind die Bedingungen in Stuttgart optimal. 3.300 motivierte Studenten, hervorragende Ausstattung, nette Kollegen ...

Schon gut, schon gut.



 



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