Genforschung am Synthesizer
Gilles Gasser sucht neue Wege für DNA-Analyse und
Gentherapie
Als Stipendiat der Alexander-von-Humboldt-Stiftung
ist Dr. Gilles Gasser im Herbst 2007 aus Melbourne für
ein Jahr an die Ruhr-Uni gekommen. Er arbeitet an der
Entwicklung DNA-ähnlicher Verbindungen, die zukünftig
in Gentherapie und DNA-Analyse eingesetzt werden sollen.
Vor allem aber fühlt er sich pudelwohl im Ruhrgebiet
und im (früheren) Ruhrstadion.
Seit rund sieben Monaten arbeitet Gilles Gasser am
Lehrstuhl für Anorganische Chemie I (Bioanorganische
Chemie, Prof. Dr. Nils Metzler-Nolte). Er synthetisiert
und untersucht eine Klasse von neuen chemischen Verbindungen,
die aus einem Metallkomplex und einem DNA-ähnlichen
Molekül, den Peptidnukleinsäuren (PNA) bestehen.
PNA setzen sich wie DNA aus einzelnen Bausteinen zusammen:
Mit einem speziellen Gerät, dem PNA-Synthesizer,
verknüpft Gasser diese Bausteine zu PNA-Strängen
mit unterschiedlichen Sequenzen. Auf lange Sicht soll
seine Arbeit dabei helfen, Gendefekte und Genkrankheiten
frühzeitig zu erkennen (Details siehe Kasten).
Neuchâtel – Melbourne – Bochum
Gilles Gasser ist gebürtiger Schweizer, er lebt
aber seit drei Jahren in Melbourne. Nach seinem Chemiestudium
und der Doktorarbeit an den Universitäten von Neuchâtel
und Exeter erhielt er ein Stipendium des Schweizer Nationalfonds
für seine Postdoktorforschung an der Monash University
in Melbourne. Auch dort arbeitete Gasser an den Eigenschaften
von PNA. Um mehr internationale Erfahrungen zu sammeln,
bewarb er sich um ein Stipendium der Humboldt-Stiftung.
Da er die Schweiz und England bereits kannte, sollte
es nun ein anderes europäisches Land sein. Seine
australische Verlobte, die ihn nun begleitet, wollte
Europa ohnehin kennen lernen. Sie ist ebenfalls Chemikerin
und arbeitet zurzeit am Max-Planck-Institut in Dortmund.
Gasser betont, dass deutsche Universitäten und
insbesondere die Ruhr-Uni international einen sehr guten
Ruf haben: „Das betrifft sowohl die wissenschaftliche
Ausrichtung als auch die Ausstattung.“ Gasser
räumt zwar ein, dass Australien bei Landschaft
und Wetter etwas mehr zu bieten hat als das Ruhrgebiet,
dass die Ruhr-Uni aber der ideale Standort für
seine Forschung ist: „Die Uni ist sehr praktisch
organisiert, alles ist auf dem Campus eng zusammen.
Hier gibt es alle technischen Apparaturen und Chemikalien,
die ich für meine Arbeit brauche. Wenn einmal etwas
fehlt, kann man es innerhalb von zwei Tagen bestellen
– in Australien würde es Wochen dauern.“
Hinzu kommt, dass Gasser sich als ausländischer
Gast vom Lehrstuhl sehr gut betreut fühlt.
Gilles und sein VfL
Wie seine Zukunft aussehen soll, weiß Gasser
schon jetzt. Nach der Zeit in Bochum möchte er
mit seiner Verlobten zurück nach Melbourne ziehen
und dort forschen und lehren. Zunächst jedoch hat
er für sein Stipendium, das noch bis Ende August
läuft, einen Verlängerungsantrag für
mindestens sechs Monate gestellt, denn seine Forschung
steht noch am Anfang. Eine Verlängerung käme
nicht nur seiner Arbeit, sondern auch seinem Hobby Fußball
entgegen: Er hat schon mehrere Spiele des VfL Bochum
besucht, auch auswärts.
PNA-Forschung
Genau wie DNA können PNA-Stränge sich mit
komplementären DNA-Strängen zu Doppelsträngen
zusammenlagern (Hybridisierung). PNA hat dabei jedoch
einige Vorteile gegenüber DNA: So sind die gebildeten
Doppelstränge wesentlich stabiler als DNA-Stränge
und können nicht von biologischen Enzymen erkannt
und zerstört werden, da PNA kein natürliches
Molekül ist. Wird PNA mit einer bekannten Sequenz,
die mit einem fluoreszenzaktiven Metallkomplex versehen
ist, in eine biologische Zelle gebracht, so wird das
PNA-Molekül also nicht enzymatisch zerstört
und kann sich an eine komplementäre DNA-Sequenz
binden. Diese Hybridisierung kann mit einem Fluoreszenz-Spektroskop
sichtbar gemacht werden. Langfristig soll diese Methode
zur Erkennung von Gendefekten und Genkrankheiten genutzt
werden. Gilles Gasser stellt verschiedene neue PNA-Oligomere
her und hat eine neue Methode entwickelt, um Metallkomplexe
an PNA-Oligomere zu binden.
Julia
Brosig
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