Was von der IBA übrig blieb
Neuerscheinung
Geschunden und abgegrast war das Ruhrgebiet, als 1989
die Internationale Bauausstellung (IBA) Emscher Park
gegründet wurde. Die Schwerindustrie hatte die
Region über Jahrzehnte hinweg ausgelaugt und sich
dann verflüchtigt und sich selbst überlassen.
Zurück blieben wild zuwuchernde Brachen, unattraktive
Werkswohnungen, sozial schwierige Städte. In der
Mitte von allem die Emscher, eingezwängt in ein
Betonbett und verunreinigt mit allerhand Abwässern,
eine stinkende Kloake.
Die IBA trat mit großen Ideen an für das
70 Kilometer lange und mehrere Kilometer breite Gelände,
das ein „Park“ werden sollte – und
letztlich ohne Plan. Es ging um Projekte, der Ausgang
war mehr oder weniger offen. Ziele der IBA waren mehr
Grün, die Renaturierung der Emscher, attraktives
Wohnen, Arbeiten im Park, ökologisches Bauen. 260
Projektvorschläge wurden von den 17 Ruhrgebietsstädten
eingereicht, 118 davon verwirklicht. Mehr als zwei Milliarden
Euro flossen hinein. Die Früchte der IBA sind zum
Beispiel die Akademie Mont Cenis in Herne, der Westpark
in Bochum und der Landschaftspark Duisburg-Nord, auch
das Tetraeder in Bottrop.
Bochumer Betrachtungen
Zehn Jahre nach dem Start ging die IBA zuende, die
eigens gegründete Gesellschaft wurde abgewickelt,
die Förderung für die Projekte zurückgefahren.
Noch fast zehn Jahre später werfen die Macher und
Experten verschiedener Fachrichtungen in einer Broschüre
einen Blick zurück: Was ist übrig von der
IBA? Wie haben sich die Bauten entwickelt? Sind die
Träume wahr geworden?
Thomas Urban vom Institut für Soziale Bewegungen
der RUB, das die Akten der IBA nach deren Abwicklung
übernommen hat, und Achim Dahlheimer, früherer
IBA-Mitarbeiter und heute Referatsleiter im NRW-Bauministerium,
rollen die Geschichte der IBA noch einmal kurz und übersichtlich
auf. Dann haben Experten das Wort: Raum- und Stadtplaner,
Architekten und Politiker betrachten noch einmal kritisch
die Ergebnisse der IBA. Sie zeigen, wo Konzepte nicht
aufgegangen sind, kommen aber insgesamt zu dem Schluss,
dass die IBA lehrreich und an vielen Orten genau richtig
war. Dass sie vielleicht sogar Voraussetzungen erst
geschaffen hat, die es heute ermöglichen, dass
Essen und das Ruhrgebiet sich als Kulturhauptstadt qualifizieren.
Ein Interview mit Prof. Dr. Karl Ganser, ehemals Geschäftsführer
der IBA Gesellschaft, rundet die Broschüre ab:
mit einem kleinen Einblick in die Begeisterung, die
in der IBA steckte und den Mut ihrer Macher, ausgetretene
Pfade zu verlassen.
Info: Visionen für das Ruhrgebiet.
IBA Emscher Park: Konzepte, Projekte, Dokumentation.
Herausgegeben von der Stiftung Bibliothek des Ruhrgebiets,
bearbeitet von Thomas Urban. Klartext Verlag Essen,
2008, 98 Seiten zzgl. CD-ROM; ISBN 978-3-89861-889-2.
md
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