Stabile Stämme gesucht
Ende April wird in ND das Christian Doppler-Labor „Biotechnologie
der Pilze“ eröffnet
Anwendungsorientierte Grundlagenforschung, Zusammenarbeit
zwischen Universitäten und Unternehmen, Technologietransfer
– wer sich diese Ziele auf die Fahne schreibt,
trifft den wissenschaftlichen Zeitgeist perfekt. Die
österreichische Christian Doppler Gesellschaft
verfolgt genau diese Ideen mit ihren rund 50 CD-Labors.
Ende April eröffnet an der RUB eine der ersten
außerhalb Österreichs gelegenen Einrichtungen.
Im CD-Labor „Biotechnologie der Pilze“ arbeitet
das Team von Prof. Ulrich Kück (Lehrstuhl für
Allgemeine und Molekulare Botanik) mit dem Pharmakonzern
Sandoz zusammen. Ihr gemeinsames Ziel: Stabile gentechnisch
veränderte Pilzstämme für die Herstellung
von pharmazeutischen Produkten.
Den österreichischen Wissenschaftler Christian
Doppler (1803-1853) kennt man vor allem dank des gleichnamigen
physikalischen Effekts. Wie auch in Deutschland üblich
(Max-Planck-Gesellschaft, Fraunhofer Gesellschaft) wurde
im Nachbarland eine wissenschaftliche Vereinigung nach
ihm benannt: die Christian Doppler Gesellschaft (CDG).
Seit 2000 gründet sie an österreichischen
Hochschulen Forschungsinstitute, die Christian-Doppler-Labors
(CD-Labors). Ihre Finanzierung erfolgt je zur Hälfte
durch die öffentliche Hand (Republik Österreich)
und kooperierenden Mitgliedsunternehmen der CDG.
Durch dieses Modell soll ein Brückenschlag zwischen
Grundlagenforschung und industrieller Anwendung erfolgen.
Die meisten Labors sind als Abteilungen an Hochschulinstitute
angegliedert. So kann die bestehende wissenschaftliche
Infrastruktur genutzt werden. Die Forschungsaufträge
stammen von Partnern aus der Industrie. Die Laboratorien
forschen im Auftrag und mit Unterstützung der Partner
an einem Thema der anwendungsorientierten Grundlagenforschung.
Die Spannweite der Forschung und Entwicklung an diesen
Labors reicht von Physik, Elektrotechnik und Informatik
über geometrische Anwendungen und Verkehrstechnik
bis zur Biologie und Medizin.
Maximal sieben Jahre
Neuerdings reicht die Tätigkeit der Christian
Doppler Gesellschaft über Österreich hinaus:
Zu den ersten außerhalb Österreichs eröffneten
Einrichtungen gehört das CD-Labor „Biotechnologie
der Pilze“ am Lehrstuhl für Allgemeine und
Molekulare Botanik der Ruhr-Uni. Die vier Labor- und
zwei Schreibräume im Gebäude ND (Ebene 6)
werden am 25. April offiziell eröffnet: mit Vorträgen
und einer kleinen Feier. Finanziert wird das Labor von
der CDG und vom Pharmakonzern Sandoz.
Mit der Firma Sandoz arbeitet Lehrstuhlinhaber Prof.
Dr. Ulrich Kück schon länger zusammen, die
Idee zum CD-Labor entstand vor etwa einem Jahr. Es folgten
Anträge und Begutachtungen internationaler Experten.
Zudem erklärte sich das Rektorat bereit, Räume
zur Verfügung zu stellen. Dann kam das Okay aus
Österreich und die Finanzierungszusage für
zunächst zwei Jahre. „Daraus können
maximal sieben Jahre werden“, erklärt Kück.
In dieser Zeit werden bis zu 1,5 Mio. Euro in das Labor
fließen: für technische Geräte wie Schüttler
oder Inkubatoren und für wissenschaftliches und
technisches Personal. „Vor allem das technische
Personal ist enorm wichtig, denn bei der Forschung mit
Pilzkulturen ist Handarbeit gefragt“, erläutert
Prof. Kück und zeigt auf die mit frisch angelegten
Pilzkulturen gefüllten Petrischalen und Kolben,
die hier überall stehen.
Natürlich freut sich auch sein Team über die
zusätzlichen Labore mit neuester Technik. „Davon
profitieren auch unsere Studierenden, die wir hier ausbilden
werden“, sagt Dr. Birgit Hoff, die genau wie Kück
im CD-Labor arbeiten wird. Das Labor passt zudem hervorragend
zum neuen Schwerpunkt der Fakultät, die seit ein
paar Monaten Fakultät für Biologie und Biotechnologie
heißt.
Instabile Hochproduzentenstämme
Mit gentechnischen und molekularbiologischen Methoden
möchten die Biologen um Kück und Hoff folgende
Frage beantworten: Warum sind bestimmte gentechnisch
veränderte Stämme von Hyphenpilzen instabil?
Die dabei in Bochum benutzten Stämme ähneln
den Stämmen, die Sandoz nutzt, um Antibiotika,
Immunosuppressiva oder Statine herzustellen und damit
pro Jahr mehrere Milliarden Euro umzusetzen. Diese sog.
pilzlichen Hochproduzentenstämme von Sandoz sind
bislang jedoch sehr instabil und das beeinträchtigt
ihre Produktivität. Das heißt im Klartext:
Die Forschungsresultate aus dem CD-Labor Biotechnologie
der Pilze der RUB liefern dem Industriekonzern Sandoz
eines Tages das notwendige Know-how, ihre eigenen Stämme
zu stabilisieren und so die Produktion zu optimieren.
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