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RUBENS 123

1. April 2008


Der Besucher als Teil des Kunstwerks


Serie Situation Kunst




Das im September 2006 eröffnete Erweiterungsgebäude von Situation Kunst beherbergt bedeutende Werke der Gegenwartskunst. RUBENS stellt die Exponate nach und nach vor, diesmal TOT von Richard Serra, eine aus Stahl gewalzte Plastik (1977).

Im Zentrum des Erweiterungsgebäudes steht die schräg aufgestellte, zum Teil in den Boden eingelassene Bramme TOT von Richard Serra. Die aus massivem Stahl gewalzte, zirka zehn Tonnen schwere Plastik misst 210 x 210 x 30 Zentimeter und definiert den Raum des eigens für das Werk konzipierten Innenhofs. Die auf einer Seite schräg in den Boden abgesenkte Bramme wird von vier Außenwänden des Museums gerahmt, wobei eine Wand durch eine breite, bodentiefe Fensterscheibe durchbrochen wird und den Blick auf das Innere des Museums freigibt. Genauer: auf die Lichtkunstobjekte Dan Flavins.

Dialog mit Flavin

Das schwere Material der Plastik tritt dadurch in einen Dialog mit den immateriellen, leicht wirkenden Lichtreflexen der Flavin-Arbeiten. Das farbige Licht der Leuchtstoffröhren vermag die Starre und Schwere der Plastik rezeptiv zu steigern. Gemein ist den Werken, dass sie industriell angefertigt wurden und somit einem verwandten Prozess entsprungen sind. Die Verschiedenheit des Materials erzeugt jedoch gänzlich konträre Bedeutungshorizonte. Während das leuchtende Material Flavins einen leichten und immateriellen Eindruck vermittelt, transportiert das Material bei Serra ein Gefühl von Schwere.
Die Veränderungen, die das Material je nach Witterung erfährt, sowie die rechteckige Form und die Schwere kehren die Eigenschaften der Bramme hervor und führen die Rezeption der Plastik immer wieder zu ihrem Ursprung zurück: dem Material.
Durch die zu allen Seiten geschlossene Architektur des Innenhofes und die Isolation der Plastik von der Außenwelt (der Blick durch die Fensterscheibe nach oben in den Himmel vermag das Gefühl der Isolation nur noch zu verstärken) konzentriert sich die Wahrnehmung des Betrachters auf die Plastik. Abgesehen von ihr befindet sich lediglich der Besucher im Raum. Material und Form gewinnen dadurch an Präsenz; denn TOT ist durch die Quaderform nicht figurativ, sondern schlicht geometrisch. Das Material wird zum Sinn stiftenden Moment. Die Schrägstellung und scheinbare Instabilität der Plastik (je nach Betrachterperspektive verändert sich die Wahrnehmung der Bramme) überträgt sich auf den Betrachter. Da sich der Rezipient auf gleicher Höhe und auf gleichem Grund befindet wie die Plastik, hebt sich die Distanz zwischen Werk und Betrachter auf.

Der eigene Standpunkt

Die Isolation fordert den Besucher außerdem zur Auseinandersetzung mit dem eigenen Betrachterstandpunkt auf. Im Gegensatz zu der von Foucault in „Überwachen und Strafe" beschriebenen Betrachtersituation, in der dieser von einem Überwachungsturm aus einen panoptischen Blick gewinnt, ist der Betrachter von TOT selber Mittelpunkt der Gefangenschaft und daher Gegenstand der Betrachtung. Indem andere Besucher des Museums durch die Glasscheibe hindurch den Betrachter der Serra-Plastik wiederum selber betrachten können, wird der TOT-Betrachter selbst Bestandteil des Kunstwerkes. Die Beziehungen zwischen Subjekt und Objekt, also Mensch und Kunstwerk, aber auch der Status des Betrachters werden hinterfragt.
Ein starker Kontrast zwischen dem massiven Stahlkoloss und der Fragilität der Aufstellung liegt der Plastik zugrunde. Indem das Kunstwerk partiell in den Boden versinkt, ist der Besucher angehalten, auch über den eigenen Standpunkt nachzudenken. Der durch die Schrägstellung der Bramme bewirkte Eindruck von Instabilität verleiht dem Titel besonderen Nachdruck. So wie der überwiegend sichtbare Teil des Werkes das Nicht-Sichtbare mit einschließt, verstehen wir TOT erst durch das Verhältnis der Komplementärbegriffe tot/lebendig. In Serras Arbeit schließen die offensichtlichen Eigenschaften auch die im Verborgenen liegenden Merkmale des Kunstwerkes mit ein.

Info: Situation Kunst im Schlosspark Bochum-Weitmar, Nevelstraße 29c-d, geöffnet Mi+Fr 14-18 h, Sa+So 12-18 h, http://www.situation-kunst.de







Situation Kunst
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Letzte Änderung: 31.3.2008| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik