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RUBENS 123

1. April 2008



Die Liste der Lebenden




Studierende der RUB begleiten die Entstehung des Platzes des Europäischen Versprechens



Noch ist der Platz derart unbedeutend, dass er von vielen Bochumern gar nicht als Platz wahrgenommen wird. Sie sehen nur eine unbebaute Fläche zwischen Rathausrückseite, Kneipe und Christuskirche, die zum Teil als Parkplatz dient. Doch dank der Idee des Künstlers Jochen Gerz wird der Ort seine Schönheit bald von Innen heraus gewinnen und als Platz des europäischen Versprechens einen zentralen Beitrag zur Europäischen Kulturhauptstadt Ruhr 2010 leisten. Studierende der RUB begleiten das Projekt in Seminaren und mit einem Buch.

„Tausende Europäer gründen mitten in Bochum einen neuen Platz“. Das ist ein grandioser Einfall mit folgender Vorgeschichte: Der Künstler Jochen Gerz wurde im Rahmen eines städtebaulichen Wettbewerbs eingeladen, ein Konzept für die Umgestaltung des unscheinbaren Platzes an der Christuskirche zu entwickeln. Den Ausgangspunkt zu seiner Arbeit bildet die Helden-Gedenkhalle von 1931 im sanierten Turm der Kirche. Hier bewahrt ein goldenes Mosaik die Namen von 1.358 gefallenen Bochumern des Ersten Weltkriegs und eine prophetische Liste der 28 „Feindstaaten“ Deutschlands. Tod, Krieg, Feindschaft – Gerz beschließt, diesen beiden Listen mit dem Platz des europäischen Versprechens eine dritte Liste mit den Namen der Lebenden entgegenzusetzen.

Gemeinschaftsprojekt

Der Künstler lädt die Bürger Bochums und ganz Europas ein, den neuen Platz gemeinsam zu erschaffen. Jeder Teilnehmer trägt seinen Namen bei, der in Steinplatten gemeißelt und später auf dem Platz verewigt wird. Hinter jedem Namen steht ein Mensch, der ein freies und geheimes Versprechen an Europa gegeben hat. Auf diese Weise verleihen die Autoren dem Platz eine vollkommen neue Bedeutungsebene und Identität. Der Platz des Europäischen Versprechens gehört zu den Leitprojekten der Europäischen Kulturhauptstadt Ruhr 2010.
Mittlerweile (Stand: Ende März) sind knapp 4.000 Menschen der Einladung von Jochen Gerz gefolgt. Es bleibt noch genügend Zeit, viele weitere zu finden, denn der Platz soll erst am 31. Dezember 2010 eingeweiht werden. „Am letzten Tag des Kulturhauptstadtjahres möchte ich ihn seinen Autoren übergeben“, sagt Gerz. Bis es so weit ist, werden bis zu vier Fräsmaschinen in Norditalien nahezu rund um die Uhr laufen, um die Namen in die Steinplatten zu gravieren.

Einmalige Gelegenheit

Bis dahin gibt es begleitend zahlreiche Veranstaltungen und Aktivitäten. Für die Kunsthistoriker der Ruhr-Uni bietet der Platz des europäischen Versprechens eine einmalige Gelegenheit, direkt vor der Haustür die Entstehung eines Kunstwerkes über Jahre hinweg zu verfolgen und einen renommierten Künstler während dieses Prozesses zu erleben. Unter anderem befasst sich Dr. Hans H. Hanke (Lehrbeauftragter am Kunstgeschichtlichen Institut) intensiv damit.
Der Denkmalpfleger und Autor vieler Bücher über architektonische und soziale Themen behandelt in seinen Seminaren an der RUB sowohl die Kirche als auch den entstehenden Platz. „2003 habe ich per Aushang an der Uni Studenten aus aller Welt für ein Projekt zur Christuskirche gesucht. Zusammen haben wir beispielsweise die Angehörigen bzw. Nachkommen von vielen der 1.358 Gefallenen ausfindig gemacht und mit ihnen gesprochen und viel Historisches und Kunstgeschichtliches zur Kirche zusammengetragen“, erzählt Hans Hanke. Heraus kam das Buch „Christuskirche Bochum“, das im Herbst 2008 im Essener Klartext Verlag erscheint. Bereits fertig ist eine Magisterarbeit zur Helden-Gedenkhalle und zu Heinrich Rüter, der sie gestaltet hat.

Einladung
Bislang hält Jochen Gerz die Ruhr-Uni für „ein U-Boot in Bochum, das in der Stadt nicht vorkommt“. Gerade deshalb lädt er explizit alle Studierenden und Beschäftigten ein, sich am Platz des europäischen Versprechens zu beteiligen, ein Versprechen zu geben und damit Teil des Kunstwerkes zu werden. Das funktioniert denkbar unbürokratisch unter http://www.pev2010.de.




 


 







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