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RUBENS 122

1. Februar 2008



Wo die Wasser nicht fließen …



Serie Campus & Kunst



Mit der Kunst am Bau ist das so eine Sache. Manchmal verursacht sie einen Skandal, manchmal nur Desinteresse. Das gilt zum Teil auch für die Kunst an der RUB. Diese Serie will zeigen, dass die Werke auf dem Campus einen fantastischen Querschnitt durch die Kunstrichtungen der 60er- und 70er-Jahre bieten. Diesmal widmen wir uns dem Werk von Erich Reusch.

Für die meisten Besucher der RUB ist es wahrscheinlich lediglich eine Besonderheit in der Gestaltung des Forums. Dass es sich hierbei um eine Skulptur von Erich Reusch, einem der wichtigsten und innovativsten Bildhauer des 20. Jahrhunderts handelt, bleibt wohl ebenso verborgen, wie die Tatsache, dass der leuchtend blau geflieste Treppenabgang zum Parkhaus ein Teil dieser Installation ist. Eigentlich auch nicht verwunderlich, wenn man bedenkt, dass diese Skulptur ursprünglich etwas anders gedacht war.
Die „Gutachterkommission für die künstlerische Ausgestaltung der Ruhr-Universität“ entschied auf Vorschlag der Architekten Hentrich und Petschnigg im Jahre 1970, Reusch mit der Gestaltung des Nordostteils des Forums „in Verbindung mit einer Wasseranlage“ zu beauftragen. Leider ist die ursprünglich geplante Platzgestaltung, von der Reusch bei seinem Entwurf ausgegangen war, nicht realisiert worden. Es fehlt die monumentale Skulptur, die schräg gegenüber in der Nähe der Brücke zur G-Reihe geplant war und auf die Reuschs Plastik Bezug nehmen sollte. Aber vor allem das zentrale Element der Plastik, das Wasser, fehlt heute.

Raum als Gestaltungsaufgabe

Erich Reusch, geboren 1925 in Wittenberg, war lange als Architekt tätig, bevor er 1964 zur Plastik überging. Die Funktionszwänge der Architektur standen seiner Meinung nach dem gestalteten, rhythmisierten Raum im Wege. Ganz anders die Plastik. Eine maßgebliche Basis für die Expansion der Plastik in den Sechzigern war der Schritt von der vertikalen Erhebung zur horizontalen Erstreckung. Es entwickelte sich eine neue Bedeutung von Ausbreitung, Boden und Umgebung, mit dem Ziel, den Raum erfahrbar und dem Empfinden des Menschen verfügbar zu machen. Die durch die Zwänge der Industrie- und Massengesellschaft überlagerte Empfindungsfähigkeit für Raum und Raumbeziehungen wollte Reusch neu erwecken.
Mit der Einbeziehung des Bodens in seine Plastiken ergaben sich für die Umgebung neue Aspekte der Ausdehnung, der Weite und des Horizonts – so auch für das Forum. Seine Skulpturen beziehen sich immer auch auf den Menschen, seine Anwesenheit, Orientierung und Wahrnehmung im Raum. Zusammengenommen zeigt die plastische Arbeit Reuschs den Versuch, die künstlerische Gestaltung des Raumes in Beziehung zum Außenraum, zu dessen landschaftlichen und architektonischen Gegebenheiten, aber auch dessen sozialen Erfordernissen und Bedingungen zu definieren.
Die architekturbezogene Skulptur auf dem Forum wurde in die Plattierung des Platzes integriert. Ihre Terrassen, die zum Sitzen einladen sollten, bewirken im Zusammenhang mit der Struktur der Anlage durch die Rinnen eine räumliche Gestaltung in verschiedenen Ebenen. In den Rinnen zwischen den Steinplatten lief ursprünglich Wasser, in dessen Oberfläche sich die umliegenden Gebäude des Platzes und der Himmel spiegeln konnten und führten so zu einer verstärkten Verbindung von Architektur und Platzgestaltung. Leider war der Wasserlauf der Installation nur kurze Zeit in Betrieb und ist bis heute nicht repariert worden. So ist die eigentliche räumliche Wirkung für den gesamten Platz heute kaum noch vorstellbar. Allerdings erfüllt sie als beliebter Treffpunkt und Ort der Kommunikation eine der anderen gewünschten Funktionen von Reusch.

Kein pathetischer Springbrunnen

Die Verwendung des Elements Wasser als gestalterisches Mittel stellte eine Neuerung in der Kunst der sechziger Jahre dar. Wie wesentlich Wasser mit seiner visuellen Funktion für die Anlage auf dem Forum tatsächlich war, verdeutlicht Reusch selbst: „Ich habe Wasser so verwendet, dass keine monumentalen Wasserberge entstehen, wie etwa die oft pathetischen Springbrunnen. Ich habe Wasser vielmehr in Bezug zum Boden und zur Erde gesetzt, oder habe es in sehr kleinen und engen Führungen durch Skulpturen geleitet, wie in Bochum. Hier war das Ziel eine große Nähe zum Betrachter, zum Benutzer der Skulptur.“

 

Alexandra Apfelbaum, Universitätsarchiv
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Letzte Änderung: 31.1.2008| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik