Ruhr-Universität Bochum zur Navigation zum Inhalt Startseite der RUB pix
Startseite UniStartseite
Überblick UniÜberblick
A-Z UniA-Z
Suche UniSuche
Kontakt UniKontakt

pix
 
Das Siegel
Naturwissenschaften Ingenieurwissenschaften Geisteswissenschaften Medizinische Einrichtungen Zentrale Einrichtungen
pix
RUBENS - Zeitschrift der RUB
RUBENS- Startseite

Lesen
Aktuelle Ausgabe
Archiv
¤Ausgabe Nr. 122
  ¤Artikel
pdf-Dateien

Service & Kontakt
Mediadaten
Redaktion
E-Mail Service
Kontakt

Volltextsuche
pix RUBENS - Zeitschrift der Ruhr-Universität
Nachrichten, Berichte und Meinungen
 
 
 
    
pix
Artikel » Ausgabe 122 »Archiv » RUBENS » Pressestelle » Ruhr-Universität
pix pix
RUBENS 122

1. Februar 2008



Allons Enfants …



Warum deutsche Frauen wenig Kinder bekommen und Französinnen selten stillen



Zu wenig Frauen bekommen zu wenige Kinder – zumindest in Deutschland kann man das jeden zweiten Tag in der Zeitung lesen. Und je höher der Bildungsstand, desto unwahrscheinlicher das Mutterglück. Das sieht in anderen Ländern ganz anders aus, zum Beispiel in Frankreich. Trotzdem läuft auch dort nicht alles rund. Das Stillen ist bei den Französinnen ziemlich aus der Mode gekommen, nicht so in Deutschland. Diese Unterschiede und ihre Gründe hat Dr. Vera Walburg in ihrer Dissertation genauer untersucht. Ihr Promotionsverfahren schloss sie als sog. Co-Tutelle de Thèse an den Partner-Universitäten Bochum und Toulouse-Le Mirail ab.

90 Prozent der deutschen Frauen stillen ihr Kind nach der Geburt. Sie wissen, dass die Muttermilch für das Baby die gesündestes Nahrung ist und dass das Stillen auch für die Mütter einen gewissen schützenden Effekt hat, beispielsweise vor Krebserkrankungen. In Frankreich liegt die Stillrate nur bei 56 Prozent. „Das liegt daran, dass die französischen Frauen weniger gut informiert sind“, hat Vera Walburg herausgefunden. Die 32-jährige Tochter deutscher Eltern, die in Frankreich lebt, hat für ihre Dissertation 126 französische und 80 deutsche Mütter drei und sechs Monate nach der Geburt befragt. In Frankreich kam der Kontakt über eine Entbindungsstation zustande, in Deutschland über Hebammen.

Teures Privatvergnügen

In Deutschland, so stellte sich heraus, werden die werdenden Mütter während der Schwangerschaft durch ihre Hebammen und in Geburtsvorbereitungskursen ausführlich über das Thema Stillen informiert. Sie lernen sowohl die Vorteile des Stillens als auch die möglichen damit verbundenen Probleme schon im Vorfeld kennen. In Frankreich umfasst die Information über Babynahrung vor der Geburt nur eine Stunde. Zu knapp, meint Vera Walburg, selbst Mutter einer achtjährigen Tochter. Genauso wie auch die Nachsorge in Frankreich eher knapp bemessen ist. Die Teilnahme an Nachsorgeangeboten ist für Französinnen ein Privatvergnügen. In Deutschland werden die Frauen von ihren Hebammen nach der Geburt weiter betreut und haben das Recht auf von der Krankenkasse gezahlte Kurse.
Wesentlich besser also – wenn es denn bei deutschen Frauen überhaupt zu einem Kind kommt. Damit sieht es derzeit nicht so gut aus, ganz anders als in Frankreich. „Die niedrige Geburtenrate in Deutschland hat direkt damit zu tun, dass sich Beruf und Familie so schlecht vereinbaren lassen“, sagt Vera Walburg. „Eine deutsche Frau muss sich letztlich entscheiden: Kind oder Arbeit.“ Nur sehr wenige junge Mütter gehen nach der Geburt ihres Kindes wieder arbeiten, obwohl sehr viele das gerne würden, wie die Forscherin in Interviews mit deutschen Müttern häufig gehört hat. Hier wiederum hat Frankreich die Nase vorn: 85 Prozent der Frauen sind hier berufstätig, egal ob sie Kinder haben oder nicht. Wer ein Kind bekommen hat, ist fast immer sechs Monate nach der Geburt wieder im Job. Vielleicht sei auch das ein Grund dafür, dass nachgeburtliche Depressionen in Frankreich wesentlich seltener vorkommen als in Deutschland, mutmaßt Walburg, weil den Frauen dort nicht zu Hause die Decke auf den Kopf fällt.

Erzwungene Entscheidung

Fazit der Dissertation, die auf deutscher Seite von Prof. Dr. Axel Schölmerich und PD Dr. Birgit Leyendecker (Fakultät für Psychologie) betreut wurde: In Deutschland fehlt es vor allem an Betreuungsangeboten für kleine Kinder unter drei Jahren. Gäbe es sie, würde man von den Frauen nicht wie bisher die Entscheidung zwischen Familie und Beruf erzwingen. In Frankreich müsste hingegen mehr Zeit in die Information über die Ernährung von Babys investiert werden. Ein Blick ins jeweilige Nachbarland kann jedenfalls auf beiden Seiten nicht schaden.

 

md
pfeil  voriger Artikel Themenübersicht nächster Artikel   pfeil
 
 
Zum Seitenanfang  Seitenanfang | Druckfassung dieser Seite
Letzte Änderung: 31.1.2008| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik