Brieffreundschaft
Shamsul Mahmuds erster Kontakt zur RUB kam mit der Post
Wer nicht regelmäßig im GAFO unterwegs ist,
hat bisweilen Schwierigkeiten, das richtige Büro
und somit den richtigen Ansprechpartner an der Fakultät
für Psychologie zu finden. Als Entschädigung
für die lange Suche gibt es in Raum 04/612 jedoch
ein charmantes Lächeln. Es gehört Shamsul Mahmud;
der Gastprofessor aus Bangladesch, im GAFO längst
zu Hause, hat seinen Gastgeber, Prof. Axel Schölmerich,
per Briefwechsel kennengelernt.
Der freundliche Professor aus Bangladesch ist seit
Oktober in Bochum. Im akademischen Jahr 2007/08 bietet
er gut besuchte Seminare in Entwicklungs- und Kulturpsychologie
an der RUB an – in Englisch. Das ist eine Bedingung
des Stipendiengebers DAAD für die Stelle als Gastprofessor:
das Unterrichten in einer anderen Sprache als Deutsch.
In den etwa 20 Stunden, die Shamsul Mahmud wöchentlich
lehrt, versucht er dem Ziel seines Aufenthaltes näher
zu kommen: Er möchte Studenten „Internationalität
vermitteln“, indem er von seinen eigenen Erfahrungen
berichtet. Prof. Mahmud lehrte bereits an seiner Heimatuniversität
Dhaka, der ältesten Uni in Bangladesch, sowie in
Japan und in den USA, bevor er an die RUB kam. An deutschen
Unis gefällt ihm vor allem die Lehrform des Seminars.
„Dort können die Studenten viele Entscheidungen
selbständig treffen, etwas Vergleichbares gibt
es in den USA oder Bangladesch nicht“, sagt er.
Verstohlener Blick
Als er einen verstohlenen Blick auf den Notizblock
mit den Interviewfragen wirft, lächelt er wieder.
„No, I’m not alone“, beantwortet er
die noch gar nicht gestellte Frage. Seine Frau, eine
Japanerin, geht mit ihm auf Reisen. Zusammen mit ihr
lebt er zurzeit im Haus der Nationen. Während sie
von zu Hause aus für eine international tätige
japanische Bank arbeitet, macht Shamsul Mahmud sich
auf den Weg zur Fakultät.
Professor für Psychologie wollte er schon immer
werden, seit seiner Kindheit ist er fasziniert von dieser
Wissenschaft – und studierte sie schließlich
in Dhaka und in England. Nach Bochum kam er dank des
DAAD-Stipendiums und aufgrund einer Briefbekanntschaft
mit Prof. Axel Schölmerich, die vor rund zwei Jahren
begann. Schölmerich leitet an der RUB den Lehrstuhl
für Entwicklungspsychologie, er lud Mahmud ein.
Die beiden Psychologen haben einige gemeinsame wissenschaftliche
Interessen, dazu zählt insbesondere die Forschung
zur Situation von Kindern mit Migrationshintergrund.
Shamsul Mahmud fühlt sich in Deutschland sichtlich
wohl. Er vermisst hier nichts, was wohl auch daran liegt,
dass er bereits einige Auslandserfahrungen gesammelt
hat und dass ihn seine Frau begleitet. Einen Wunsch
für die Zeit in Deutschland hat das Ehepaar übrigens
noch, verrät Mahmud. Die beiden möchten unbedingt
noch Berlin besuchen, nachdem bislang mit Essen, Dortmund,
Düsseldorf oder Amsterdam hauptsächlich die
nähere Umgebung erkundet wurde.
Lisa
Siebelmann
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