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RUBENS
- Zeitschrift der Ruhr-Universität
Nachrichten, Berichte und Meinungen
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| RUBENS 122 |
1. Februar 2008
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Medienstar
Tim Peters sorgt mit seiner Masterarbeit für Furore
Tim Peters kommt zu gar nichts mehr. Gestern
hat er vier Stunden am Stück telefoniert und E-Mails
beantwortet, heute war es nicht viel anders, sein Bruder,
der aus Süddeutschland zu Besuch ist, muss die Stadt
alleine unsicher machen, Tim Peters kommt nicht mal dazu,
ein Geburtstagsgeschenk für seine Freundin zu besorgen.
Er ist begehrt, wenn nicht sogar belagert. Journalisten
stehen bei ihm Schlange, er soll Interviews geben und
Vorträge halten, ein Buch veröffentlichen soll
er auch.
Dabei drückte ihn bis vor einer Woche noch der Durchhänger,
den viele kennen, wenn der Uni-Abschluss geschafft ist
und man noch nicht so richtig weiter weiß. Bewerbungen
schreiben, selbständig machen oder doch promovieren?
Die Motivation geriet ins Wanken: Trotz erstklassigem
Masterabschluss – sogar gewürdigt mit einem
Preis an Studierende – und mehrerer Praktika kamen
die ersten Bewerbungen erfolglos zurück. Und so richtig
das Gelbe vom Ei waren die Stellenbeschreibungen auch
nicht.
Tim Peters (27) ist Linguist, hat Politik und Germanistik
studiert und seine Masterarbeit 2007 über die Manifestationen
sprachlicher Macht in hausärztlichen Patientengesprächen
abgeschlossen. – Machtausübung beim Arzt? Bei
diesem Thema wurde die Pressestelle hellhörig. Wenn
das nicht von öffentlichem Interesse ist!
Anfragen und Angebote
Die Presseinformation war noch nicht ganz versandt, da
klingelte bei Tim Peters schon das Telefon. Und hörte
kaum noch auf. Zwischenstand nach einer Woche: Vier Radiointerviews,
eines mit „Die Zeit“, eine Meldung in Spiegel
online, ein Artikel in der WAZ, Anfragen verschiedener
medizinischer Fachzeitschriften, ein Angebot für
ein Stipendium in der Research School, eine Anfrage für
einen Gastvortrag in der Fachhochschule der Agentur für
Arbeit in Mannheim, Kontaktaufnahmen mehrerer hochrangiger
Linguisten und das Angebot, die ganze Master-Arbeit in
einem Berliner Verlag als Buch zu veröffentlichen.
Tim Peters ist ganz aus dem Häuschen: Plötzlich
ist alles in Bewegung, ungeahnte Möglichkeiten tun
sich auf. „Es ergeben sich Jobperspektiven, an die
ich vor kurzer Zeit noch nicht einmal ansatzweise gedacht
hätte“, sagt er. Unter anderem denkt er darüber
nach, Kommunikationstrainings für Ärzte anzubieten,
auch für Medizinstudierende, später vielleicht
auch für andere Berufsgruppen. Die Dissertation will
er trotzdem machen, vielleicht in der RUB-Research School.
„Auf alle Fälle werden die nächsten paar
Monate wichtige Weichenstellungen bringen – so viel
Bewegung war in meinem Leben schon seit sechs oder sieben
Jahren nicht mehr“, freut er sich. Und wir uns mit
ihm. Schön, etwas in Bewegung gebracht zu haben!
md
Die Studie
Wenn das Wartezimmer voll ist, muss es zügig vorangehen:
Da für langwierige Überzeugungsarbeit z. B.
für eine gewählte Therapie keine Zeit ist, müssen
sich Ärzte anders durchsetzen. Sie üben sprachlich
Macht aus, etwa durch die Verwendung unverständlicher
Fachwörter oder das Erheben der Stimme zur Bekräftigung
der eigenen Meinung. Das hat Tim Peters in seiner Masterarbeit
belegt, für die er versteckt aufgezeichnete Gespräche
von Hausärzten mit als „Standard-Patientinnen“
geschulten Studentinnen analysiert hat. Für seine
Arbeit wurde er mit einem der Preise an Studierende der
Ruhr-Universität ausgezeichnet.
Basis der Arbeit im Bereich Germanistische Linguistik
waren 100 Konsultationsgespräche in 52 Düsseldorfer
Hausarztpraxen. Die Ärzte hatten sich einige Monate
vor den Besuchen schriftlich bereit erklärt, sich
zu Studienzwecken heimlich aufzeichnen zu lassen. Jeder
Arzt bekam zwei fingierte Patientenbesuche, einen von
einer ängstlich drängenden Kopfschmerzpatientin
und einen von einer neutral akzeptierenden. Mithilfe linguistischer,
soziologischer und politikwissenschaftlicher Literatur
erarbeitete Tim Peters anschließend ein Schema,
das die Machtausübung von ärztlicher Seite kategorisierbar
macht. Darin enthalten sind Faktoren wie etwa der Redeanteil
der Beteiligten, das Sprechtempo, die Intonation, die
benutzten Begriffe, Ziel und Struktur des Gesprächs.
md
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