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RUBENS 122

1. Februar 2008




Piaffen und Proteine



Die ehemalige Dressurreiterin Rachel Glaves promoviert in Chemie



Rachel Glaves kam von England nach Deutschland, um Piaffen, Passagen und die sonstige hohe Schule des Dressurreitens zu erlernen. Dann landete sie an der Ruhr-Uni und studierte Biochemie. Nun macht sie ihren Doktor und erforscht Proteine. Fürs Reiten bleibt da nur noch wenig Zeit.

Mitte der Neunziger kam Rachel Glaves von Sheffield nach Deutschland, um sich in ihrem Hobby Dressurreiten professionell ausbilden zu lassen. Bei Norbert van Laak in Warendorf absolvierte sie ihre Berufsausbildung zur Pferdewirtin, Schwerpunkt Reiten. Später arbeitete sie als Dressurreiterin bei Margit Otto-Crépin (Olympia-Silbermedaillengewinnerin von 1988) und bei Michael Klimke (ehemaliger deutscher Meister) und nahm an zahlreichen Turnieren teil.
Rachel Glaves sah ihre berufliche Zukunft aber nicht allein auf dem Rücken der Pferde, sondern auch in der Wissenschaft. Ab 2001 studierte sie Biochemie an der RUB und arbeitete seit 2003 zudem als Hilfskraft am Lehrstuhl für Theoretische Chemie; 2006 machte sie den Master. „In der Bachelorphase war die Zeit zum Reiten leider sehr knapp, da man viele Praktika im Labor macht“, sagt Glaves, „aber im Masterstudium konnte ich mich wieder intensiver den Pferden widmen.“ Auch nach Abschluss des Studiums blieb Rachel Glaves dem Reiten und der Uni treu: Sie promoviert und kümmert sich nebenbei um zwei eigene und ein fremdes Pferd. Für ihre Dissertation hat sie sich im Mai 2007 der Forschungsgruppe um Prof. Dr. Dominik Marx (Theoretische Chemie) angeschlossen. Sie untersucht molekulare Systeme auf Basis der Quantenmechanik. Es geht darum, zu simulieren, wie sich komplexe Vielteilchensysteme bei endlichen Temperaturen verhalten.

Aktionen in Picosekunden

Glaves erforscht das Protein hGBP1 (humanes Guanylat-bindendes Protein 1) und sein Verhalten im menschlichen Körper. Sie arbeitet mit sog. Linux-Clustern (vernetzten Hochleistungsrechnern). Die laufen Tag und Nacht auf Grundlage mathematischer Modelle und berechnen, wie sich das Protein innerhalb des biologischen Systems in Abhängigkeit eines bestimmten Zeitraums verhält. Da es sich um Simulationen handelt, ist es möglich, Zeiteinheiten zu berechnen, die praktische Versuche nicht erfassen können. So zeigen die Computer die Aktivitäten des Proteins innerhalb von Picosekunden (billionstel Sekunden) an. Zusätzlich arbeitet die Gruppe eng mit Experimentatoren der Uni zusammen, die sich dem gleichen Problem durch Versuche im Labor, also Beobachtungen „in Echtzeit“ widmen.
Die Erforschung von hGBP1 ist von großer Bedeutung, weil es eine wichtige Funktion bei der Abwehr von Viren hat. Mutierte Proteine dieser Art sind z.B. für die Bildung von Krebszellen mitverantwortlich. Langfristiges Ziel ist es, durch theoretische Untersuchungen die gesunde Funktionsweise des Proteins so zu entschlüsseln, dass Abweichungen in dessen Verhalten erkannt und die daraus resultierenden Krankheiten effektiv behandelt werden können.
Auch wenn Glaves viel Engagement und Zeit in die Promotion steckt, bleibt sie ihrem Hobby treu. Für die Zukunft wünscht sie sich: „Halbtags forsche ich in der Chemie, den Rest des Tages arbeitet ich als Pferdewirtin.“

 

Julia Brosig
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Letzte Änderung: 31.1.2008| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik