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RUBENS 121

3. Januar 2008



Auf Diltheys Spuren



Italienischer Besuch bei den Bochumer Philosophen



Sie ist ein stets wiederkehrender Gast am Institut für Philosophie. In der Dilthey-Forschungsstelle arbeitete Dr. Francesca D´Alberto aus Padua regelmäßig an ihrer Dissertation. Im Herbst 2007 kehrte sie mit einem einjährigen Forschungsstipendium der Humboldt-Stiftung zurück nach Bochum – vielleicht für länger.

Francesca D´Alberto hat sich bereits im Studium in Padua mit dem deutschen Philosophen beschäftigt. „Ich fand es unbefriedigend, dass Dilthey bei uns zwar regelmäßig zitiert wird, seine Arbeit aber kaum analysiert ist“, erklärt die Philosophin. „Also beschloss ich, die Texte im Original zu lesen und zu untersuchen.“ Sie begann 2001 ihre Doktorarbeit zum Problem der Dilthey-Biographie. Im gleichen Jahr kam sie mit einem italienischen Stipendium erstmals an die Ruhr-Uni; weitere stipendiengeförderte Besuche folgten 2003 und 2005.
Dass sie nun mit einem hochkarätigen deutschen Stipendium wieder nach Bochum gekommen ist, lag nahe. Schließlich sind ihr die Forschungsstelle und deren Verantwortliche (darunter Prof. em. Gunter Scholtz und Prof. Hans-Ulrich Lessing) längst vertraut. Probleme mit der deutschen Sprache hatte D´Alberto nur 2001. „Ich habe in Padua einen Lese- und Grammatikkurs absolviert und kam mit Diltheys Texten ganz gut zurecht“, erzählt sie, „nur sprechen konnte ich zu Beginn nicht, jetzt klappt auch das.“

Wie zu Hause

Ihr Stipendium läuft bis September 2008. Im aktuellen Projekt untersucht die Italienerin, wie Dilthey durch Friedrich Schleiermacher (1768-1834) in seinen Ansichten der Hermeneutik beeinflusst wurde. Das Projekt basiert auf Diltheys Werk „Leben Schleiermachers“, das Dr. D’Alberto ins Italienische übersetzt hat. Die entscheidenden Schriften beider Philosophen hat sie bereits in der Unibibliothek gefunden. Generell lobt sie die Menge an Büchern und den leichten Zugang zur Literatur in Bochum, der viel unproblematischer sei als in Padua.
Francesca D´Alberto hat an der Ruhr-Uni nur positive Erfahrungen gemacht. Besonders begeistern sie Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft am Philosophischen Institut. „Ich habe mich hier von Anfang an wie zu Hause gefühlt“, schwärmt sie. Das ist auch einer der Gründe, warum sie mit dem Gedanken spielt, ihr Stipendium um ein Jahr zu verlängern. Zwar gibt es mittlerweile Dilthey-Schulen in Mailand, Neapel und Verona, aber keine systematische Forschungsstelle. D´Alberto ist sich sicher, dass sie ihr laufendes Projekt nur in Bochum erfolgreich zu Ende führen kann.
BU: Für Francesca D´Alberto ein Platz zum Wohlfühlen: die Ruhr-Uni
Foto: Brosig

Wilhelm Dilthey
Wilhelm Dilthey (1833-1911) gilt als einer der wichtigsten Theoretiker der Geisteswissenschaften und als Vertreter der Hermeneutik (Lehre vom Verstehen und Auslegen von Texten). Er hat als Erster den Unterschied zwischen Geisteswissenschaften und Naturwissenschaften in Bezug auf deren Methoden und Objekte systematisiert.
Die Dilthey-Forschungsstelle der RUB trägt seine Schriften zusammen und verbreitet seine Theorien international. Herausgegeben wurden Diltheys gesammelte Schriften bisher auf Deutsch, Englisch, Russisch und Japanisch; eine portugiesische und eine französische Ausgabe werden vorbereitet, ebenso die Veröffentlichung von „Wilhelm Diltheys Briefwechsel 1850-1911“.
Infos zur Dilthey-Forschungsstelle: http://www.rub.de/philosophy/dilthey/start.html oder per E-Mail an Dr. Gudrun Kühne-Bertram: dilthey-forschungsstelle@rub.de.

 







Julia Brosig
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Letzte Änderung: 3.1.2008| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik