Auf Diltheys Spuren
Italienischer Besuch bei den Bochumer Philosophen
Sie ist ein stets wiederkehrender Gast am Institut für
Philosophie. In der Dilthey-Forschungsstelle arbeitete
Dr. Francesca D´Alberto aus Padua regelmäßig
an ihrer Dissertation. Im Herbst 2007 kehrte sie mit einem
einjährigen Forschungsstipendium der Humboldt-Stiftung
zurück nach Bochum – vielleicht für länger.
Francesca D´Alberto hat sich bereits im Studium
in Padua mit dem deutschen Philosophen beschäftigt.
„Ich fand es unbefriedigend, dass Dilthey bei
uns zwar regelmäßig zitiert wird, seine Arbeit
aber kaum analysiert ist“, erklärt die Philosophin.
„Also beschloss ich, die Texte im Original zu
lesen und zu untersuchen.“ Sie begann 2001 ihre
Doktorarbeit zum Problem der Dilthey-Biographie. Im
gleichen Jahr kam sie mit einem italienischen Stipendium
erstmals an die Ruhr-Uni; weitere stipendiengeförderte
Besuche folgten 2003 und 2005.
Dass sie nun mit einem hochkarätigen deutschen
Stipendium wieder nach Bochum gekommen ist, lag nahe.
Schließlich sind ihr die Forschungsstelle und
deren Verantwortliche (darunter Prof. em. Gunter Scholtz
und Prof. Hans-Ulrich Lessing) längst vertraut.
Probleme mit der deutschen Sprache hatte D´Alberto
nur 2001. „Ich habe in Padua einen Lese- und Grammatikkurs
absolviert und kam mit Diltheys Texten ganz gut zurecht“,
erzählt sie, „nur sprechen konnte ich zu
Beginn nicht, jetzt klappt auch das.“
Wie zu Hause
Ihr Stipendium läuft bis September 2008. Im aktuellen
Projekt untersucht die Italienerin, wie Dilthey durch
Friedrich Schleiermacher (1768-1834) in seinen Ansichten
der Hermeneutik beeinflusst wurde. Das Projekt basiert
auf Diltheys Werk „Leben Schleiermachers“,
das Dr. D’Alberto ins Italienische übersetzt
hat. Die entscheidenden Schriften beider Philosophen
hat sie bereits in der Unibibliothek gefunden. Generell
lobt sie die Menge an Büchern und den leichten
Zugang zur Literatur in Bochum, der viel unproblematischer
sei als in Padua.
Francesca D´Alberto hat an der Ruhr-Uni nur positive
Erfahrungen gemacht. Besonders begeistern sie Gastfreundschaft
und Hilfsbereitschaft am Philosophischen Institut. „Ich
habe mich hier von Anfang an wie zu Hause gefühlt“,
schwärmt sie. Das ist auch einer der Gründe,
warum sie mit dem Gedanken spielt, ihr Stipendium um
ein Jahr zu verlängern. Zwar gibt es mittlerweile
Dilthey-Schulen in Mailand, Neapel und Verona, aber
keine systematische Forschungsstelle. D´Alberto
ist sich sicher, dass sie ihr laufendes Projekt nur
in Bochum erfolgreich zu Ende führen kann.
BU: Für Francesca D´Alberto ein Platz zum
Wohlfühlen: die Ruhr-Uni
Foto: Brosig
Wilhelm Dilthey
Wilhelm Dilthey (1833-1911) gilt als einer der wichtigsten
Theoretiker der Geisteswissenschaften und als Vertreter
der Hermeneutik (Lehre vom Verstehen und Auslegen von
Texten). Er hat als Erster den Unterschied zwischen
Geisteswissenschaften und Naturwissenschaften in Bezug
auf deren Methoden und Objekte systematisiert.
Die Dilthey-Forschungsstelle der RUB trägt seine
Schriften zusammen und verbreitet seine Theorien international.
Herausgegeben wurden Diltheys gesammelte Schriften bisher
auf Deutsch, Englisch, Russisch und Japanisch; eine
portugiesische und eine französische Ausgabe werden
vorbereitet, ebenso die Veröffentlichung von „Wilhelm
Diltheys Briefwechsel 1850-1911“.
Infos zur Dilthey-Forschungsstelle: http://www.rub.de/philosophy/dilthey/start.html
oder per E-Mail an Dr. Gudrun Kühne-Bertram: dilthey-forschungsstelle@rub.de.
Julia
Brosig
|