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RUBENS 121

3. Januar 2008


Temposünder


Mirsad Freiberg schafft sein Sowi-Diplom in vier Semestern



So schnell kann es gehen. Während der durchschnittliche Student der Sozialwissenschaft sein Diplom in elf, zwölf Semestern erwirbt, war Mirsad Freiberg bereits nach knapp vier Semestern fertig. Auch die Note passte: 1,7. Ein Geheimnis seines Erfolges: schnell lesen und trotzdem alles behalten.

In seiner Heimat Montenegro hat Mirsad Freiberg (40) Ende der 80-Jahre Elektrotechnik studiert; vor 15 Jahren kam er nach Deutschland und lebt heute in Castrop-Rauxel. Mit Ende Dreißig ist er – für sich selbst überraschend – auf die Idee gekommen, noch mal etwas ganz Anderes auszuprobieren. „Das mit der Sozialwissenschaft an der Ruhr-Uni hat sich so ergeben, ich bin auf dieses Fach gestoßen und fand die Kombination aus Politik, Soziologie, Statistik, Sozialökonomie und Sozialpsychologie sehr spannend“, erklärt er. Im Sommersemester 2006 schrieb er sich für den seinerzeit noch an der RUB angebotenen Diplomstudiengang ein. Nach einem Semester hatte er das Vordiplom in der Tasche, inklusive Klausuren, Studienarbeiten und Zwischenprüfungen. Knapp drei Semester später waren die Diplomprüfungen absolviert und die Diplomarbeit zum US-Rentensystem geschrieben. Schnell und gut, denn als Gesamtnote steht eine 1,7 auf dem Zeugnis.
Das ist natürlich nicht als Teilzeitstudent machbar. „Ich war fünf Tage in der Woche von neun bis 18 Uhr an der Uni und habe Vorlesungen und Seminare besucht und abends nachbereitet“, sagt Freiberg. Organisatorisch sei das nur in einem 1-Fach-Studium denkbar, wo es weniger Überschneidungen gibt als bei zwei parallel zu studierenden Fächern, wie beim 2-Fach-Bachelor. Das andere Geheimnis seines Erfolges: schnell lesen und trotzdem alles behalten und sicher abspeichern. Das hatte Freiberg vorab in Seminaren und mit Software („Speed Reading“ und ähnliches) gelernt; zugute kam ihm auch die Konzentrationsfähigkeit, die er als Kampfkünstler (Shaolin) hat. Das Schnelllesen bewahrte ihn zudem vor einsamen Lesenächten in der Studierstube: Wer den 100-Seiten-Reader nach einer Stunde durch hat, kann anschließend noch was Schönes unternehmen. „Ich hatte genügend Freizeit“, sagt der Diplomsozialwissenschaftler.

Beeindruckt

An der Fakultät für Sozialwissenschaft hat das schnelle Studium für Furore gesorgt. „Natürlich hat Herr Freiberg nicht alle von der Studienordnung vorgesehenen Veranstaltungen besucht“, erläutert Studiendekan Achim Henkel. „Es macht allerdings auch keinen Sinn, jemanden in einem Seminar Dinge beibringen zu wollen, die er sich bereits anderweitig angeeignet hat.“ So habe Freiberg bereits vor seiner Immatrikulation 2006 Möglichkeiten gehabt, sozialwissenschaftliche Vorlesungen zu besuchen und dort fachliches Wissen zu erwerben. Bei Freiberg komme aber, so Henkel, ein wesentliches Element hinzu: „Er hat wirklich alle von der Fakultät angebotenen Beratungen wahrgenommen.“ Dadurch sei eine Kombination von vorbildlicher Studienorganisation und überdurchschnittlichen Fähigkeiten zustande gekommen, die zum raschen Studienerfolg geführt habe. „Dieser Erfolg wird in die Annalen der Fakultät eingehen“, sagt Achim Henkel.
Beeindruckt von Freiberg war auch sein Betreuer Prof. Dr. Jörg Bogumil (Vergleichende Stadt- und Regionalpolitik). „Er ist sicherlich ein außerordentlich begabter Student mit einer sehr schnellen Auffassungsgabe, da er ansonsten sein Studium nicht in dieser Zeit absolviert hätte. Dabei haben ihm seine Vorkenntnisse erheblich geholfen. Ich persönlich habe Herr Freiberg allerdings empfohlen, sich etwas mehr Zeit zu lassen, um auf eine sehr gute Abschlussnote zu kommen, was gemessen an seinen kognitiven Fähigkeiten kein Problem gewesen wäre. Er hat sich aber für das extrem schnelle Studium entschieden und musste daher bei der Note gewisse Abstriche machen. Dennoch handelt es sich in der Summe bei seinem Studium um eine ohne jeden Zweifel herausragende Leistung.“

Pionierarbeit

Um sein Tempo beneideten Mirsad Freiberg erwartungsgemäß die Kommilitonen. Bei vielen Gesprächen in der Cafeteria wurde vor allem deutlich, dass die Mitstudenten gerne ein paar von seinen Techniken erlernen würden. Diese möchte Freiberg gerne in Seminaren weitergeben: an Studenten und Beschäftigte. Doch zunächst wird er promovieren. In seiner Dissertation leistet Freiberg Pionierarbeit, denn er beschäftigt sich mit den bilateralen Beziehungen zwischen den USA und Montenegro. Da Montenegro erst seit anderthalb Jahren als souveräner Staat existiert, wurde darüber bislang kaum geforscht: Freiberg will diese Lücke schließen, so schnell wie möglich, versteht sich: „2008 möchte ich fertig sein.“







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