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RUBENS 121

3. Januar 2008

Mit Begeisterung zum Prof. des Jahres


Bernhard Pellens setzt auf Enthusiasmus und sammelt Auszeichnungen



Begeisterung, Internationalität, Methodenkompetenz und Praxisrelevanz kennzeichnen die Lehre von Prof. Dr. Bernhard Pellens (Internationale Unternehmensrechnung). Mit diesem Mix überzeugt er nicht nur seine Studenten, sondern auch die Jury im Wettbewerb „Professor des Jahres“ von Unicum Beruf. Pellens setzte sich in der Kategorie Wirtschaftswissenschaften/Jura durch. Mit ihm sprach Arne Dessaul.

Wann haben Sie erfahren, dass Sie aussichtsreich im Wettbewerb liegen?
Im September wurden alle Nominierten vom Unicum-Verlag gebeten, einen Fragebogen auszufüllen. Es ging um aktuelle Lehrangebote und besondere Aktivitäten hinsichtlich der Berufsvorbereitung, bei uns beispielsweise um die Studentendatenbank, Auslandspraktika, unseren IFRS-Tag zu Rechnungslegungsvorschriften und das Planspiel mit der Tongji Universität (s. Infokasten).

Sie haben die Studenten und die Jury überzeugt – was war schwieriger?
Ich denke, das studentische Votum war die notwendige Voraussetzung. Sie können Studierende nur überzeugen, wenn man über einen langen Zeitraum vertrauensvoll und engagiert mit ihnen zusammenarbeitet. Die Jury war in erster Linie daran interessiert, was wir über die Lehre hinaus speziell im Bereich der Berufvorbereitung machen.

Gute Berufsaussichten

Dieser Titel ist nicht Ihre erste Auszeichnung. Regelmäßig liegt Ihr Lehrstuhl bei der von der Fachschaft veranstalteten Wahl zum Lehrstuhl des Jahres in der Wiwi-Fakultät weit vorn. Worin liegt das Geheimnis Ihres Erfolges?
Schwer zu sagen. Unternehmensrechnung wirkt einerseits auf Außenstehende eher trocken: Bilanzen, das klingt nach Erbsenzählerei. Auf der anderen Seite wird das Fach in der Wirtschaft sehr nachgefragt. Wenn man es engagiert studiert und einen guten Abschluss macht, bekommt man derzeit schnell mehrere Stellenangebote. Das ist ein Erfolgsfaktor, den ich gar nicht beeinflussen kann.
An unserem Lehrstuhl gibt es ein paar Regeln, die wir unseren Studierenden immer wieder nennen. Zunächst müssen sie sich für das, was wir ihnen vermitteln, begeistern. Wenn wir es nicht schaffen, unsere Studierenden für unser Fachgebiet zu begeistern, dann ist das schade, aber dann sollten sie sich etwas Anderes suchen. Ich jedenfalls finde die vielfältigen aktuellen ökonomischen Fragen sehr spannend und für die künftige Entwicklung überaus wichtig. Ich denke, dass die Studenten das merken und dass ich die Begeisterung an sie weitergeben kann. Mit einem solchen Interesse kommt automatisch das notwendige Engagement. Dazu gehört auch, dass ich von den Studenten erwarte, dass sie morgens den Wirtschaftsteil einer Tageszeitung lesen. In meinen Vorlesungen bringe ich oft Beispiele hieraus. Das ist der erste Punkt: Begeisterung und Engagement. Ebenso wichtig ist die Internationalität: Ich möchte, dass unsere Studenten mindestens ein Auslandssemester und ein Auslandspraktikum absolvieren. Hier unterstützen wir die Studierende durch unsere vielfältigen Kontakte zu international tätigen Unternehmen und Wirtschaftsprüfungsgesellschaften. Punkt drei ist die Ausbildung: Bei uns stehen Methodenkompetenz und Praxisrelevanz ganz oben. Wir achten sehr darauf, die betriebswirtschaftlichen Instrumente immer wieder an aktuellen, praxisrelevanten Fragestellungen auszurichten. Hierbei unterstützen uns regelmäßig „hochkarätige“ Praktiker mit ihren Vorträgen. Es freut und bestätigt uns, dass unsere ehemaligen Studierenden regelmäßig berichten, dass sie die Dinge, die sie bei uns studiert haben, in der praktischen Tätigkeit auch tatsächlich gut gebrauchen können.

Offene Türen

Gehört nicht mehr dazu, um beliebt zu sein, zum Beispiel, dass Sie und Ihre Mitarbeiter sympathisch rüberkommen?
Das mag sein. Sicherlich trägt auch dazu bei, dass es an meinem Lehrstuhl keine festen Sprechstunde gibt, sondern jederzeit offene Türen …

Das ist mir aufgefallen, dass hier im Gang alle Türen offen stehen.
Ja, das ist wortwörtlich zu verstehen: Jeder Mitarbeiter ist für unsere Studenten jederzeit ansprechbar. Aufgrund unserer vielfältigen Drittmittelprojekte haben wir seit längerem überdurchschnittlich viele Mitarbeiter, die sich allesamt auch um die Studenten kümmern können. Die Praxiskontakte haben noch einen weiteren Vorteil: Ich kann zu vielen wissenschaftlichen Methodenfragen Beispielfälle vorbringen, wodurch unsere Lehre eine unmittelbare Praxisrelevanz bekommt und für die Studierenden viel leichter nachvollziehbar wird.

Noch mal zum Wettbewerb der Fachschaft: Wenn man sieht, dass in den letzten beiden Jahren jeweils ein anderer Lehrstuhl knapp vor Ihrem lag, könnte man folgern, dass an der Wiwi-Fakultät ein kollegialer Wettkampf läuft?

Das glaube ich ganz sicher. Es gibt viele Kolleginnen und Kollegen, die ihre Lehre ebenso erfolgreich praktizieren. Wettbewerb belebt halt das Geschäft und davon profitieren in diesem Fall insbesondere unsere Studenten.

Oft eilt Professoren der Ruf voraus, die Forschung in den Mittelpunkt ihrer Arbeit zu rücken und die Lehre zu vernachlässigen. Ihnen ist offensichtlich beides gleich wichtig?

Ja! Nur wenn Sie in der Forschung vernünftig arbeiten, haben Sie auch in der Lehre etwas zu vermitteln. Ich nenne mal ein Beispiel aus unseren aktuellen Projekten: Wir starten zum zweiten Mal nach 2004 eine Befragung von etwa 500.000 Aktionären, inwiefern sie einen Geschäftsbericht, die Bilanz, Gewinn- und Verlustrechnung sowie die Cashflow-Rechnung bei ihren Kauf- oder Verkaufsentscheidungen von Aktien verwenden. Ein derartig umfangreiches Unterfangen ist international schon recht einmalig und liefert vielfältige Informationen über das Informationsverhalten von Aktionären im Zeitablauf. Die Ergebnisse sollen dem deutschen und EU-Gesetzgebern vielfältige Hinweise für die künftige Regulierung der Corporate Governance liefern. Sie lassen sich aber natürlich auch sehr gut in der Lehre bei den Themen der praktischen Bedeutung von Jahresabschlüssen verwenden.

Der ideale Student

Die Gleichgewichtung bedeutet aber auch, dass Sie Ihren Beruf sehr ernst nehmen?
Klar, mir macht meine Arbeit sehr viel Freude. Für mich gäbe es keinen schöneren und abwechslungsreicheren Beruf.

Sie kommen, nicht nur aus Sicht Ihrer Studenten, dem idealen Professor mindestens sehr nahe. Wie sieht, umgekehrt, Ihr Idealbild eines Studenten aus?

Das ist relativ einfach: Ein WiWi-Student sollte sich für die vielfältigen spannenden ökonomischen Fragestellungen begeistern, denn nur so kann er das erforderliche Engagement aufbringen. Er muss die Welt erobern und sollte hierbei ein internationales Netzwerk aufbauen. Den Rest würden wir machen.

Vita
Bernhard Pellens (Jahrgang 1955) studierte von 1976 bis 1981 Rechts- und Wirtschaftswissenschaften in Köln und Bochum. 1981-86 war er Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Fakultät für Wirtschaftswissenschaft der RUB. Nach zweijähriger Unterbrechung, in der Pellens im Controlling eines mittelständischen Unternehmens arbeitete, kehrte er an die RUB zurück und wurde 1988 promoviert. Nach der Habilitation (1993) vertrat er 1993/94 den Lehrstuhl für Rechnungswesen und Controlling der Uni Kaiserslautern, hatte Rufe an die WHU Vallendar und die Uni Essen und übernahm anschließend den Lehrstuhl für Internationale Unternehmensrechnung in Münster. Seit September 1997 besetzt Pellens den Lehrstuhl für Internationale Unternehmensrechnung an der RUB. Zugleich ist er (seit 2006) Honorarprofessor der Tongji Universität Shanghai und hatte weitere Rufe an die Universitäten Bern und Münster.

Gründe für den Titel
„Prof. Pellens bietet tiefe Einblicke in die Praxis und vermittelt eindringlich, welche Anforderungen das Berufsleben an uns stellt“, urteilte eine der abstimmenden Studentin über den Professor des Jahres. Auch die Jury um den ehemaligen HRK-Präsidenten Prof. Dr. Klaus Landfried lobt: „Er legt Wert auf Methoden- und Fachkompetenz, bietet seinen Studierenden dazu echten beruflichen Mehrwert: etwa mit einer Datenbank, in der Studenten ihre Profile hinterlegen können, die bei der intensiven Vermittlung von Auslandspraktika und Diplomarbeiten oder gar festen Anstellungen in Unternehmen genutzt werden. Interaktiv gestaltete Übungen sollen die Softskills der Studierenden bewusst fördern. Vertreter großer Unternehmen gehen in Pellens´ Veranstaltungen ein und aus.“ Nächster Gast ist Dr. Ulrich Middelmann, stellvertretender Vorsitzender des Vorstands der ThyssenKrupp AG. Er wird am 23. Januar (8.30 h) einen Vortrag zur Wertorientierten Unternehmenssteuerung im HZO 40 halten.
Prof. Pellens selbst betont zudem seine Affinität zu China, die sich nicht nur in seiner Gastprofessur in Shanghai widerspiegelt. Jährlich wird unter seiner Beteiligung am Institut für Unternehmensführung ein von ThyssenKrupp unterstütztes Unternehmensplanspiel ausgerichtet, an dem Studierende der RUB und der Tongji Universität simultan teilnehmen. In den Startlöchern steht zudem ein „Doppelmaster“: Chinesische Studenten sollen nach den ersten drei Semestern in Shanghai ihr Studium in Bochum mit deutschem und chinesischem Master abschließen können. Analog sollen Bochumer Studenten bald ihr Studium in Shanghai beenden können.
Der Lehrstuhl von Prof. Pellens schneidet auch bei der an der Wiwi-Fakultät veranstalteten Wahl „Lehrstuhl des Jahres“ immer gut ab: Dreimal konnte er die Wahl gewinnen (2001, 2002, 2004), zweimal belegte er den zweiten Platz (2005, 2006).



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