Mit
Begeisterung zum Prof. des Jahres
Bernhard Pellens setzt auf Enthusiasmus und sammelt
Auszeichnungen
Begeisterung, Internationalität, Methodenkompetenz
und Praxisrelevanz kennzeichnen die Lehre von Prof. Dr.
Bernhard Pellens (Internationale Unternehmensrechnung).
Mit diesem Mix überzeugt er nicht nur seine Studenten,
sondern auch die Jury im Wettbewerb „Professor des
Jahres“ von Unicum Beruf. Pellens setzte sich in
der Kategorie Wirtschaftswissenschaften/Jura durch. Mit
ihm sprach Arne Dessaul.
Wann haben Sie erfahren, dass Sie aussichtsreich
im Wettbewerb liegen?
Im September wurden alle Nominierten vom Unicum-Verlag
gebeten, einen Fragebogen auszufüllen. Es ging
um aktuelle Lehrangebote und besondere Aktivitäten
hinsichtlich der Berufsvorbereitung, bei uns beispielsweise
um die Studentendatenbank, Auslandspraktika, unseren
IFRS-Tag zu Rechnungslegungsvorschriften und das Planspiel
mit der Tongji Universität (s. Infokasten).
Sie haben die Studenten und die Jury überzeugt
– was war schwieriger?
Ich denke, das studentische Votum war die notwendige
Voraussetzung. Sie können Studierende nur überzeugen,
wenn man über einen langen Zeitraum vertrauensvoll
und engagiert mit ihnen zusammenarbeitet. Die Jury war
in erster Linie daran interessiert, was wir über
die Lehre hinaus speziell im Bereich der Berufvorbereitung
machen.
Gute Berufsaussichten
Dieser Titel ist nicht Ihre erste Auszeichnung.
Regelmäßig liegt Ihr Lehrstuhl bei der von
der Fachschaft veranstalteten Wahl zum Lehrstuhl des
Jahres in der Wiwi-Fakultät weit vorn. Worin liegt
das Geheimnis Ihres Erfolges?
Schwer zu sagen. Unternehmensrechnung wirkt einerseits
auf Außenstehende eher trocken: Bilanzen, das
klingt nach Erbsenzählerei. Auf der anderen Seite
wird das Fach in der Wirtschaft sehr nachgefragt. Wenn
man es engagiert studiert und einen guten Abschluss
macht, bekommt man derzeit schnell mehrere Stellenangebote.
Das ist ein Erfolgsfaktor, den ich gar nicht beeinflussen
kann.
An unserem Lehrstuhl gibt es ein paar Regeln, die wir
unseren Studierenden immer wieder nennen. Zunächst
müssen sie sich für das, was wir ihnen vermitteln,
begeistern. Wenn wir es nicht schaffen, unsere Studierenden
für unser Fachgebiet zu begeistern, dann ist das
schade, aber dann sollten sie sich etwas Anderes suchen.
Ich jedenfalls finde die vielfältigen aktuellen
ökonomischen Fragen sehr spannend und für
die künftige Entwicklung überaus wichtig.
Ich denke, dass die Studenten das merken und dass ich
die Begeisterung an sie weitergeben kann. Mit einem
solchen Interesse kommt automatisch das notwendige Engagement.
Dazu gehört auch, dass ich von den Studenten erwarte,
dass sie morgens den Wirtschaftsteil einer Tageszeitung
lesen. In meinen Vorlesungen bringe ich oft Beispiele
hieraus. Das ist der erste Punkt: Begeisterung und Engagement.
Ebenso wichtig ist die Internationalität: Ich möchte,
dass unsere Studenten mindestens ein Auslandssemester
und ein Auslandspraktikum absolvieren. Hier unterstützen
wir die Studierende durch unsere vielfältigen Kontakte
zu international tätigen Unternehmen und Wirtschaftsprüfungsgesellschaften.
Punkt drei ist die Ausbildung: Bei uns stehen Methodenkompetenz
und Praxisrelevanz ganz oben. Wir achten sehr darauf,
die betriebswirtschaftlichen Instrumente immer wieder
an aktuellen, praxisrelevanten Fragestellungen auszurichten.
Hierbei unterstützen uns regelmäßig
„hochkarätige“ Praktiker mit ihren
Vorträgen. Es freut und bestätigt uns, dass
unsere ehemaligen Studierenden regelmäßig
berichten, dass sie die Dinge, die sie bei uns studiert
haben, in der praktischen Tätigkeit auch tatsächlich
gut gebrauchen können.
Offene Türen
Gehört nicht mehr dazu, um beliebt
zu sein, zum Beispiel, dass Sie und Ihre Mitarbeiter
sympathisch rüberkommen?
Das mag sein. Sicherlich trägt auch dazu bei, dass
es an meinem Lehrstuhl keine festen Sprechstunde gibt,
sondern jederzeit offene Türen …
Das ist mir aufgefallen, dass hier im Gang alle
Türen offen stehen.
Ja, das ist wortwörtlich zu verstehen: Jeder Mitarbeiter
ist für unsere Studenten jederzeit ansprechbar.
Aufgrund unserer vielfältigen Drittmittelprojekte
haben wir seit längerem überdurchschnittlich
viele Mitarbeiter, die sich allesamt auch um die Studenten
kümmern können. Die Praxiskontakte haben noch
einen weiteren Vorteil: Ich kann zu vielen wissenschaftlichen
Methodenfragen Beispielfälle vorbringen, wodurch
unsere Lehre eine unmittelbare Praxisrelevanz bekommt
und für die Studierenden viel leichter nachvollziehbar
wird.
Noch mal zum Wettbewerb der Fachschaft: Wenn man sieht,
dass in den letzten beiden Jahren jeweils ein anderer
Lehrstuhl knapp vor Ihrem lag, könnte man folgern,
dass an der Wiwi-Fakultät ein kollegialer Wettkampf
läuft?
Das glaube ich ganz sicher. Es gibt viele Kolleginnen
und Kollegen, die ihre Lehre ebenso erfolgreich praktizieren.
Wettbewerb belebt halt das Geschäft und davon profitieren
in diesem Fall insbesondere unsere Studenten.
Oft eilt Professoren der Ruf voraus, die Forschung in
den Mittelpunkt ihrer Arbeit zu rücken und die
Lehre zu vernachlässigen. Ihnen ist offensichtlich
beides gleich wichtig?
Ja! Nur wenn Sie in der Forschung vernünftig arbeiten,
haben Sie auch in der Lehre etwas zu vermitteln. Ich
nenne mal ein Beispiel aus unseren aktuellen Projekten:
Wir starten zum zweiten Mal nach 2004 eine Befragung
von etwa 500.000 Aktionären, inwiefern sie einen
Geschäftsbericht, die Bilanz, Gewinn- und Verlustrechnung
sowie die Cashflow-Rechnung bei ihren Kauf- oder Verkaufsentscheidungen
von Aktien verwenden. Ein derartig umfangreiches Unterfangen
ist international schon recht einmalig und liefert vielfältige
Informationen über das Informationsverhalten von
Aktionären im Zeitablauf. Die Ergebnisse sollen
dem deutschen und EU-Gesetzgebern vielfältige Hinweise
für die künftige Regulierung der Corporate
Governance liefern. Sie lassen sich aber natürlich
auch sehr gut in der Lehre bei den Themen der praktischen
Bedeutung von Jahresabschlüssen verwenden.
Der ideale Student
Die Gleichgewichtung bedeutet aber auch,
dass Sie Ihren Beruf sehr ernst nehmen?
Klar, mir macht meine Arbeit sehr viel Freude. Für
mich gäbe es keinen schöneren und abwechslungsreicheren
Beruf.
Sie kommen, nicht nur aus Sicht Ihrer Studenten, dem
idealen Professor mindestens sehr nahe. Wie sieht, umgekehrt,
Ihr Idealbild eines Studenten aus?
Das ist relativ einfach: Ein WiWi-Student sollte sich
für die vielfältigen spannenden ökonomischen
Fragestellungen begeistern, denn nur so kann er das
erforderliche Engagement aufbringen. Er muss die Welt
erobern und sollte hierbei ein internationales Netzwerk
aufbauen. Den Rest würden wir machen.
Vita
Bernhard Pellens (Jahrgang 1955) studierte von 1976
bis 1981 Rechts- und Wirtschaftswissenschaften in Köln
und Bochum. 1981-86 war er Wissenschaftlicher Mitarbeiter
an der Fakultät für Wirtschaftswissenschaft
der RUB. Nach zweijähriger Unterbrechung, in der
Pellens im Controlling eines mittelständischen
Unternehmens arbeitete, kehrte er an die RUB zurück
und wurde 1988 promoviert. Nach der Habilitation (1993)
vertrat er 1993/94 den Lehrstuhl für Rechnungswesen
und Controlling der Uni Kaiserslautern, hatte Rufe an
die WHU Vallendar und die Uni Essen und übernahm
anschließend den Lehrstuhl für Internationale
Unternehmensrechnung in Münster. Seit September
1997 besetzt Pellens den Lehrstuhl für Internationale
Unternehmensrechnung an der RUB. Zugleich ist er (seit
2006) Honorarprofessor der Tongji Universität Shanghai
und hatte weitere Rufe an die Universitäten Bern
und Münster.
Gründe für den Titel
„Prof. Pellens bietet tiefe Einblicke in die Praxis
und vermittelt eindringlich, welche Anforderungen das
Berufsleben an uns stellt“, urteilte eine der
abstimmenden Studentin über den Professor des Jahres.
Auch die Jury um den ehemaligen HRK-Präsidenten
Prof. Dr. Klaus Landfried lobt: „Er legt Wert
auf Methoden- und Fachkompetenz, bietet seinen Studierenden
dazu echten beruflichen Mehrwert: etwa mit einer Datenbank,
in der Studenten ihre Profile hinterlegen können,
die bei der intensiven Vermittlung von Auslandspraktika
und Diplomarbeiten oder gar festen Anstellungen in Unternehmen
genutzt werden. Interaktiv gestaltete Übungen sollen
die Softskills der Studierenden bewusst fördern.
Vertreter großer Unternehmen gehen in Pellens´
Veranstaltungen ein und aus.“ Nächster Gast
ist Dr. Ulrich Middelmann, stellvertretender Vorsitzender
des Vorstands der ThyssenKrupp AG. Er wird am 23. Januar
(8.30 h) einen Vortrag zur Wertorientierten Unternehmenssteuerung
im HZO 40 halten.
Prof. Pellens selbst betont zudem seine Affinität
zu China, die sich nicht nur in seiner Gastprofessur
in Shanghai widerspiegelt. Jährlich wird unter
seiner Beteiligung am Institut für Unternehmensführung
ein von ThyssenKrupp unterstütztes Unternehmensplanspiel
ausgerichtet, an dem Studierende der RUB und der Tongji
Universität simultan teilnehmen. In den Startlöchern
steht zudem ein „Doppelmaster“: Chinesische
Studenten sollen nach den ersten drei Semestern in Shanghai
ihr Studium in Bochum mit deutschem und chinesischem
Master abschließen können. Analog sollen
Bochumer Studenten bald ihr Studium in Shanghai beenden
können.
Der Lehrstuhl von Prof. Pellens schneidet auch bei der
an der Wiwi-Fakultät veranstalteten Wahl „Lehrstuhl
des Jahres“ immer gut ab: Dreimal konnte er die
Wahl gewinnen (2001, 2002, 2004), zweimal belegte er
den zweiten Platz (2005, 2006).
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