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RUBENS 121

3. Januar 2008




Bühnenarzt

Was macht eigentlich … Heiner Fangerau?


Vor ein paar Jahren haben sie das Leben an der Ruhr-Uni maßgeblich geprägt – in Forschung, Lehre, Kultur usw. Irgendwann sind sie aus dem Blickfeld verschwunden. RUBENS hat sich auf die Suche nach diesen Menschen gemacht. Diesmal haben wir an der Uni Düsseldorf Dr. Heiner Fangerau gefunden. In den Neunzigern studierte er an der RUB nicht nur Medizin und Theaterwissenschaft, sondern sorgte mit der Bühne Bernhardiner Bochum auch als freier Theatermacher für Furore.

Herr Fangerau, was macht die Bühne Bernhardiner Bochum?
Die gibt es noch. Wir sind allerdings nur noch zu zweit: Bertolt List und ich.

War das der Mann am Klavier?
Nein, der Regisseur. Am Klavier saß Ellen Jürgens, sie ist inzwischen Ärztin.

Sie machen also immer noch Theater?
Ja, ein bis zweimal im Jahr treten wir auf, immer noch mit dem Stück „Blut, Wasser, Galle, Schleim“, wo wir Texte der Weltliteratur – von Gottfried Benn, Thomas Mann, Molière und anderen – rund ums Thema Medizin als szenische Collage darstellen. Uns erreichen immer mal wieder Anfragen aus ganz Deutschland oder zuletzt auch aus Bern, dann üben wir einen Tag und spielen es.

Seelenschau

Sie hatten noch andere Stücke im Repertoire. „Soloform oder Whiskey und Bach“ haben Sie selbst geschrieben, selbst inszeniert und die Hauptrolle gespielt. Wir dachten, das sei Ihr Lieblingsstück?
Das war eigentlich für jemanden anders geschrieben, aber der ist ein paar Wochen vor der Premiere abgesprungen, ich musste kurzfristig die Hauptrolle übernehmen und in Nachtschichten einstudieren. Das hat schon sehr viel Spaß gemacht. Mich hat nur tierisch geärgert, dass hinterher die Leute kamen und sagten: Toll, und du hast dich ja selber gespielt.

Das muss ja nicht schlimm sein.
Na ja, die Hauptfigur war ein unsympathischer Verlierertyp. Wir hatten damals auch einen Auftritt in Osnabrück, da gab es eine verheerende Pressekritik: langatmige Seelenschau, uninspiriert in Szene gesetzt. Seitdem mochte ich das Stück nicht mehr. Obwohl die anderen Kritiken gut waren, auch in Osnabrück. Mein Lieblingsstück ist doch eher „Blut, Wasser, Galle, Schleim“.

Das haben Sie damals im Malakowturm gespielt.
Genau. Die damalige Leiterin Prof. Irmgard Müller hat uns damals die Räume der Medizinhistorischen Sammlung zur Verfügung gestellt.

Sehr eng

Sie haben nicht nur Theater gemacht, sondern auch zwei Fächer studiert: Medizin und Theaterwissenschaft. Wie konnte das funktionieren?
Das war sehr eng. Und heute, mit der neuen Approbationsordnung würde das gar nicht mehr funktionieren. Die jetzigen Medizinstudenten haben täglich von acht bis 18 Uhr Veranstaltungen. Bei uns war es noch so, dass wir zumindest bis ins siebte, achte Semester einige Ruhephasen hatten. Dann wurde die Anwesenheitspflicht eingeführt, da wurde es mit der Theaterwissenschaft schwierig.

Haben Sie trotzdem den Abschluss gemacht?
Nein. Ich hatte da ja auch die Nebenfächer Anglistik und Geschichte, da war zu viel. Abgeschlossen habe ich nur das Medizinstudium.

Ihr Spezialgebiet war Geschichte der Medizin. Ist das noch so?
Ja, das ist eine Schnittstelle zwischen Medizin und Geisteswissenschaften und kommt meinen Neigungen entgegen. Ich habe dort promoviert, noch in Bochum bei Frau Müller, zur Geschichte der Eugenik in den Zwischenkriegsjahren. Danach habe ich als Arzt gearbeitet, erst in Bremen in der Neurologie, dann in Bonn in der Psychiatrie, wo ich in eine Forschergruppe zur psychiatrischen Genetik kam. Das war hochinteressant. Andererseits hatte ich immer vor, wieder zur Geschichte der Medizin zu forschen. Das ergab sich 2002 in Göttingen. Von dort kam ich nach Düsseldorf ans Institut für Geschichte der Medizin. Dort unterrichte ich Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin und forsche in diesem übergreifenden Bereich.

Mit dem Ziel Habilitation?
Ja, ich habe im Mai meine Arbeit abgegeben.

Wissen Sie schon, wie es nach Abschluss des Verfahrens weitergehen könnte?
Wenn ich einen Ruf bekomme, würde ich natürlich gern als Professor arbeiten, ansonsten als Privatdozent. Mein Vertrag in Düsseldorf läuft noch zwei Jahre, inklusive Option auf Verlängerung.

Rubsiade

Bei Düsseldorf denkt man schnell an Karneval und an Ihr Alter Ego Salve-Ave Cape-Asper. In dieser Rolle wirkten Sie zweimal bei der legendären Karnevals-Vorlesung Rubsiade an der RUB mit und waren als Student Ehrenmitglied des ansonsten professoralen Elferrats. Haben Sie noch Kontakt zu Ihren damaligen Mitstreitern?
Ja, vor allem zu Prof. Gert König. Er ist Wissenschaftsphilosoph, historisch interessiert und wohnt in Düsseldorf. Er ist manchmal bei uns in der Institutsbibliothek. Auch zu Frau Müller habe ich noch regelmäßig Kontakt.

Verfolgen Sie ansonsten, was sich an der Ruhr-Uni tut?
Ja, auf jeden Fall. Ich habe dort schließlich studiert, ganz bewusst wegen der möglichen Verknüpfung von Medizin und Theaterwissenschaft, und nach einer kurzen Anlaufphase habe ich die Uni richtig lieben gelernt. Natürlich weiß ich, dass die Ruhr-Uni fast Eliteuniversität geworden wäre und dass sie saniert wird – ich erinnere mich noch an die ganzen losen Platten …

Die gibt’s auch heute noch.
Ein Grund mehr, die Uni zu sanieren. Ich interessiere mich auch für das eine oder andere Forschungsprojekt, das in Bochum läuft, die Entwicklung der Medizinischen Fakultät oder bestimmte Lehrstuhlbesetzungen. Ich habe und pflege auch noch eine Reihe von Kontakten nach Bochum.


 

 







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