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RUBENS 121

3. Januar 2008




Digital statt handverlesen




TerraTransfer revolutioniert den Umweltdatenmarkt




Erfinden, Geschäftsplan entwickeln, den Weg in die Wirtschaft gehen – diese drei Schritte können in die erfolgreiche Selbständigkeit führen. Begleitet zum Beispiel von rubitec, der Forschungs- und Verwertungsgesellschaft der RUB, und gefördert durch verschiedene Preise und Wettbewerbe: Erfinder- und Transferpreis, Ideen- und Businessplan-Wettbewerb. Die Firma TerraTransfer hat gerade Platz zwei im Businessplan-Wettbewerb belegt und wagt nun den Schritt in die Selbständigkeit.

„Wir haben irgendwann den Legokasten genommen und daraus ein Haus gebaut“: Auf diesen einfachen Nenner bringt Sven Schulz das Geschäftsfeld von TerraTransfer, einer taufrischen Ausgründung aus der Ruhr-Universität. Die Idee hinter dem Unternehmen ist in der Tat verblüffend. Geodaten, z. B. Grundwasserstand, Wassertemperatur oder Luftgüte, werden auch heutzutage noch per Hand ausgelesen und weiterverarbeitet. Die Bochumer Geographie-Absolventen Sven Schulz und Marcel Delker (beide 30) haben dieses Problem gelöst und eines der weltweit ersten vollautomatischen Messsysteme für Umweltdaten entwickelt. Damit gründeten sie nicht nur vor kurzem ihre Firma, sondern überzeugten auch beim ersten Businessplan-Wettbewerb „ruhr@venture“ des Hochschulgründerverbundes Ruhr. Mit ihrem Geschäftsplan für die kommenden Jahre belegten sie Platz zwei im Wettbewerb und erhielten 8.000 Euro.
Der Clou des Systems: Alle Komponenten sind im Baumarkt oder Elektrogeschäft erhältlich, neu ist lediglich die Zusammenstellung dieser Einzelteile und die eigens programmierte Software, mit der sich die gewonnenen Daten auswerten lassen. Kernstück ist ein unscheinbar wirkendes Stahlrohr, der sog. Datalogger, der fest im Gelände installiert wird. Mit ihm sind ein Messkopf und eine Antenne via Kabel verbunden. Im Datalogger verbirgt sich ein kleines Modem, das auch jedes moderne Handy enthält. Die gemessenen Daten überträgt das System drahtlos über das Internet zu einem Server, auf den die Anwender zugreifen können.

Feinstaub- und Lärmbelastung

Die Technologie ist zunächst für die Erhebung von Gewässerdaten ausgereift, sie lässt sich mit geringen Veränderungen aber auch nutzen, um Klima-, Lärm- oder Bodendaten zu sammeln. Im November 2007 gegründet, gehe es im ersten Jahr vor allem darum, Kunden zu gewinnen, sagt Marcel Delker, der sich um Marketing und Vertrieb kümmert. Sein Kommilitone und Kollege Sven Schulz ist der Techniker im Team, zuständig für die Produkt- und Softwareentwicklung.
Das Potenzial ist enorm: Allein in NRW gibt es 30.000 Grundwassermessstellen, deren Daten sich nur dann nutzen lassen, wenn Mitarbeiter sie einzeln „abklappern“ – so macht es auch das Geographische Institut der RUB an seiner Messstation an der Biggetalsperre. „Einmal in der Woche fährt eine Mitarbeiterin ins Sauerland und notiert dort die Daten“, erklärt Thomas Held, Kustos des Instituts und „wissenschaftlicher Mentor“ von TerraTransfer. Er nennt diese Arbeitsweise „analog“. Mit ihrem „digitalen“ System können Delker und Schulz die Kosten der Datenerhebung um bis zu 75 Prozent senken. Interessant ist es daher nicht nur für Wasserversorger, sondern auch für Stadtwerke, Behörden und Kommunen sowie für die Agrarwirtschaft. Ist der Datalogger erst mal installiert, lässt sich die Feinstaubkonzentration der Luft mit wenigen Klicks am Bildschirm darstellen, lassen sich Schalldruck und -richtung an lärmbelasteten Stellen bestimmen oder der Düngebedarf des Bodens in der Landwirtschaft. In diesem – breiten – Geschäftsfeld der Geoinformationssysteme wollen Delker und Schulz bereits ab Oktober 2008 wirtschaftlich auf eigenen Beinen stehen. Bis dahin finanzieren sie ihr Unternehmen aus einem EXIST-Gründungsstipendium des Bundeswirtschaftsministeriums. Das Preisgeld aus dem Businessplan-Wettbewerb stecken sie u. a. in die Entwicklung weiterer Prototypen.

Zwei Jahre Vorsprung

Technologisch sind sie mit ihrem integrierten System bereits heute führend. „Durch unsere Diplomarbeit haben wir einen Vorsprung von zwei Jahren in der Entwicklungsarbeit“, so Marcel Delker, und Sven Schulz ergänzt: „Viele Firmen haben die Entwicklung entsprechender Systeme abgebrochen. Es gibt ein paar teilautomatisierte Online-Systeme, aber kein vollautomatisches wie unseres.“
Wie gut das System funktioniert, erlebten beide vor einem Jahr. Da saßen sie gerade an ihrer Diplomarbeit und testeten ihre Entwicklung, als Orkan Kyrill übers Land fegte und für heftigste Ausschläge auf den Grafiken der Messdaten sorgte. Der Grundwasserspiegel stieg dramatisch an, der Salzgehalt im Wasser ging deutlich zurück. Nur die Niederschlagsmenge konnten sie damals nicht erfassen, „weil die Sensoren nicht auf den waagerecht aufgepeitschten Regen ansprachen“, so Schulz schmunzelnd. Für alle anderen Daten, die er und Delker damals erhoben haben, gilt jedoch: quod erat demonstrandum.

Der Businessplan-Wettbewerb
Dotiert mit Preisgeldern von insgesamt über 25.000 Euro fand im Jahr 2007 erstmals der Businessplan-Wettbewerb „ruhr@venture“ statt. Wissenschaftler und Studierende der Ruhr-Universität und der Hochschule Bochum konnten ihre Geschäftsideen ein halbes Jahr lang ausfeilen, sich von Profis beraten lassen und solide Geschäftspläne für eine Unternehmensgründung aufstellen. Mit Unterstützung der IHK und der Sparkasse Bochum wurden die besten drei aus zahlreichen Wettbewerbsbeiträgen prämiert. Den ersten Platz belegte Dr. Philipp Klempt (RUB, Fakultät für Wirtschaftswissenschaft) mit einem neuen Softwaretool für die IT-Sicherheit; über Platz drei freute sich Micheala Blaha (RUB, Fakultät für Philologie) mit ihrer Unternehmung in Sachen klare und verständliche Verwaltungssprache. Der Hochschulgründerverbund Ruhr – eine Kooperation der RUB, der Forschungs- und Verwertungsgesellschaft rubitec und der Hochschule Bochum – schreibt den Wettbewerb auch 2008 wieder aus. Der nächste Durchgang hat gerade begonnen, Abgabeschluss für Wettbewerbsbeiträge ist der 30.4.2008. Info: http://www.rubitec.de


 

 







jw
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