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RUBENS 120

30. November 2007

Geliebte Alma Mater

Was macht eigentlich … Gudrun Schäfer?



Vor ein paar Jahren haben sie das Leben an der Ruhr-Uni maßgeblich geprägt – in Forschung, Lehre, Hochschulpolitik, Kultur usw. Doch irgendwann sind sie aus dem Blickfeld verschwunden. RUBENS hat sich auf die Suche nach diesen Menschen gemacht. Diesmal haben wir Dr. Gudrun Schäfer gefunden, die in den gesamten Neunzigerjahren als Dozentin an der Sektion für Publizistik arbeitete und von 1993 bis 1995 Frauenbeauftragte der RUB gewesen ist.

Frau Schäfer, so lange sind Sie noch gar nicht weg, trotzdem hat sich an der Ruhr-Universität allerhand verändert: Die Frauenbeauftragte heißt Gleichstellungsbeauftragte, die Sektion für Publizistik ist im Institut für Medienwissenschaft aufgegangen. Haben Sie diese Entwicklungen verfolgt?
Ja. Dass die Frauenbeauftragte jetzt Gleichstellungsbeauftragte heißt und entsprechend handelt, finde ich gut. Das passt zu aktuellen Erkenntnissen der Geschlechterforschung: dass Geschlecht wechselseitig sozial konstruiert wird. Deshalb ist beispielsweise auch wichtig, Jungs für so genannte Mädchenfächer zu gewinnen. Ich halte ohnehin das Bochumer Konzept für sehr gut und vorbildhaft. Es berücksichtigt alle Ebenen der wissenschaftlichen Qualifikation: Schule, Studium, Examensphase, Berufseintritt, Promotion, Habilitation. Auf jeder Ebene wird geschaut: Was kann ich tun, um Gleichberechtigung zu erreichen?

Also alles optimal?
Das nicht. Beispielsweise muss der Frauenanteil bei den wissenschaftlichen Beschäftigten in allen Fächern erheblich erhöht werden, insbesondere bei Neuberufungen. Ich bin jetzt wieder an der Uni Paderborn, dort haben wir sogar in der Elektrotechnik von zehn Lehrstühlen zwei mit Frauen besetzt. Das finde ich sehr gut.

Streichungen verhindert

Kann die Ruhr-Uni von Paderborn lernen?
Schwer zu sagen. Ich habe den Eindruck, dass die interne Kommunikation in Paderborn leichter ist. Das liegt aber wohl daran, dass die Uni viel kleiner ist. Sie ist auch beweglicher. Dort wurden beispielsweise Hybridstudiengänge eingeführt, und damit zwei oder mehr Fächer so miteinander verzahnt, dass man keines streichen konnte. An der RUB hätte man sich so etwas vorstellen können in den Bereichen Skandinavistik und Publizistik.

Womit wir bei den Bochumer Publizisten sind.
Im Gegensatz zur sozialwissenschaftlich geprägten Publizistik scheint mir die Bochumer Medienwissenschaft eher kulturwissenschaftlich ausgerichtet zu sein. Das finde ich schade, denn die sozialwissenschaftlichen Analyseinstrumente, auch die Methoden der empirischen Sozialforschung, sind notwendig, um Medienentwicklungen zu verstehen – insbesondere die Dynamik der Medienökonomie. Auch eröffnen gute Methodenkenntnisse den Absolventinnen und Absolventen viele Berufsfelder in der Medien-, Markt- und Meinungsforschung.

Wir haben mal in ein paar alten Vorlesungsverzeichnissen geblättert und sind auf Ihr erstes Publizistik-Seminar an der RUB gestoßen. Das war im Wintersemester 91/92. Erinnern Sie sich an den Titel?
Das Frauenbild in Fernsehmagazinsendungen. Das war zugleich die erste Tuchfühlung mit meiner Doktorarbeit und es gehört noch immer zu meinen Themen: Frauen, Medien, Hochschulpolitik. Ich bin letztes Jahr von der Stadt Düsseldorf eingeladen worden und habe einen Vortrag über Wahrnehmung und Konstruktion von Geschlecht in der Werbung gehalten. Bei der Darstellung von Frauen hat sich nichts verändert, immer noch die alten Stereotype. Bei den Männern kam das Bild des androgynen Mannes hinzu, der Wert auf Aussehen und Kosmetika legt: Ein neuer Werbemarkt, eben ein Effekt der Medienökonomie.

Karriereberatung

Jetzt haben wir Sie an der Fakultät für Elektrotechnik, Informatik und Mathematik der Uni Paderborn aufgespürt. Das klingt nicht nach „Frauen, Medien, Hochschulpolitik“.
Medien insofern, als dass ich an der Fakultät die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit mache. Habilitandinnen aus den Ingenieurwissenschaften und der Mathematik habe ich früher an der Uni Essen betreut. Später habe ich über meine Firma TransResearch an einer Studie für die Unis Bielefeld, Bochum, Paderborn und Siegen mitgearbeitet, die darauf abzielte, Mädchen und junge Frauen für Natur- und Ingenieurwissenschaften zu gewinnen. Darum geht es auch jetzt bei meiner Arbeit.

Was muss sich unter TransResearch vorstellen?
Seit 2004 arbeite ich unter diesem Namen selbständig als Beraterin. Der größte Bereich ist die Karriereberatung für Nachwuchswissenschaftlerinnen. Ich gebe Seminare oder Coachings, meist in der Phase rund um eine mögliche Promotion. Zusammen mit dem Gleichstellungsbüro der RUB erstelle ich zurzeit auch einen Leitfaden für dezentrale Gleichstellungsbeauftragte. Und ich war Mitautorin einer Studie zu Genderaspekten bei der Einführung und Akkreditierung von gestuften Studiengängen für das NRW-Wissenschaftsministerium. (Rubens 111) Das war sehr aufschlussreich. Ich bin ohnehin keine Freundin des Bolognaprozesses, vor allem, wenn man sich anschaut, dass häufig nur die Inhalte eines Diplomstudienganges in einen Bachelorstudiengang gepresst wurden. Vielleicht wird einiges besser nach der Re-Akkreditierung in ein paar Jahren.

So lange wie an der Ruhr-Uni sind Sie nirgendwo geblieben. Inklusive Studium waren es rund 20 Jahre. Können Sie sich vorstellen, eines Tages zurückzukehren?
Das ist eine gute Frage. Auf jeden Fall ist und bleibt die Ruhr-Uni meine Alma Mater, die ich liebe: Ich mag die fachliche Breite, die gute Mischung aus Moderne und Tradition, das internationale Flair auf dem Campus und in meinem Stadtteil Querenburg.

 




 

 


 





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