Geliebte Alma Mater
Was macht
eigentlich … Gudrun Schäfer?
Vor ein paar Jahren haben sie
das Leben an der Ruhr-Uni maßgeblich geprägt
– in Forschung, Lehre, Hochschulpolitik, Kultur
usw. Doch irgendwann sind sie aus dem Blickfeld verschwunden.
RUBENS hat sich auf die Suche nach diesen Menschen gemacht.
Diesmal haben wir Dr. Gudrun Schäfer gefunden,
die in den gesamten Neunzigerjahren als Dozentin an
der Sektion für Publizistik arbeitete und von 1993
bis 1995 Frauenbeauftragte der RUB gewesen ist.
Frau Schäfer, so lange sind Sie noch gar
nicht weg, trotzdem hat sich an der Ruhr-Universität
allerhand verändert: Die Frauenbeauftragte heißt
Gleichstellungsbeauftragte, die Sektion für Publizistik
ist im Institut für Medienwissenschaft aufgegangen.
Haben Sie diese Entwicklungen verfolgt?
Ja. Dass die Frauenbeauftragte jetzt Gleichstellungsbeauftragte
heißt und entsprechend handelt, finde ich gut.
Das passt zu aktuellen Erkenntnissen der Geschlechterforschung:
dass Geschlecht wechselseitig sozial konstruiert wird.
Deshalb ist beispielsweise auch wichtig, Jungs für
so genannte Mädchenfächer zu gewinnen. Ich
halte ohnehin das Bochumer Konzept für sehr gut
und vorbildhaft. Es berücksichtigt alle Ebenen
der wissenschaftlichen Qualifikation: Schule, Studium,
Examensphase, Berufseintritt, Promotion, Habilitation.
Auf jeder Ebene wird geschaut: Was kann ich tun, um
Gleichberechtigung zu erreichen?
Also alles optimal?
Das nicht. Beispielsweise muss der Frauenanteil bei
den wissenschaftlichen Beschäftigten in allen Fächern
erheblich erhöht werden, insbesondere bei Neuberufungen.
Ich bin jetzt wieder an der Uni Paderborn, dort haben
wir sogar in der Elektrotechnik von zehn Lehrstühlen
zwei mit Frauen besetzt. Das finde ich sehr gut.
Streichungen verhindert
Kann die Ruhr-Uni von Paderborn lernen?
Schwer zu sagen. Ich habe den Eindruck, dass die interne
Kommunikation in Paderborn leichter ist. Das liegt aber
wohl daran, dass die Uni viel kleiner ist. Sie ist auch
beweglicher. Dort wurden beispielsweise Hybridstudiengänge
eingeführt, und damit zwei oder mehr Fächer
so miteinander verzahnt, dass man keines streichen konnte.
An der RUB hätte man sich so etwas vorstellen können
in den Bereichen Skandinavistik und Publizistik.
Womit wir bei den Bochumer Publizisten sind.
Im Gegensatz zur sozialwissenschaftlich geprägten
Publizistik scheint mir die Bochumer Medienwissenschaft
eher kulturwissenschaftlich ausgerichtet zu sein. Das
finde ich schade, denn die sozialwissenschaftlichen
Analyseinstrumente, auch die Methoden der empirischen
Sozialforschung, sind notwendig, um Medienentwicklungen
zu verstehen – insbesondere die Dynamik der Medienökonomie.
Auch eröffnen gute Methodenkenntnisse den Absolventinnen
und Absolventen viele Berufsfelder in der Medien-, Markt-
und Meinungsforschung.
Wir haben mal in ein paar alten Vorlesungsverzeichnissen
geblättert und sind auf Ihr erstes Publizistik-Seminar
an der RUB gestoßen. Das war im Wintersemester
91/92. Erinnern Sie sich an den Titel?
Das Frauenbild in Fernsehmagazinsendungen. Das war zugleich
die erste Tuchfühlung mit meiner Doktorarbeit und
es gehört noch immer zu meinen Themen: Frauen,
Medien, Hochschulpolitik. Ich bin letztes Jahr von der
Stadt Düsseldorf eingeladen worden und habe einen
Vortrag über Wahrnehmung und Konstruktion von Geschlecht
in der Werbung gehalten. Bei der Darstellung von Frauen
hat sich nichts verändert, immer noch die alten
Stereotype. Bei den Männern kam das Bild des androgynen
Mannes hinzu, der Wert auf Aussehen und Kosmetika legt:
Ein neuer Werbemarkt, eben ein Effekt der Medienökonomie.
Karriereberatung
Jetzt haben wir Sie an der Fakultät für
Elektrotechnik, Informatik und Mathematik der Uni Paderborn
aufgespürt. Das klingt nicht nach „Frauen,
Medien, Hochschulpolitik“.
Medien insofern, als dass ich an der Fakultät die
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit mache. Habilitandinnen
aus den Ingenieurwissenschaften und der Mathematik habe
ich früher an der Uni Essen betreut. Später
habe ich über meine Firma TransResearch an einer
Studie für die Unis Bielefeld, Bochum, Paderborn
und Siegen mitgearbeitet, die darauf abzielte, Mädchen
und junge Frauen für Natur- und Ingenieurwissenschaften
zu gewinnen. Darum geht es auch jetzt bei meiner Arbeit.
Was muss sich unter TransResearch vorstellen?
Seit 2004 arbeite ich unter diesem Namen selbständig
als Beraterin. Der größte Bereich ist die
Karriereberatung für Nachwuchswissenschaftlerinnen.
Ich gebe Seminare oder Coachings, meist in der Phase
rund um eine mögliche Promotion. Zusammen mit dem
Gleichstellungsbüro der RUB erstelle ich zurzeit
auch einen Leitfaden für dezentrale Gleichstellungsbeauftragte.
Und ich war Mitautorin einer Studie zu Genderaspekten
bei der Einführung und Akkreditierung von gestuften
Studiengängen für das NRW-Wissenschaftsministerium.
(Rubens 111) Das war sehr aufschlussreich. Ich bin ohnehin
keine Freundin des Bolognaprozesses, vor allem, wenn
man sich anschaut, dass häufig nur die Inhalte
eines Diplomstudienganges in einen Bachelorstudiengang
gepresst wurden. Vielleicht wird einiges besser nach
der Re-Akkreditierung in ein paar Jahren.
So lange wie an der Ruhr-Uni sind Sie nirgendwo
geblieben. Inklusive Studium waren es rund 20 Jahre.
Können Sie sich vorstellen, eines Tages zurückzukehren?
Das ist eine gute Frage. Auf jeden Fall ist und bleibt
die Ruhr-Uni meine Alma Mater, die ich liebe: Ich mag
die fachliche Breite, die gute Mischung aus Moderne
und Tradition, das internationale Flair auf dem Campus
und in meinem Stadtteil Querenburg.
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