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RUBENS 120

30. November 2007

Brotteig im Blitzlichtgewitter



Schulministerin besucht forschende Grundschüler



Eigentlich geht es ja um die naturwissenschaftlichen Phänomene des Alltags in der Arbeitsgruppe, die 21 Viertklässler der Gemeinschaftsgrundschule Hofstede besuchen, betreut von Studierenden der Ruhr-Uni. An einem Mittwochvormittag im November durften sie aber zur Abwechslung mal in gesellschaftlicher Hinsicht was erleben: Blitzlichtgewitter, Reporterfragen, Mikrofone vor den schutzbebrillten Nasen. NRW-Schulministerin Barbara Sommer war vorbeigekommen, um das Projekt einmal aus der Nähe zu sehen, und Ex-Außenminister Dr. Klaus Kinkel, Vorsitzender der Telekomstiftung, die es finanziell unterstützt, war auch da.

Und zu sehen gab es einiges an der Grundschule im Bochumer Norden: „Warum geht Brotteig eigentlich auf?“ hieß das Projekt, das die Schüler bearbeiteten, und zwar mit den Händen. Da wurde zum Beispiel Brotteig ausgewaschen und die zurückbleibende „klebrige Masse“ analysiert (Ist das Stärke? Oder Eiweiß?), Hefe mit Wasser versetzt und geschüttelt, die „Abgase“ in einem Ballon aufgefangen … Gut, dass jeder seinen eigenen Kittel und eine Schutzbrille hat, heute auch mal sehr zur Freude der Fotografen.
Nicht nur die waren begeistert, sondern auch Frau Sommer und Herr Kinkel sowie der Schuldirektor, die Eltern und die Betreuer von der RUB. Das Projekt macht augenscheinlich Spaß und vergrößert das Interesse für naturwissenschaftliche Fächer – und davon, so waren sich die Erwachsenen einig, haben wir in Deutschland heute viel zu wenig. „Wir brauchen naturwissenschaftlichen Nachwuchs“, stellte Barbara Sommer fest und erntete Nicken, „wir brauchen die Motivation von der Grundschule bis zur beruflichen Entscheidung.“

Strahlende Augen

Und die soll nicht vom familiären Hintergrund abhängen: „Wenn nicht alle Kinder von zu Hause aus gleiche Chancen haben, müssen wir das eben auf andere Weise schaffen“, erklärte Klaus Kinkel die Motivation des Projekts. Deswegen findet es in Bochum auch mit Hofsteder Schülern statt: Hier haben 60 Prozent der Kinder einen Migrationshintergrund, in jeder vierten Familien wird zu Hause nicht deutsch gesprochen.
Der Naturwissenschafts-AG tut das keinen Abbruch: Hier wird gemeinsam gearbeitet und lautstark debattiert. Nebenbei ein gutes Training in Teamwork und Kommunikation. Die wöchentliche AG, die die Schüler freiwillig besuchen, ist die Fortsetzung der sog. Forscher-Ferien NRW, die im Sommer und Herbst an der Ruhr-Uni stattgefunden haben. Zwei Wochen lang tüftelten und grübelten die Schüler unter Anleitung der Wissenschaftler vom Lehrstuhl für Didaktik der Chemie (Prof. Katrin Sommer) zum Beispiel am Zuckergehalt der Cola, an den Inhaltsstoffen der Milch oder an der Physik der Kerze herum. Obwohl Ferien waren, sind sie jeden Tag um acht an der Schule gewesen, um von dort in die Uni gefahren zu werden, und bereut hat es keiner: Alle sind bei der Stange geblieben und bleiben es weiter. Damit die Aktion nicht mit Ende der Ferien vorbei und vergessen ist, wird sie in Form der AG fortgesetzt. Jede Woche gehen die Teilnehmer, angeleitet von Chemikern der RUB, einem Thema auf den Grund, wie eben heute dem Brotteig.
Die Experimente planen die Betreuer, allesamt Lehramtsstudenten, selbst. Die Vorbereitung dauert mindestens so lange wie die Experimentierstunde. „Das macht aber Spaß – ich finde die Experimente selber so toll“, sagte Betreuerin Kathrin, die im 9. Semester Chemie und Mathe studiert. Sie blieb die Ruhe selbst, auch als der Teig verschwunden war und ein Reagenzglas zu Bruch ging. An konzentriertes Arbeiten war diesmal sowieso nicht zu denken, es waren mehr Erwachsene als Kinder da. Schlimm war das nicht, denn die Stunde fand außer der Reihe statt, extra für den hohen Besuch. Der verabschiedete sich mit einem Versprechen: die Förderung zu verstetigen und möglichst sogar auf ganz NRW auszuweiten. Da strahlten nicht nur Kinderaugen.




 

 


 





md
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Letzte Änderung: 30.11.2007| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik