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RUBENS 120

30. November 2007

Die Herkunft bestimmt


Beim Studierendenmonitor liegen erstmals Ergebnisse einer Nachbefragung vor



Nur wenn sie gut Bescheid weiß über Einstellungen und Motive ihrer Studierenden, kann eine Hochschule verlässlich planen und ihr Angebot optimieren. Deshalb erstellt die RUB zusammen mit dem Zentrum für interdisziplinäre Ruhrgebietsforschung (ZEFIR) einen Studierendenmonitor. Seit dem WS 04/05 interviewt ZEFIR die jeweils neuen Studierenden. Viele lassen sich nach ein paar Semestern erneut befragen; dazu liegen erstmals Ergebnisse vor. Sie belegen unter anderem, dass die soziale Herkunft den Studienverlauf prägt.

In der freiwilligen Einschreibungsbefragung machen die Studierenden u. a. Angaben zu ihrer Studienmotivation sowie ihrer sozialen und schulischen Herkunft. Sie können zudem ihre E-Mailadresse angeben, falls sie an einer Nachbefragung interessiert sind. Die erste Online-Nachbefragung lief im Sommer 2007. Erfasst wurden u. a. Veränderungen in Studiensituation und -verlauf: Warum wurden Fach oder Uni gewechselt? Wie wird das Studium finanziert? Welche Auswirkungen haben die Studienbeiträge? Befragt wurden die Teilnehmer der Einschreibungsbefragung vom Wintersemester 04/05 bis zum Sommersemester 06, also Studierende, die zwischen drei und sechs Semestern an der RUB sind. Mitgemacht haben rund 300. Um Repräsentativität zu gewährleisten, wurden nur die 289 deutschen Studierenden ausgewertet.

Studienplanung und -verlauf

Etwa acht Prozent der Befragten haben mittlerweile ihr Studium ab- oder unterbrochen. Etwa jeder Dritte begründet dies mit Studienbeiträgen, finanziellen Aspekten oder Zweifeln am Sinn des Studiums. 16 Studierende haben die Uni gewechselt, weitere 58 ihr Studienfach. Der Hauptgrund dafür liegt in der falschen Vorstellung vom gewählten Fach. Jeder Dritte gibt an, zunächst ein „Parkstudienfach“ gewählt zu haben.
Jeder Zweite hat seine Studienplanung eingehalten. 30 Prozent sind etwa ein Semester langsamer als geplant, 20 Prozent zwei oder mehr Semester. Meist liegt das am Nichtbestehen von Prüfungen. Weitere Gründe sind der hohe Anspruch des Studiums und der Job.
Von den Bachelor-Studierenden hatten bei der Einschreibung 73 Prozent angegeben, dass sie anschließend den Master anstreben. Drei Prozent wollten dies nicht, 24 Prozent waren unsicher. An diesen Zahlen ändert sich in der Nachbefragung wenig. Nur der Anteil der „Unsicheren“ nimmt zugunsten derer ab, die keinen Master machen möchten, das betrifft nun jeden Zehnten. Die Einschätzung der Studierenden bei der Einschreibung stellt insgesamt einen soliden Planungswert für die Fakultäten dar.
70 Prozent der Befragten wohnen in Bochum oder den Nachbarstädten. Von denen, die in Bochum wohnen, sind 80 Prozent wegen des Studiums hierhin gezogen – 20 Prozent wohnten schon vorher hier. Fast jeder zweite Studierende der RUB wohnt bei seinen Eltern; bundesweit sind es laut der 18. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerkes 20 Prozent.

Geld und andere Sorgen

Die Studierenden der RUB finanzieren ihr Studium hauptsächlich durch Jobs und durch Unterstützung von Eltern und Verwandten; jeder Dritte bekommt Bafög. Entscheidend ist der soziale Status, der anhand von Herkunftsmerkmalen bestimmt wird. So erhalten 52,8 Prozent der Studierenden aus der niedrigen Herkunftsgruppe Bafög.
Laut Sozialerhebung jobben im Bundesschnitt 61 Prozent der Studierenden nebenher. In Bochum sind es 74 Prozent; etwa jeder Dritte arbeitet mehr als 10 Stunden pro Woche. Das betrifft vor allem Studierende der niedrigeren Herkunftsgruppen (Abb. 2). Zweidrittel der Befragten jobben, weil dies für den Lebensunterhalt notwendig ist und weil es sie unabhängiger von den Eltern macht. Für Studierende der höheren Herkunftsgruppen spielt zudem Qualifikation und praktische Erfahrungen eine große Rolle. Etwa 42 Prozent der jobbenden Studierenden gehen einer Aushilfstätigkeit, z. B. als Kellner oder im Büro, nach. Jeder Dritte jobbt als studentischer Mitarbeiter. Den Bochumer Studierenden stehen im Mittel etwa 502 Euro monatlich zur Verfügung.
Die Studierenden wurden auch gefragt, inwieweit die im Sommer 2007 eingeführten Studienbeiträge ihr Studienverhalten beeinflussen. Für knapp 42 Prozent ändert sich nichts Wesentliches. Studierende der niedrigen oder mittleren Herkunftsgruppe befürchten aber teilweise, dass sie ihr Studium abbrechen (15,5 Prozent) oder länger studieren müssen (16,5). Zweidrittel müssen verstärkt auf die Kosten für den Lebensunterhalt achten – mit den erwarteten Unterschieden zwischen den Herkunftsgruppen. Gleiches gilt für eine Reduzierung der Freizeitausgaben, für Aufnahme oder Erhöhung eines Darlehens, die Verwendung von Ersparnissen und das Auffangen der zusätzlichen Kosten durch (verstärktes) Arbeiten.
Studierende aus finanziell schlechter gestellten Familien müssen die Beiträge durch Mehrarbeit und Einschränkungen im Alltags- und Freizeitverhalten auffangen – während Studierende aus einem finanzkräftigen Umfeld auf externe Ressourcen zurückgreifen können und sich daher die zusätzliche finanzielle Belastung vermutlich nicht negativ auf das Studium auswirkt.
Jeder Zweite fragt sich, ob er nach dem Studium eine Stelle findet. Ähnlich viele machen sich Sorgen, ob sie Prüfungen bestehen. 42 Prozent machen sich Gedanken um die Studiumsfinanzierung. Die Studierenden der niedrigen Herkunftsgruppe schauen insgesamt pessimistischer in die Zukunft. Auch zwischen den Fächergruppen finden sich Unterschiede. Geistes- und Naturwissenschaftler machen sich mehr Sorgen um ihre berufliche Zukunft, Geisteswissenschaftler zudem über die Finanzierung. Die Angst, Prüfungen nicht zu bestehen, ist bei Ingenieuren und Medizinern am größten (Abb. 3)
Einer von fünf Befragten denkt darüber nach, in näherer Zukunft die Hochschule wechseln. Ihr Anteil nimmt allerdings mit längerer Studiendauer ab. Knapp 41 Prozent dieser Gruppe erwarten ein besseres Studienangebot an der anderen Uni. Jeder vierte Wechselwillige ist mit der Qualität der Seminare/Vorlesungen nicht zufrieden. Nur sechs hingegen meinen, dass sie sich an der RUB nicht wohl fühlen. Die wichtigsten Gründe, weiter in Bochum zu studieren, sind die Nähe zum Heimatort und dass man sich an der RUB wohlfühlt. Zudem spielen der gute Ruf des Studiengangs und die Qualität der Vorlesungen/Seminare eine wichtige Rolle.

Ausblick

Zukünftig darf man noch mehr vom Studierendenmonitor erwarten. Da die Einschreibungsbefragung mittlerweile gut in die Immatrikulation integriert ist und die Teilnahmequote bei 60 bis 70 Prozent liegt, kann für künftige Nachbefragungen auf einen weitaus größeren Pool zurückgegriffen werden. Dann werden auch Auswertungen für die Fachbereiche möglich sein. Die Nachbefragung wird so zu einem effektiven Instrument, um die Lage der Bochumer Studierenden zu ermitteln und das Studienangebot zu optimieren. Wird die Befragung zu einem späteren Zeitpunkt wiederholt, kann das Instrument für eine Absolventenevaluation eingesetzt werden. Somit ist eine vollständige Längsschnittanalyse des Studienverlaufs – von der Einschreibung bis zum Übergang ins Berufsleben – möglich.


Sozialprofil
In einer gesonderten Studie hat das ZEFIR die Ergebnisse der 17. Sozialerhebung (für das Land NRW) mit den Daten der Einschreibungsbefragung vom WS 06/07 (für die RUB) verglichen; Basis waren 3.836 Studierende. Im Mittelpunkt steht das Sozialprofil der Bochumer Studierenden, die zu zwei Dritteln aus dem Ruhrgebiet stammen (Abb. 1): Im Vergleich zum Landesdurchschnitt kommen deutlich mehr Studierende aus hochschulfernen und finanziell schlechter gestellten Schichten und deutlich weniger aus Akademikerfamilien. So liegt beispielsweise der Anteil der Studierenden der niedrigen und mittleren sozialen Herkunftsgruppe in den Ingenieurwissenschaften deutlich über dem Landesdurchschnitt (44 gegenüber rund 34 Prozent). Auch der Anteil nichtdeutscher Studierender an der RUB ist hoch. Hier dominieren ebenfalls Studierende aus der niedrigen Herkunftsgruppe. Daraus ergeben sich gravierende Konsequenzen für die gesamte Uni: längere Studienzeiten, weniger Qualifikationsmöglichkeiten und höhere Abbruchquoten.
Weitere Infos: http://www.bildungsberichterstattung.de


 





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