Geliebte Klassiker
Die Unibibliothek
hat einen neuen Unterstützer gefunden
Es ist noch keine Sensation, wenn sich ein Bauingenieur
auch für schöne Künste und deutschsprachige
Literaturklassiker begeistert. Wenn dieser Ingenieur
allerdings der Unibibliothek darüber hinaus jährlich
eine schöne Summe schenkt, damit sie Bücher
zum Thema kaufen kann, dann sollte man doch etwas genauer
hinschauen und sich mit Arnd Hallemeier in der Bibliothek
treffen.
Rund 4,4 Mio. Bücher und weitere Medien können
in der Universitätsbibliothek (UB) und den 50 Fachbereichsbibliotheken
der Ruhr-Uni eingesehen oder ausgeliehen werden. Eine
ganze Menge. Gleichwohl müssen es ständig
mehr werden, damit das Angebot stets den aktuellen Stand
der Wissenschaft widerspiegelt. Natürlich besitzt
die Bibliothek ein Budget für Neuanschaffungen
und natürlich wird dieses Budget mit Einnahmen
aus den Studienbeiträgen aufgebessert; das ist
schließlich ein Hauptwunsch der Studierenden:
Ihre Beiträge sollen auch der Bibliothek zugute
kommen. Allein 2007 kauft die UB aus diesen Mitteln
rund 2.000 Lehrbücher, darüber hinaus elektronische
Datenbanken, e-books etc. Dennoch können die Bibliotheksmitarbeiter
längst nicht jedes Medium beschaffen, das sie gerne
hätten. Darum sind sie umso glücklicher, wenn
sie noch aus einer anderen Quelle Geld bekommen.
Quer durch die Regale
Arnd Hallemeier ist so eine Quelle. Er hat Anfang der
Siebzigerjahre an der Ruhr-Uni Bauingenieurwesen studiert
und in dieser Zeit nicht nur seinen Abschluss geschafft,
sondern auch das enorme Angebot in den Regalen der Bibliotheken
schätzen gelernt. „Das waren nicht nur Bücher
zu meinem Studium, sondern auch jede Menge Klassiker:
Hölderlin, Gottfried Keller und vor allem Goethe.
Ich habe mich kreuz und quer durch die Regale gelesen“,
erinnert sich der Ingenieur und blickt sich versonnen
in dem Teil des Magazins um, wo seine geliebten Klassiker
noch immer stehen.
Jetzt, zum Ende seines Berufslebens, möchte er
helfen, den hohen Standard in der Bibliothek zu bewahren.
„Ich selbst habe in meiner Schul- und Universitätszeit
eine so umfassende, gute und kostenlose Bildung genossen,
davon möchte ich einiges zurückgeben“,
benennt Hallemeier ein weiteres Argument. Neben der
Ruhr-Uni (der er bereits über die Gesellschaft
der Freunde Spenden zukommen ließ) spendet er
auch seinem alten Gymnasium in Werden sowie der Folkwang
Hochschule Geld; dort hatte Hallemeier während
seiner Schulzeit vier Jahre lang Kurse belegt.
3.000 Euro erhält jede der drei Institutionen jährlich,
auf unbegrenzte Zeit. Vor ein paar Monaten hatte sich
Arnd Hallemeier an die UB-Direktorin Dr. Erdmute Lapp
gewandt und mit ihr weiteren UB-Mitarbeitern die Modalitäten
geklärt. Hauptsächlich ging es darum, dass
der Ingenieur das Geld für bestimmte Bücher
zur Verfügung stellen möchte, namentlich für
Literatur von und über Goethe, Hölderlin und
Keller.
Bücherfreunde unter sich
Forderungen, die in der Bibliothek leicht nachzuvollziehen
sind und gerne erfüllt werden. „So kann sich
Herr Hallemeier ganz konkret einbringen und hat einen
direkten Bezug zu den von ihm finanzierten Büchern“,
sagt Uta Müller, in der Bibliothek unter anderem
zuständig für Öffentlichkeitsarbeit.
Außerdem könne die UB auf diese Weise einen
Schwerpunkt zu diesen drei Autoren aufbauen. Unisono
loben Müller und Hallemeier die angenehme Atmosphäre
der Gespräche. Bücherfreunde unter sich. Außerdem
ist das Spenden eine vollkommen unbürokratische
Angelegenheit. Arnd Hallemeier musste ein einziges kleines
Formular (für die spätere Spendenbescheinigung)
ausfüllen und überweist seitdem seine Spende
auf ein eigens eingerichtetes Konto der UB. Mehr gab
und gibt es nicht zu tun.
Da zahlreiche Bücher über Goethe & Co.
einerseits in der Bibliothek bereits vorhanden sind,
andererseits in noch viel größerer Zahl existieren
und zudem jährlich viele neue Werke hinzukommen,
muss aus dem riesigen Angebot ausgewählt werden.
Dazu entsteht in der UB eine Vorschlagsliste, aus der
Arnd Hallemeier schließlich seine Favoriten bestimmt.
„Hölderlins Kalender“ gehörte
zu den ersten Büchern, für die er sich entschieden
hat. Zusammen mit ein paar Dutzend weiterer Bücher
ist es mittlerweile in Bochum angekommen und wurde im
Oktober ins Regal gestellt. Ingenieur Hallemeier hat
es jetzt kurz herausgeholt und blättert zufrieden
darin.
Wahrscheinlich wird er auch einer der ersten Ausleiher
sein. Denn es gibt – neben der Liebe zur Bildung
und der Dankbarkeit gegenüber seinen Bildungsinstitutionen
– noch einen dritten Grund, dass er der Unibibliothek
Geld für neue Bücher spendet: „Ich habe
zu Hause eine große Büchersammlung, aber
keinen Platz mehr für weitere Bücher. Ich
möchte selbstverständlich keines meiner Bücher
weggeben. Andererseits liebe ich es, Bücher zu
kaufen; das lasse ich jetzt die Unibibliothek machen:
Sie kauft stellvertretend für mich. Ich kann mir
ja dort die Bücher per Fernleihe besorgen.“
Kontakt
Arnd Hallemeier ist bislang der einzige Geldspender
der UB, regelmäßig werden ihr allerdings
Bücher gespendet. Natürlich freut sich die
UB über weitere Interessenten für beide Varianten;
Infos & Kontakt: Dr. Erdmute Lapp, -22350, oder
Uta Müller, -22383.
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