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RUBENS 120

30. November 2007

Es werde Licht!

Serie Situation Kunst


Das im September 2006 eröffnete Erweiterungsgebäude von Situation Kunst beherbergt bedeutende Werke der Gegenwartskunst: von Richard Serra, Lee Ufan und anderen. RUBENS stellt die Exponate nach und nach vor, diesmal die Zoom Squares von Gianni Colombo, die Rekonstruktion einer Licht-Raum-Installation (1967/68).

Vier Diaprojektoren, drei an der Decke installiert, einer im Boden versenkt, werfen in zeitlich ungleichem Abstand ein Lichtquadrat an die jeweils gegenüberliegende Wand. Die Quadrate scheinen aus dem Nichts zu kommen, vergrößern sich, bis sie fast die gesamte Wandfläche ausfüllen und werden kleiner, um wieder im Nichts zu verschwinden. Der Mailänder Künstler Gianni Colombo (1937-1993) beschäftigte sich bereits Ende der 50er-Jahre mit kinetischen Objekten und dem Einfluss des Lichts auf den Raum. Er ging davon aus, dass Licht und Bewegung die Wahrnehmung des Raums veränderten. Oft bezog er daher den Betrachter in das Kunstwerk oder den Raum selbst mit ein.

Nicht zu fassen

Der Betrachter erlebt den Raum in Situation Kunst beim Betreten in völliger Dunkelheit. Ein Bewegungsmelder setzt die Motorenautomatik der Diaprojektoren in Gang und der Lichtzyklus beginnt. Der Raum wird erhellt, um danach wieder völlig verdunkelt zu werden: eine Herausforderung für das menschliche Auge und ebenso ein überraschendes Erlebnis im Raum. Dass der Betrachter sich mitten in einem sonst völlig leeren Raum befindet, wird ihm erst in der Aufhellungsphase bewusst. Er sucht im Dunklen ebenso wie im Hellen einen Anhaltspunkt, sucht anfangs das Kunstwerk oder Gemälde, um sich selbst im Raum zu positionieren, bis deutlich wird, dass der Raum und das Licht selbst das Werk sind. Verhält sich der Betrachter für längere Zeit ruhig im Raum (und gibt so kein Signal an die Bewegungsmelder), schalten sich die Diaprojektoren schon bald aus. Mit dem Licht scheint auch der Raum zu verschwinden. Das Kunstwerk selbst ist gestaltlos und für den Betrachter nicht zu fassen.
Colombo verweigert sich völlig der Materialität und verhält sich kritisch dem Kunstmarkt gegenüber. Hier gibt es kein Gemälde zum dauerhaften Betrachten oder eine Skulptur, die es in ruhigem Tempo zu umschreiten gilt; es gibt kein Objekt, das Kunstsammler kaufen könnten. Der Museumsraum selbst übernimmt eine Aufgabe im Werk. Gianni Colombo und die Mitglieder der 1959 von ihm mitbegründeten Künstlergruppe „T“ bezeichneten diese Kunstform nicht mehr als Installation, sondern als „Ambiente“. Objekte werden im Raum erlebbar gemacht, scheinen aber doch völlig getrennt zu sein von ihm. Bereits 1964 entstand Colombos erstes Ambiente, „Strutturazione cinevisuale abitabile“. Ähnlich wie bei „Zoom Squares“ in Situation Kunst warfen hier elektronische Lichtquellen Flashs auf die Orthogonalen und Diagonalen des Raums und forderten den Betrachter auf, sich mit der veränderten Raumwirkung zu beschäftigen. Auch seine Rauminstallation „Spazio Elastico“ (1967) erweckte einen Raum durch fluoreszierende Fäden zum Leben, die elastisch und durch ultraviolettes Licht beleuchtet bewegt werden.

Dynamischer Raum

„Zoom Squares“ schafft es, einen geschlossenen Raum nur durch Lichtbewegung zu öffnen und starre Wände zum Leben zu erwecken. Der Betrachter ist nicht mehr vom Kunstwerk getrennt, sondern ist gezwungen, den Raum zu betreten und selbst durch Licht- und Schattenwirkung zum Teil der Kunst zu werden. Zu einem Teil des Kunstwerks erhoben, wird der Betrachter nun völlig auf sich bezogen und kann sich und sein Verhältnis im und mit dem Raum beobachten. Er ist hier ganz auf sich gestellt.
Die quadratische Form der Lichtfelder erinnert zwar an die klassische Gemäldeform, die Bilderwartung wird aber keineswegs erfüllt. Die Lichtfelder können zwar an Fenster erinnern, geben letztlich jedoch keinen Ausblick. Somit wird der Betrachter in Verwirrung versetzt. Diese Verwirrung wird durch ein stets hörbares Summen der Projektoren verstärkt. Dem aufmerksamen Betrachter wird zudem schnell klar, dass die Lichtfelder nicht streng quadratisch, sondern eher rautenförmig sind. Dies führt dazu, dass bei längerer Betrachtung die Wände zu kippen scheinen und der Raum selbst dynamisiert wird.

Info: Situation Kunst im Schlosspark Weitmar, Nevelstraße 29c-d, geöffnet Mi+Fr 14-18 h, Sa+So 12-18 h, http://www.situation-kunst.de

 




 

 


 





Sebastian Sprenger
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Letzte Änderung: 30.11.2007| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik