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RUBENS 119

31. Oktober 2007

Hartmut im Wald

Rezension "Wandelgermanen"




Die WG-Wohnung in Wiemelhausen liegt in Schutt und Asche. Hartmut & Ich, von Obdachlosigkeit bedroht, sind darüber mindestens so traurig wie ihre Fangemeinde, die sich seit Ende des zweiten Hartmut & Ich-Bandes mit der bangen Frage plagte, was jetzt werden soll mit den beiden. Zum Glück erweist sich Autor Oliver Uschmann als gnädig (und fleißig) und legt schon ein Dreivierteljahr später den nächsten Band nach: „Wandelgermanen“.
Hartmut hat für die WG ein Traumhaus aufgetan, im Grünen auf dem Land, ein Paradies für Kater Yannick, mit viel Platz für Werkstatt und Atelier für die Liebsten, fernab des großstädtischen Trubels. Und das zum Schnäppchenpreis von nur 8.000 Euro bei ebay. Gewohnt unverzagt hat er zugeschlagen; Frauen, Kumpel und Kater finden sich im Kleinbus wieder, auf der Reise ins verheißungsvolle neue Leben. Kann das gut gehen? – Natürlich nicht, frohlockt der Leser, und, so viel soll verraten werden, er wird nicht enttäuscht.
Wir finden perfekte Bedingungen vor, um Hartmut und seine Entourage einmal mehr in Bestform zu erleben. Die Frauen nehmen Reißaus und drohen mit Liebesentzug. Hartmut und Ich nehmen den Kampf auf mit albtraumhafter Bausubstanz, gewöhnungsbedürftiger Nachbarschaft, barfüßig Wandelnden, schießwütigen Truppen und einem kafkaesken Verwaltungsapparat. Und das alles ohne Pommes Spezial und ohne Badewanne, geschweige denn Playstation. Das ist hart.
Uschmann, nach dem Studium an der RUB selbst aufs Land gezogen, beschreibt sicherlich so einiges aus eigener Erfahrung, und so manchen Tipp für die Altbausanierung sollte man sich wahrscheinlich für den Fall der Fälle irgendwo notieren. So richtig schön wird’s aber erst, wenn er in Fantastische schweift. Oft tritt in der Überzeichnung erst die Absurdität dessen in Erscheinung, was jeder schon erlebt hat, sei es im Baumarkt oder auf dem Bauamt. Gelegentliche Passagen, die sich arg im Surrealistischen vergaloppieren, verzeiht man da gern. Außerdem hat man sie schnell durchgelesen, denn spannend ist es auch. Werden Hartmut & Ich ihre Beziehungen retten können? Werden sie am Ende ruiniert und gebrochen wieder ins Ruhrgebiet heimkehren? Und nicht zuletzt: Wird der Bus kommen?
Wer kurzweilige Unterhaltung sucht, Hausbesitzer ist oder es werden will und Hartmut sowieso schon die ganze Zeit vermisst hat, dem sei „Wandelgermanen“ ans Herz gelegt.

Info: Oliver Uschmann: „Wandelgermanen“. Scherz Verlag 2007, 381 Seiten, 12,90 Euro, noch mehr zum Thema: http://www.hartmut-und-ich.de.




md
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Letzte Änderung: 31.10.2007| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik