Research
Campus kommt trotzdem
Das Rektorat setzt die Zukunftspläne für die
RUB aus eigener Kraft um
Verloren und doch gewonnen: In der Exzellenzinitiative
kamen beide Anträge der RUB (Zukunftskonzept bzw.
Exzellenz-Cluster) zwar nicht zum Zuge. Die Universität
wird ihr Zukunftskonzept des „Research Campus“
trotzdem weiter verfolgen. „Es wird länger
dauern als mit den Mitteln der Exzellenzinitiative, aber
wir werden unseren Weg weitergehen“, so Rektor Prof.
Dr. Elmar Weiler.
Die Ruhr-Universität will nun noch stärker
als bisher Spitzenforschung leisten; sie verwandelt
sich nach und nach in den Research Campus RUB. Die Forschung
wird von starren Strukturen der Fakultäten befreit
und in flexiblen, interdisziplinären Departments
organisiert. Darin arbeiten Forscher, die aus unterschiedlichen
Fakultäten stammen können, in einem Themenfeld.
Auf Dauer geplant sind Departments in den Feldern, die
die bestehenden Forschungsschwerpunkte der Ruhr-Uni
bearbeiten, z. B. in Systemchemie, Plasmaforschung,
Materialwissenschaften oder Religionswissenschaften.
Beispielhaft für die Forschungsdepartments ist
der Bereich „Protein Networks“, der als
Exzellenz-Cluster bis zuletzt im Rennen der Exzellenzinitiative
war. Aufbauend auf dem interdisziplinären Bochumer
Proteincenter, ergründen Forscher aus Bochum und
Dortmund gemeinsam die Frage, wie Proteine in lebenden
Zellen in Netzwerken interagieren. Es geht darum, die
Dynamik des Zellgeschehens praktisch in Echtzeit und
wo immer möglich mit atomarer Genauigkeit aufzulösen.
Defekte in diesem Zusammenwirken der Makromoleküle
in der Zelle sind verantwortlich für Erkrankungen
wie z.B. Krebs.
Jung und alt gemeinsam
„Mit dieser neuen Struktur wollen wir unser Zukunftskonzept
konsequent weiterverfolgen“, so Prof. Weiler,
„natürlich im Rahmen des dann finanziell
Machbaren.“ Dies gilt auch für weitere Schlüsselbausteine
des Research Campus-Konzepts, wie das Institute für
Advanced Study zur Förderung herausragender interdisziplinärer
Projekte einzelner Forscher und für die Junior-Senior-Research-Groups
für den generationsübergreifenden Wissenstransfer.
Hier sollen sich Juniorprofessoren und Doktoranden zusammenfinden,
die gleichberechtigt als Team zusammenarbeiten. Der
Clou ist, dass ihnen bei ihrer Forschungsarbeit ein
erfahrener Emeritus, den sie selbst vorschlagen können,
als Ratgeber und Partner zur Seite steht. „Der
Vorteil ist evident: Die Erfahrenen, unbelastet von
täglicher Routine, arbeiten mit den Jüngsten
auf einem Niveau partnerschaftlich zusammen, geben Erfahrung
– auch Lebenserfahrung – weiter, können
raten und motivieren“, so Prof. Weiler.
Die in der ersten Runde der Exzellenzinitiative erfolgreiche
campusweite Research School arbeitet bereits. Das von
19 Fakultäten getragene Konzept wird mit etwa 1,5
Mio. Euro pro Jahr gefördert. Über 70 Wissenschaftler/innen
arbeiten in der Bochumer Graduiertenschule über
alle Fächergrenzen hinweg zusammen – von
den Natur- und Ingenieurwissenschaften über die
Lebenswissenschaften bis hin zu den Geistes- und Gesellschaftswissenschaften.
Besonders drittmittelstarke Projekte der RUB beteiligen
sich an der Research School, u. a. neun Sonderforschungsbereiche
und drei Graduiertenkollegs.
Stimmungsbild
Trauer sieht anders aus. Stattdessen
sind alle an der RUB und in ihrem Umfeld stolz auf das
Erreichen der Finalrunde und alle blicken hoffnungsvoll
in die Zukunft. RUBENS hat die Stimmen zur Entscheidung
in der Exzellenzinitiative gesammelt.
Dr. Ottilie Scholz, Bochumer Oberbürgermeisterin:
„Wer sich in der Konkurrenz von 35 Deutschen
Hochschulen am Ende derartig herausragend positioniert,
der muss ein überzeugendes Konzept haben. Die 42
Jahre junge Ruhr-Universität verfügt über
dynamische Kräfte, die sie in die Lage versetzen,
in der Spitzenliga der Deutschen Forschung einen ambitionierten
Platz einzunehmen. Wir sind stolz auf unsere Universität!“
Dr. Norbert Lammert, Bundestagspräsident:
„Natürlich ist es schade, dass die Ruhr-Uni
keine Exzellenzuniversität geworden ist. Andererseits
dokumentiert die Nominierung den besonders hohen Stellenwert,
den man ihr bundesweit einräumt.“
Prof. Dr. Andreas Pinkwart, NRW-Wissenschaftsminister:
„Die Ruhr-Uni hat während des
vergangenen Jahres an Renommee, Reputation und Selbstbewusstsein
enorm gewonnen.“
Prof. Dr. Bernhard Stöckhert, Prorektor
Lehre: „Wir haben durch die Teilnahme
schon so viel gewonnen. Wir machen weiter! Es hat sich
viel geändert. Neu ist, dass es eine Identifikation
mit der RUB gibt. Und: Die Ruhr-Uni hat etwas nicht,
das andere Hochschulen haben: Sie hat keine Reibung
nach innen, und das ist ein großer Vorteil. Bei
der Forschung steht Bochum mit der Zahl seiner Sonderforschungsbereich
an zweiter Stelle in Deutschland. Da sind wir ausgezeichnet,
das ist Spitzenforschung. Wir haben mit der Bewerbung
Selbstbewusstsein gewonnen. Diesen Schwung behalten
wir bei.“
Beate Preuß, Verwaltungsangestellte (Wirtschaftswissenschaft):
„Es ist schade, aber wir freuen uns, dass
wir überhaupt so weit gekommen sind. Für das
erste Mal ist das doch ziemlich gut.“
Dr.-Ing. Reinhard Bergmann, Bauingenieurwesen:
„Ich hatte nur indirekt mit der Initiative
zu tun. Bei uns waren zwei Lehrstühle beteiligt,
das wurde im Fakultätsrat vorgestellt. Die Auswirkungen
der Verschönerungen habe ich bei uns im Gebäude
IA gesehen, das ist ein guter Ansatz. Da müsste
man nun weitermachen.“
Prof. Dr.-Ing. Gunther Eggeler, Maschinenbau:
„Wir haben alles gegeben! Wir haben
versucht, unsere Aktivitäten so gut wie möglich
darzustellen und rüberzubringen. Bei der Begutachtung
kam die Gruppe auch zu uns. Ich hatte das Gefühl,
dass wir dabei einen sehr guten Eindruck hinterlassen
haben. Die RUB hat sich durch die Bewerbung intern neu
und gut aufgestellt. Für die Zukunft müssen
wir uns an diesem Konzept orientieren. Wir sind 350
Professoren, da kann nicht jeder einzeln arbeiten. Wir
müssen Schwerpunkte setzen und uns zusammentun.
Diese Erkenntnis hat die Exzellenzinitiative gebracht.“
Rolf Wernhardt, Mitglied des Senates:
„Es gibt nun eine sehr viel stärkere
Identifikation der Belegschaft mit der Universität.
Vielleicht sagt man bei uns ja bald wie bei Opel: Ich
bin RUBianer.“
Denis Praesler, Student: „Ich
hätte Bochum als Exzellenz-Uni nicht wirklich gut
gefunden, weil ich Angst habe, dass man dadurch ein
bisschen zu abgehoben wird. Ich denke auch, dass man
sich jetzt ein bisschen mehr Mühe mit dem Nachwuchs
gibt, schon bei den Studenten anfängt, Talente
zu fördern usw. und auch auf die finanziell Schwächeren
eingeht, dass man sie unterstützt, wenn sie sich
die Studiengebühren nicht leisten können.“
Julia Höft, Studentin: „Es
wäre schön gewesen, sagen zu können,
dass man an einer Elite-Uni studiert, aber wir sind’s
leider nicht geworden.“
Sascha Bednarz, Vorsitzender des RCDS: „Wir
hatten uns alle gewünscht, dass die Ruhr-Uni Elite-Uni
wird. Aber wie der Rektor schon gesagt hat: Wir waren
gut, die anderen waren leider ein wenig besser. Aber
wir sind auf dem richtigen Weg und für die Zukunft
habe ich da wirklich Hoffnung. Viele Studenten stehen
dahinter und wünschen sich, Elite-Uni zu sein.
Und trotz der Widerstände werden wir das, glaube
ich, in Zukunft schaffen, da einen richtigen Weg zu
gehen.“
Jonas Krüger, Student: „Wäre
was gewesen, wenn das was geworden wäre mit der
Elite-Uni, aber zweiter ist auch ganz gut.“
Max Rehmens, Student: „Mir
fehlen einfach die Worte!“
Prof. Dr. Gerhard Wagner, ehemaliger Rektor:
„Die Universität sollte sich den Schwung,
den sie jetzt aufgenommen hat, nicht nehmen lassen.
Das Leben geht immer weiter – es gibt wahrscheinlich
in vier, fünf Jahren eine neue Runde, und dann
kommt Bochum durch. Beim nächsten Mal sind wir
erfolgreich.“
Prof. Dr. Hanns Hatt, Biologie: „Wir
sind enttäuscht, keine Frage, aber wir glauben
auch, dass wir uns extrem gut geschlagen haben und dass
am Ende nur noch ganz hervorragende Unis im Rennen waren.
Kleine Nuancen geben dann den Ausschlag. Wir gratulieren
den anderen, die jetzt erfolgreich waren, und gönnen
ihnen den Erfolg. Für uns selbst werden wir jetzt
schauen, wie wir die Ideen aus unserem Antrag umsetzen
können.“
Juniorprofessor Dr. Dennis Dijkzeul, Institut
für Friedenssicherungsrecht und Humanitäres
Völkerrecht: „Es ist schade:
Die Uni wäre es wert gewesen, den ganz großen
Erfolg im Wettbewerb zu erreichen. Die Zusammenarbeit
mit den anderen Wissenschaftlern für die Posterpräsentation
bei der Begutachtung hat großen Spaß gemacht.“
Britta Freis & Jessica Runte, RUB Alumni-Team:
„Wir sind Elite der Herzen.“
Millimeterentscheidung am 19. Oktober
Um viertel nach eins freitagmittags wurde offiziell,
was die Spatzen schon seit Stunden von verschiedenen
Dächern pfiffen. Fast zeitgleich trafen da am 19.
Oktober im Audimax der Anruf von NRW-Innovationsminister
Prof. Andreas Pinkwart und die Mail von der Deutschen
Forschungsgemeinschaft (DFG) bei Rektor Prof. Elmar
Weiler ein. Die Nachricht war beides Mal die gleiche:
leider kein Erfolg in der Exzellenzinitiative.
Doch während die Mail der DFG sachlich blieb, war
der Anruf des Ministers von Emotionen geprägt.
Dies schilderte Rektor Weiler gleich anschließend,
als er das Resultat vor vielen hundert Menschen im Foyer
des Audimax verkündete; das Rektorat hatte alle
Mitglieder zum Feiern eingeladen – unabhängig
vom Ausgang. Von einer „Millimeterentscheidung“
habe ihm der Minister berichtet, der immerhin vor Ort
in Bonn gewesen war, bis zuletzt sei alles offen gewesen,
die RUB gewissermaßen erst knapp vor dem Ziel
geschlagen worden. Dies führt Prof. Weiler in seiner
Rede weiter und kündigt schon jetzt die Teilnahme
an der nächsten Runde der Exzellenzinitiative an,
voraussichtlich in drei Jahren. „Dann machen wir
es noch besser“, verspricht er.
Noch im November sollen die Gutachten der Prüfer
von DFG und Wissenschaftsrat vorliegen. Ihnen wird zu
entnehmen sein, was diesmal noch gefehlt hat. Auch Prof.
Klaus Gerwert ist gespannt auf das Gutachten für
den Exzellenzcluster Protein Networks. Der Biophysiker
koordiniert den Cluster, das ebenfalls knapp gescheitert
ist. Er wird die Forschung an den Proteinen jedoch ebenso
fortsetzen wie das Rektorat das Gesamtkonzept für
die Ruhr-Uni weiter umsetzen wird.
ad/md
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