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RUBENS 119

31. Oktober 2007

Research Campus kommt trotzdem


Das Rektorat setzt die Zukunftspläne für die RUB aus eigener Kraft um



Verloren und doch gewonnen: In der Exzellenzinitiative kamen beide Anträge der RUB (Zukunftskonzept bzw. Exzellenz-Cluster) zwar nicht zum Zuge. Die Universität wird ihr Zukunftskonzept des „Research Campus“ trotzdem weiter verfolgen. „Es wird länger dauern als mit den Mitteln der Exzellenzinitiative, aber wir werden unseren Weg weitergehen“, so Rektor Prof. Dr. Elmar Weiler.

Die Ruhr-Universität will nun noch stärker als bisher Spitzenforschung leisten; sie verwandelt sich nach und nach in den Research Campus RUB. Die Forschung wird von starren Strukturen der Fakultäten befreit und in flexiblen, interdisziplinären Departments organisiert. Darin arbeiten Forscher, die aus unterschiedlichen Fakultäten stammen können, in einem Themenfeld. Auf Dauer geplant sind Departments in den Feldern, die die bestehenden Forschungsschwerpunkte der Ruhr-Uni bearbeiten, z. B. in Systemchemie, Plasmaforschung, Materialwissenschaften oder Religionswissenschaften.
Beispielhaft für die Forschungsdepartments ist der Bereich „Protein Networks“, der als Exzellenz-Cluster bis zuletzt im Rennen der Exzellenzinitiative war. Aufbauend auf dem interdisziplinären Bochumer Proteincenter, ergründen Forscher aus Bochum und Dortmund gemeinsam die Frage, wie Proteine in lebenden Zellen in Netzwerken interagieren. Es geht darum, die Dynamik des Zellgeschehens praktisch in Echtzeit und wo immer möglich mit atomarer Genauigkeit aufzulösen. Defekte in diesem Zusammenwirken der Makromoleküle in der Zelle sind verantwortlich für Erkrankungen wie z.B. Krebs.

Jung und alt gemeinsam

„Mit dieser neuen Struktur wollen wir unser Zukunftskonzept konsequent weiterverfolgen“, so Prof. Weiler, „natürlich im Rahmen des dann finanziell Machbaren.“ Dies gilt auch für weitere Schlüsselbausteine des Research Campus-Konzepts, wie das Institute für Advanced Study zur Förderung herausragender interdisziplinärer Projekte einzelner Forscher und für die Junior-Senior-Research-Groups für den generationsübergreifenden Wissenstransfer. Hier sollen sich Juniorprofessoren und Doktoranden zusammenfinden, die gleichberechtigt als Team zusammenarbeiten. Der Clou ist, dass ihnen bei ihrer Forschungsarbeit ein erfahrener Emeritus, den sie selbst vorschlagen können, als Ratgeber und Partner zur Seite steht. „Der Vorteil ist evident: Die Erfahrenen, unbelastet von täglicher Routine, arbeiten mit den Jüngsten auf einem Niveau partnerschaftlich zusammen, geben Erfahrung – auch Lebenserfahrung – weiter, können raten und motivieren“, so Prof. Weiler.
Die in der ersten Runde der Exzellenzinitiative erfolgreiche campusweite Research School arbeitet bereits. Das von 19 Fakultäten getragene Konzept wird mit etwa 1,5 Mio. Euro pro Jahr gefördert. Über 70 Wissenschaftler/innen arbeiten in der Bochumer Graduiertenschule über alle Fächergrenzen hinweg zusammen – von den Natur- und Ingenieurwissenschaften über die Lebenswissenschaften bis hin zu den Geistes- und Gesellschaftswissenschaften. Besonders drittmittelstarke Projekte der RUB beteiligen sich an der Research School, u. a. neun Sonderforschungsbereiche und drei Graduiertenkollegs.


Stimmungsbild
Trauer sieht anders aus. Stattdessen sind alle an der RUB und in ihrem Umfeld stolz auf das Erreichen der Finalrunde und alle blicken hoffnungsvoll in die Zukunft. RUBENS hat die Stimmen zur Entscheidung in der Exzellenzinitiative gesammelt.

Dr. Ottilie Scholz, Bochumer Oberbürgermeisterin: „Wer sich in der Konkurrenz von 35 Deutschen Hochschulen am Ende derartig herausragend positioniert, der muss ein überzeugendes Konzept haben. Die 42 Jahre junge Ruhr-Universität verfügt über dynamische Kräfte, die sie in die Lage versetzen, in der Spitzenliga der Deutschen Forschung einen ambitionierten Platz einzunehmen. Wir sind stolz auf unsere Universität!“

Dr. Norbert Lammert, Bundestagspräsident: „Natürlich ist es schade, dass die Ruhr-Uni keine Exzellenzuniversität geworden ist. Andererseits dokumentiert die Nominierung den besonders hohen Stellenwert, den man ihr bundesweit einräumt.“

Prof. Dr. Andreas Pinkwart, NRW-Wissenschaftsminister: „Die Ruhr-Uni hat während des vergangenen Jahres an Renommee, Reputation und Selbstbewusstsein enorm gewonnen.“

Prof. Dr. Bernhard Stöckhert, Prorektor Lehre: „Wir haben durch die Teilnahme schon so viel gewonnen. Wir machen weiter! Es hat sich viel geändert. Neu ist, dass es eine Identifikation mit der RUB gibt. Und: Die Ruhr-Uni hat etwas nicht, das andere Hochschulen haben: Sie hat keine Reibung nach innen, und das ist ein großer Vorteil. Bei der Forschung steht Bochum mit der Zahl seiner Sonderforschungsbereich an zweiter Stelle in Deutschland. Da sind wir ausgezeichnet, das ist Spitzenforschung. Wir haben mit der Bewerbung Selbstbewusstsein gewonnen. Diesen Schwung behalten wir bei.“

Beate Preuß, Verwaltungsangestellte (Wirtschaftswissenschaft): „Es ist schade, aber wir freuen uns, dass wir überhaupt so weit gekommen sind. Für das erste Mal ist das doch ziemlich gut.“

Dr.-Ing. Reinhard Bergmann, Bauingenieurwesen: „Ich hatte nur indirekt mit der Initiative zu tun. Bei uns waren zwei Lehrstühle beteiligt, das wurde im Fakultätsrat vorgestellt. Die Auswirkungen der Verschönerungen habe ich bei uns im Gebäude IA gesehen, das ist ein guter Ansatz. Da müsste man nun weitermachen.“

Prof. Dr.-Ing. Gunther Eggeler, Maschinenbau: „Wir haben alles gegeben! Wir haben versucht, unsere Aktivitäten so gut wie möglich darzustellen und rüberzubringen. Bei der Begutachtung kam die Gruppe auch zu uns. Ich hatte das Gefühl, dass wir dabei einen sehr guten Eindruck hinterlassen haben. Die RUB hat sich durch die Bewerbung intern neu und gut aufgestellt. Für die Zukunft müssen wir uns an diesem Konzept orientieren. Wir sind 350 Professoren, da kann nicht jeder einzeln arbeiten. Wir müssen Schwerpunkte setzen und uns zusammentun. Diese Erkenntnis hat die Exzellenzinitiative gebracht.“

Rolf Wernhardt, Mitglied des Senates: „Es gibt nun eine sehr viel stärkere Identifikation der Belegschaft mit der Universität. Vielleicht sagt man bei uns ja bald wie bei Opel: Ich bin RUBianer.

Denis Praesler, Student: „Ich hätte Bochum als Exzellenz-Uni nicht wirklich gut gefunden, weil ich Angst habe, dass man dadurch ein bisschen zu abgehoben wird. Ich denke auch, dass man sich jetzt ein bisschen mehr Mühe mit dem Nachwuchs gibt, schon bei den Studenten anfängt, Talente zu fördern usw. und auch auf die finanziell Schwächeren eingeht, dass man sie unterstützt, wenn sie sich die Studiengebühren nicht leisten können.“


Julia Höft, Studentin: „Es wäre schön gewesen, sagen zu können, dass man an einer Elite-Uni studiert, aber wir sind’s leider nicht geworden.“

Sascha Bednarz, Vorsitzender des RCDS: „Wir hatten uns alle gewünscht, dass die Ruhr-Uni Elite-Uni wird. Aber wie der Rektor schon gesagt hat: Wir waren gut, die anderen waren leider ein wenig besser. Aber wir sind auf dem richtigen Weg und für die Zukunft habe ich da wirklich Hoffnung. Viele Studenten stehen dahinter und wünschen sich, Elite-Uni zu sein. Und trotz der Widerstände werden wir das, glaube ich, in Zukunft schaffen, da einen richtigen Weg zu gehen.“

Jonas Krüger, Student: „Wäre was gewesen, wenn das was geworden wäre mit der Elite-Uni, aber zweiter ist auch ganz gut.“

Max Rehmens, Student: „Mir fehlen einfach die Worte!“

Prof. Dr. Gerhard Wagner, ehemaliger Rektor: „Die Universität sollte sich den Schwung, den sie jetzt aufgenommen hat, nicht nehmen lassen. Das Leben geht immer weiter – es gibt wahrscheinlich in vier, fünf Jahren eine neue Runde, und dann kommt Bochum durch. Beim nächsten Mal sind wir erfolgreich.“

Prof. Dr. Hanns Hatt, Biologie: „Wir sind enttäuscht, keine Frage, aber wir glauben auch, dass wir uns extrem gut geschlagen haben und dass am Ende nur noch ganz hervorragende Unis im Rennen waren. Kleine Nuancen geben dann den Ausschlag. Wir gratulieren den anderen, die jetzt erfolgreich waren, und gönnen ihnen den Erfolg. Für uns selbst werden wir jetzt schauen, wie wir die Ideen aus unserem Antrag umsetzen können.“

Juniorprofessor Dr. Dennis Dijkzeul, Institut für Friedenssicherungsrecht und Humanitäres Völkerrecht: „Es ist schade: Die Uni wäre es wert gewesen, den ganz großen Erfolg im Wettbewerb zu erreichen. Die Zusammenarbeit mit den anderen Wissenschaftlern für die Posterpräsentation bei der Begutachtung hat großen Spaß gemacht.“

Britta Freis & Jessica Runte, RUB Alumni-Team: „Wir sind Elite der Herzen.“


Millimeterentscheidung am 19. Oktober

Um viertel nach eins freitagmittags wurde offiziell, was die Spatzen schon seit Stunden von verschiedenen Dächern pfiffen. Fast zeitgleich trafen da am 19. Oktober im Audimax der Anruf von NRW-Innovationsminister Prof. Andreas Pinkwart und die Mail von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) bei Rektor Prof. Elmar Weiler ein. Die Nachricht war beides Mal die gleiche: leider kein Erfolg in der Exzellenzinitiative.
Doch während die Mail der DFG sachlich blieb, war der Anruf des Ministers von Emotionen geprägt. Dies schilderte Rektor Weiler gleich anschließend, als er das Resultat vor vielen hundert Menschen im Foyer des Audimax verkündete; das Rektorat hatte alle Mitglieder zum Feiern eingeladen – unabhängig vom Ausgang. Von einer „Millimeterentscheidung“ habe ihm der Minister berichtet, der immerhin vor Ort in Bonn gewesen war, bis zuletzt sei alles offen gewesen, die RUB gewissermaßen erst knapp vor dem Ziel geschlagen worden. Dies führt Prof. Weiler in seiner Rede weiter und kündigt schon jetzt die Teilnahme an der nächsten Runde der Exzellenzinitiative an, voraussichtlich in drei Jahren. „Dann machen wir es noch besser“, verspricht er.
Noch im November sollen die Gutachten der Prüfer von DFG und Wissenschaftsrat vorliegen. Ihnen wird zu entnehmen sein, was diesmal noch gefehlt hat. Auch Prof. Klaus Gerwert ist gespannt auf das Gutachten für den Exzellenzcluster Protein Networks. Der Biophysiker koordiniert den Cluster, das ebenfalls knapp gescheitert ist. Er wird die Forschung an den Proteinen jedoch ebenso fortsetzen wie das Rektorat das Gesamtkonzept für die Ruhr-Uni weiter umsetzen wird.

 



ad/md
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Letzte Änderung: 31.10.2007| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik