Kulturmeldungen
Tanz, Theater, Musik, Filme, Bücherausstellung
Werkschau gefilmt
Wenn Sportstudenten Johnny Depp als Piraten in den Schatten
stellen oder wenn die Welt für vier Minuten nur
aus tanzenden Zombies besteht, sollte keiner fehlen.
Die jährliche Werkschau Tanz mit Prüfungsstücken
der Sportstudenten ist ein Highlight im Veranstaltungskalender
der RUB. Die Karten für die Show im Musischen Zentrum
sind meist schnell vergriffen. Da auch die diesjährige
Veranstaltung unter Leitung von Marianne Bäcker
und Mechthild Schütte wieder ein großer Erfolg
war und schon jetzt die Nachfragen nach der von Nils
Eden und Kilian Kimmeskamp produzierten DVD enorm sind,
laden die Akteure zu einer neuen Form der Präsentation
ein: „Dancer on screen“ heißt es am
5. November, wenn wir im HZO 20 ab 19 h die komplette
Werkschau auf Videoleinwand zeigen.
Zunächst präsentieren wir die besten Prüfungsstücke
der Grundkurse Gymnastik und Tanz sowie einige Bewegungsstudien
der Spezialfächler. Wie jedes Jahr waren die jungen
Choreograph/innen wieder sehr kreativ in der Auswahl
der Themen, die sie vertanzten. Neben einem Hauch von
Bollywood erleben wir u. a. den modernen Sommernachtstraum,
sehen ein ungewöhnliches Stück zum Thema „Der
Kopf gibt die Bewegung vor“, staunen über
Akrobatik mit Stühlen und über eine Reifenstudie
zu spanischen Klängen.
Im zweiten Teil zeigen wir die viel gelobte Komposition
des zehnköpfigen Spezialfachs Gymnastik. „Müll
oder der Verfall der modernen Konsumgesellschaft“
hieß das Prüfungsthema, das die Studierenden
diesmal umsetzen mussten. Der Kurs hat sich einiges
dazu einfallen lassen. Statt mehrere Einzelstücke
zu komponieren, wurde eine zusammenhängende 20-minütige
Choreographie erstellt, die mit einigen Überraschungen
begeistert.
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Studiogäste
Traditionell gehören die mittleren Monate des Semesters
den freien Theatergruppen. Zwischen den Semesterproduktionen
der Studiobühne bespielen sie die Bühne im
Musischen Zentrum – so auch in diesem November.
Den Anfang macht das Theater Jeudi mit dem Stück
„Hotel zu den zwei Welten“ von Eric-Emmanuel
Schmitt (3.11., 1930 h, Eintritt: 9 bzw. ermäßigt
6 Euro). Eine Hotelhalle. Kein Eingang. Kein Ausgang.
Nur ein Fahrstuhl. Dem Fahrstuhl entsteigt ein Mann.
Er ist verwirrt, weiß nicht, wie er hierher gekommen
ist. Die anderen Gäste kommen ihm seltsam vor.
Sie sind alle sehr gesprächig und überhaupt
nicht verwundert, erzählen ihm von ihren letzten
Erinnerungen, und irgendwann begreift er: Das ist gar
kein Hotel, sondern eine Art Zwischenwelt, in der es
heiter und besinnlich, komisch und dramatisch zugeht.
Eine Woche später (9.-11.11. je 19.30 h) präsentiert
das Germanistische Institut unter Leitung von PD Dr.
Benedikt Jeßing den „Triumph der Empfindsamkeit“
von Johann Wolfgang von Goethe. Das Singspiel, eine
Literatursatire auf den Sturm und Drang, wurde am 30.
Januar 1778 im Weimarer Hoftheater uraufgeführt.
Goethe nimmt damit die eigene, erst kurz vergangene
Empfindsamkeitsepoche mitsamt dem Wertherfieber scharf
aufs Korn; Empfindsamkeit und ihre Lese- und Theaterkultur
werden lächerlich gemacht. Kostüme und Bühnenbild
wurden im Germanistischen Institut gefertigt, die Musik
wird von einem eigenen Orchester live gespielt.
Am 23. und 24.11. (je 19.30 h, Eintritt 6 Euro Vorverkauf
bzw. 8 Euro Abendkasse) gastiert einmal mehr das Ensemble
von Glassbooth im MZ. Es zeigt das Stück „Kubus“
nach einem 1969 uraufgeführten Fernsehspiel von
Muppets-Erfinder Jim Henson und Jerry Juhl. Ein Mann
erwacht im Inneren eines geschlossenen, quadratischen,
weißen Raumes. Er hat keine Erinnerung daran,
wie er in den Raum gelangt ist, der scheinbar keinerlei
Türen und Fenster besitzt. Man darf gespannt sein,
wie es weitergeht. Infos: http://www.rub.de/mz-theater,
http://www.glassbooth.de.
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Jazz oder nie!
Am 16. und 17. November steigt auf der Bühne des
Musischen Zentrums die zweite Ausgabe vom Jazzfest Bochum:
Nachwuchsmusiker treffen auf renommierte Stars der Szene.
Am ersten Abend spielt zunächst das (junge) Trio
Zodiak, anschließend kommen mit der Formation
1000 des Saxophonisten Jan Klare und dem Milan Svoboda
Quartett zwei seit langem erfolgreiche Bands auf die
Bühne.
Neue Wege geht am zweiten Tag des Festivals die Formation
Ha! mit ihrer viel versprechenden Besetzung aus Cello,
Klavier und Schlagzeug. Der restliche Abend wird von
Moritz Ecker und der mikronesischen Mafia sowie dem
Duo Roman Babik/Dimitrij Markitantov bestritten. Das
Jazzfest Bochum wird veranstaltet von Boskop, Jazzwerk
Ruhr, b.itte jazz e.V. und dem Asta. Tageskarten gibt
es an der Abendkasse für 10 bzw. ermäßigt
5 Euro. Weitere Infos: http://www.jazzfest-bochum.de/
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Kino im HZO
6. u. 7.11., 18 u. 20.30 h: „Full Metal Village“
(D 2006), Dokumentarfilm über ein friedliches Kaff
in Norddeutschland, das einmal im Jahr zum Schauplatz
des weltweit größten Metal-Festivals wird.
8. u. 13.11., 18 u. 20.30 h: „2 Tage Paris“
(F/D 2007) im Original, Paris mal nicht als Metropole
der Liebe, dafür Daniel Brühl mit Kurzauftritt
als freundlich-militanter Globalisierungsgegner.
15. u. 20.11., 18 u. 20.30 h: „Irina Palm“
(B/L/UK/D/F 2007) im Original, Marianne Faithfulls Debüt
als Schauspielerin.
22. u. 27.11., 19 h, „Inland Empire“ (USA
2006), David Lynchs neuestes Werk, drei Stunden lang,
deshalb pro Abend nur einmal gezeigt.
29.11., 18 u. 20.30 h: „Der große Ausverkauf“
(D 2006), kritischer Dokumentarfilm zu Gesellschaft,
Konsum, Globalisierung etc.
Alle Filme werden im Hörsaal HZO 20 gezeigt, der
Semesterausweis kostet 1,50 Euro, einzelne Filme zusätzlich
2,50 Euro, alles weitere: http://skf.speutel.de.
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Schöne Literatur
Wolfenbüttel oder Weimar sind für ihre Bücherschätze
bekannt, aber Bochum? Wer mit diesem (Vor-) Urteil die
Sonderausstellung „Alte Ausgaben alter Autoren“
in den Kunstsammlungen der Ruhr-Uni besucht, wird überrascht
sein, wie viele zum Teil prachtvolle Ausgaben ab dem
16. Jahrhundert mit Werken der römischen Literatur
hier zusammengetragen wurden. Möglich wurde dies,
weil gerade in den Gründungsjahren der RUB das
ehemalige Zentralantiquariat der DDR dazu überging,
ganze Bibliotheken, in denen sich die wissenschaftliche
Tradition der neuzeitlichen Gräzistik und Latinistik
widerspiegelte, mit denen man aber aus ideologischen
Gründen nichts mehr anfangen konnte, zu verramschen.
So wurden selbst traditionsreiche Gymnasialbibliotheken
seinerzeit im deutschen Osten gleich reihenweise aufgelöst.
Die Ausstellung lädt ein zu einem facettenreichen
Spaziergang durch die Geschichte. Sie beginnt mit den
berühmtesten Texten der römischen Prosa und
Poesie vom 2. Jahrhundert v. Chr. bis weit in die Kaiserzeit
und führt über deren philologische Wiederentdeckung
und Erforschung von der Renaissance bis zur Schwelle
des Positivismus (16. bis 19. Jahrhundert). Zugleich
illustrieren die gezeigten Bände die Arbeit der
in diesen Jahrhunderten aufblühenden Verlage und
Druckereien und das Zusammenspiel von Buchproduktion
und Wissenschaft.
Dabei haben sich auf beiden Seiten, bei Gelehrten ebenso
wie bei Buchhändlern und Druckern, regelrechte
Dynastien herausgebildet, die nicht selten über
mehrere Generationen reichten. Die Entwicklung der Buchillustration
wird durch einige Titelkupfer und Darstellungen präsentiert,
die teils der prachtvollen Dekoration, teils der Erläuterung
und Belehrung dienten. Und selbst die Anfänge des
Übersetzens antiker Texte ins Deutsche werden angedeutet.
Insgesamt belegt die Ausstellung, dass die Bemühung
um die Überlieferung, Erklärung und Verbreitung
römischer Literatur seit dem 16. Jahrhundert –
mit ihren Schwerpunkten in Frankreich, Italien, den
Niederlanden, England und Deutschland – ein gesamteuropäisches,
zumindest westeuropäisches Phänomen war.
Die ausgestellten Bände aus dem Bestand des Seminars
für Klassische Philologie der RUB werden durch
Leihgaben aus einer Privatsammlung ergänzt. Prof.
Gerhard Binder, Emeritus für römische Literatur
und Altertumskunde sowie derzeitiger Vorsitzender des
Vereins „Freunde der antiken Studien an der Ruhr-Universität“,
hat die Ausstellung konzipiert und den begleitenden
Katalog verfasst. Info: Sonderausstellung „Alte
Ausgaben alter Autoren“, 1.11.07-15.01.08, Kunstsammlungen
der RUB, geöffnet Di-Fr 11-17 h; Sa/So und feiertags
11-18 h, Eintritt frei.
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