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RUBENS 118

28. September 2007

12 Mio. für die Geisteswissenschaften

Bochumer Forscher möchten eine Theorie des Religionstransfers erarbeiten


So viel Geld auf einmal gab es wohl noch nie für ein geisteswissenschaftliches Forschungsprojekt an der Ruhr-Universität Bochum. Rund zwölf Mio. Euro bekommen Bochumer Forscher vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) für das Internationale Kolleg „Dynamiken der Religionsgeschichte zwischen Asien und Europa“. Eine internationale Gutachtergruppe hat im September das Bochumer und zwei weitere Projekte aus einer Vielzahl von Bewerbern um die Förderinitiative „Freiraum für die Geisteswissenschaften“ ausgewählt. Los geht es 2008 für zunächst sechs Jahre. Dann lässt das BMBF evaluieren und fördert bestenfalls weitere sechs Jahre.

„Den Orient“ gibt es ebenso wenig wie „das christliche Abendland“. Solche Kampfbegriffe sind immer konstruiert und werden politisch eingesetzt. Die geopolitischen Folgen dieser Konfrontation sind kulturell und religiös bedingte Konflikte in allen Teilen der Welt. Sie finden ihren Ausdruck in der These vom „clash of civilizations“ (Kampf der Kulturen), die Samuel P. Huntington Ende der 90er-Jahre aufstellte. „Wir wollen die Konfliktdimension nicht außer Acht lassen. Allerdings waren und sind Europa und Asien weder homogene Größen, noch entwickelten sie sich ohne wechselseitige Beeinflussung“, erklärt Prof. Dr. Volkhard Krech (Lehrstuhl für Religionswissenschaft), der das Kolleg koordiniert. „Was sich heute unter dem Stichwort Globalisierung an weltumspannenden Bezügen zeigt, begann bereits in der Entstehungsphase der großen kulturellen und religiösen Traditionsgeflechte.“

Jenseits von Klischees und Ideologien

Jenseits von Klischees und Ideologien wollen die Forscher im Kolleg die Entstehung und Entwicklung der religiösen Traditionen Eurasiens in ihrer Differenzierung, aber auch in ihrer Verflechtung untersuchen. „Unsere Ausgangsthese besteht darin, dass sich die religiösen Traditionsgeflechte im wechselseitigen Kontakt miteinander bilden, etablieren und weiterentwickeln“, sagt Prof. Krech. „Ziel unserer Arbeit ist es, auf der Basis einer Typologie der Religionskontakte zwischen Adaption und Abgrenzung eine Theorie des Religionstransfers zu erarbeiten, die auch für die allgemeine Kulturtransfertheorie von Bedeutung ist. Darüber hinaus möchten wir zu einer gesellschaftlichen Diskussion über die gegenseitige Anerkennung von religiösen Richtungen beitragen.“
Das Projekt gliedert sich in vier Schwerpunkte: Verdichtung ethischer und religiöser Traditionsgeflechte, Kontakte während ihrer Ausbreitung und Diversifizierung, die Herausbildung des Begriffs „Religion“ und die Entwicklung religiöser Grundbegriffe in interkultureller Perspektive sowie Religion und ihre Reflexion im Zeitalter von Kolonialismus und Globalisierung. Um die historische und die gegenwartsorientierte Perspektive zu verschränken, bearbeiten die Forscher jeweils zwei der vier Schwerpunkte in einer Phase gemeinsam. Sie werden anhand von philologischen und historischen Studien Vergleichskriterien entwickeln, mit deren Hilfe Unterschiede und Gemeinsamkeiten religiöser Traditionen herausgearbeitet werden können.
Das „Format“ des internationalen Kollegs wurde zum „Jahr der Geisteswissenschaften“ ausgeschrieben. Der Antrag der RUB ist aus Vorarbeiten des Center for Religious Studies (CERES) hervorgegangen, das als organisatorisches Dach für religionsbezogene Forschungen und den Studiengang Religionswissenschaft dient. CERES ist auch Bestandteil des Zukunftskonzepts im Rahmen der Exzellenzinitiative der RUB.
Die internationalen Kollegiaten sollen aus mehreren Disziplinen kommen: Religionswissenschaft, Evangelische und Katholische Theologie, Islamwissenschaft, Japanologie, Koreanistik, Sinologie, Indologie, Judaistik, Gräzistik, Latinistik, Geschichtswissenschaft und Philosophie. Zehn internationale Fellows pro Jahr, zehn Post-Docs und zweimal zehn Doktoranden sollen in das Kolleg aufgenommen werden, um gemeinsam mit den beteiligten Wissenschaftlern der RUB vor Ort forschen zu können.

Infos: http://www.rub.de/relwiss.



md
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Letzte Änderung: 28.9.2007| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik