Zufällige Nachbarn
Eine Studentin aus Palästina und ein Student aus
Israel sind zeitgleich zu Gast an der Ruhr-Uni
Wenn eine Palästinenserin und ein Israeli
an einem Bochumer Lehrstuhl ein paar Wochen lang Tür
an Tür lernen und forschen, malt man sich automatisch
Szenarien aus, positive wie negative. Letztlich jedoch
ist die zufällige Nachbarschaft allein vom Arbeitsalltag
bestimmt.
Sie lobt die angenehme Atmosphäre und die gute
Unterstützung durch die Uni, er das selbstständige
Arbeiten im Labor und die tolle Organisation. Das ist
das Hauptergebnis eines besonderen Aufenthaltes zweier
ausländischer Studenten an der Ruhr-Uni: Raghid
Nidal Sabri studiert an der Birzeit University bei Ramallah
Wasser- und Umwelttechnik, Edo Guttman an der Hebrew
University in Jerusalem Umweltwissenschaft. Sie sind
zwei von 14 Studenten aus Israel und Palästina,
die in diesem Herbst an Kurzzeit-Stipendienprogrammen
teilnehmen.
Raghid Sabri wollte vor allem das deutsche Bildungssystem
kennen lernen, sie hat aber auch Kurse zu ihrem Studienschwerpunkt
besucht. Da sie an ihrer Heimatuniversität hauptsächlich
erforscht, wie man verbrauchtes Wasser aufbereiten und
neu nutzen kann, hat sie bei einer Summer School an
Seminaren zum Thema „Water Management“ teilgenommen.
Auch Edo Guttman hatte ein konkretes, wenn auch anderes
wissenschaftliches Ziel: Er hat seine israelischen Bodenproben
im Bochumer Labor mit neuen Tests auf ihre Bestandteile
wie Bakterienkonzentration hin untersucht und so die
Forschungen für seine Masterarbeit vorangetrieben.
Völkerverständigung war da wohl ein eher sekundäres
Ziel, denn trotz der gemeinsamen Fakultät und des
gemeinsamen Betreuers Prof. Bernd Marschner haben beide
an ihren eigenen Untersuchungen gearbeitet und so eher
neben- als miteinander geforscht. Dennoch war die Arbeit
für beide effektiv und erfolgreich. Auch neben
der Uni hatten beide ausreichend Freizeit. Guttman erzählt,
dass er Freunde aus Israel in Köln und Koblenz
besucht hat, die an den dortigen Universitäten
ein Auslandssemester absolvieren.
Zwei Stipendienprogramme
Das Stipendienprogramm zwischen Israel und NRW existiert
seit 2004 und wurde kürzlich bis 2008 verlängert.
Nach gleichem Vorbild entstand 2006 das Programm zwischen
Palästina und NRW. Projektträger ist in beiden
Fällen das Wissenschaftszentrum NRW. Ziel ist es,
Studierenden den Zugang zur deutschen Forschungslandschaft
zu erleichtern und sie bei ihren wissenschaftlichen
Untersuchungen für Abschlussarbeiten zu unterstützen.
Um ihnen einen problemlosen Aufenthalt zu gewährleisten,
standen für Guttman und Sabri bei ihrer Ankunft
in Bochum Unterkünfte sowie Studierendenausweise
mit Fahrtickets zur Verfügung. Guttman wohnt im
Haus der Nationen, Sabri im Studentenwohnheim am Unicenter.
Entsprechend ihrer Studienfächer erklärte
sich Prof. Marschner (Fakultät für Geowissenschaften,
Bereich Bodenökologie) bereit, als Betreuer und
Ansprechpartner zu fungieren. Da Marschner bereits seit
längerem Forschungsbeziehungen nach Israel unterhält,
war es für Edo Guttman schnell klar, dass er an
die RUB kommen möchte – ist doch Prof. Marschners
Forschungspartner gleichzeitig Guttmans betreuender
Professor an der Hebrew University. Auch für Raghid
Nidal Sabri war die Wahl der Universität einfach:
Die RUB bot als einzige Hochschule in NRW Forschungsbereiche
zu „Water Engeneering“ an, die für
ihr Studium in Frage kamen. Das heißt aber auch:
Hinter dem gemeinsamen Aufenthalt der beiden am Arbeitsbereich
Bodenkunde stecken reine Sachzwänge.
Julia
Brosig
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