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RUBENS 118

28. September 2007

Abstrakter Picknickplatz

Durch die Situation Kunst werden nun auch Schulklassen geführt

Ein rechteckiger Raum, ohne Einrichtung, rohe weiße Wände, Betonboden, in der Decke ein Oberlicht. Völlige Kahlheit, nahe am Nichts. Unterbrochen wird die Leere nur durch 16 knallig orange leuchtende Neonröhren, je zwei Meter lang, am Boden oder an den Wänden befestigt, scheinbar ohne Struktur zueinander angeordnet. Ist das Kunst? Nur weil ein namhafter Künstler (François Morellet) es geschaffen und der Sache einen Namen („16 Kreisbögen“) gegeben hat? Und weil es ausgestellt ist?
Es ist keine neue Erkenntnis, dass der Zugang zu moderner Kunst oft erst mühsam gesucht werden muss. Das Lächeln der Mona Lisa erreicht uns unmittelbar, die fettverschmierte Badewanne nur auf Umwegen. Bisweilen bedarf dabei es der Hilfe von Kunsthistorikern. Sie führen durch Museen und wissen alles über Künstler, Kunstwerke, Kunstrichtungen und Epochen. Und sie wissen, dass man nicht früh genug damit anfangen kann, Laien die Kunst näher zu bringen.

Kein Wahr oder Falsch

Beim Projekt des Kunstgeschichtlichen Instituts der Ruhr-Uni (KGI) sind sowohl die Kunsthistoriker jung als auch die Laien. Die Studentinnen Maria Schulte und Anja Lapac haben ein Konzept für Schulführungen entwickelt, das ab Herbst zum festen Programm der Situation Kunst gehört. Die Studentinnen begleiten die Schüler eine Stunde lang durch die Anlage im Schlosspark Weitmar, die eine Sammlung renommierter Gegenwartskünstler beherbergt. Sie ermutigen die Schüler, sich unvoreingenommen über Kunst zu äußern und ihrer eigenen Wahrnehmung zu vertrauen. „Es gibt kein Wahr oder Falsch in der eigenen Wahrnehmung. Gerade die eigenen, unmittelbaren Eindrücke führen oft zum Verständnis“, erklärt Maria Schulte.
Die geringe Altersdifferenz zwischen Schülern und Vermittlern soll zu einer entspannten Atmosphäre beitragen. Auf den für die Schülerführungen eigens ausgebreiteten Sitzkissen möchten Schulte und Lapac keine Monologe halten, sondern Gespräche führen, „um dabei auch von den Schülern zu lernen“, sagt Anja Lapac. „Gerade die Jüngeren sind offen für Abstraktes, ihr Kunstverständnis ist noch nicht festgelegt.“
Wenn die Schüler schließlich Morellets Kreisbögen betrachten, sollten sie ein Zitat des Künstlers im Kopf haben: „Meine Arbeiten sind ein Picknickplatz, wohin jeder im Rucksack seine eigenen Erfahrungen mitbringt.“

Infos kompakt
Unterstützt wird das Projekt „Schulführungen“ durch das Bochumer Schulamt sowie vom Förderverein Situation Kunst. Schirmherrin ist Oberbürgermeisterin Dr. Ottilie Scholz. Über 20 Bochumer Schulen beteiligen sich zunächst. Die Führung kostet 1 Euro pro Schüler.
Situation Kunst (für Max Imdahl), zugleich Teil der Kunstsammlungen der RUB, Nevelstraße 29c (im Parkgelände von Haus Weitmar), 0234-2988901, geöffnet Mi & Fr 14-18, Sa & So 12-18 h, Führungen sind auch außerhalb der Öffnungszeiten möglich; mehr: http://www.situation-kunst.de
Noch bis zum Dezember läuft die aktuelle Sonderausstellung „Dinge“, die Stillleben aus dem 17. Jahrhundert im Dialog mit Werken aus dem 20. Jahrhundert präsentiert.





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Letzte Änderung: 28.9.2007| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik