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RUBENS 117

29. Juni 2007

Tausch und Täuschung



Serie Campus & Kunst


Mit der Kunst am Bau ist das so eine Sache. Manchmal verursacht sie einen öffentlichen Skandal und manchmal lediglich Desinteresse. Das gilt zum Teil auch für die Kunst an der Ruhr-Universität. Die Serie „Kunst & Campus“ will Interesse wecken und zeigen, dass die Kunstwerke an der RUB einen fantastischen Querschnitt durch verschiedene Kunstrichtungen der 60er- und 70er-Jahre bieten. Diesmal widmen wir uns dem Werk von Josef Albers.


An den äußeren Stirnwänden der Hörsäle HGA 10 und HGC 10 finden sich zwei Arbeiten des international anerkannten Künstlers. Beide gehören in den Bereich der sog. Op-Art. Sie scheinen an der Universität gut platziert zu sein, denn Op-Art kann auch als verbildlichte Wissenschaft gesehen werden, dessen erklärtes Ziel die Erforschung der Wirkung des Bildes auf den Betrachter ist.
Mit seinen Forschungen über Linie und Farbe sowie den Grafiken auf Grundlage von optischen Täuschungen gehört der 1888 in Bottrop geborene Albers neben Victor Vasarely zu den Begründern der Op-Art. Hierbei handelt es sich um eine Stilrichtung der Malerei, die als Strömung bereits in den 50er-Jahren entstand, ihren Namen aber erst in den 60er-Jahren durch einen Zeitungsartikel erhielt. Erklärtes Ziel war, durch Verwendung von geometrisch abstrakten Form- und Farbmustern im Auge des Betrachters Bewegungs- und Flimmereffekte hervorzurufen, die zu optischen Täuschungen führen können.
Aus dem Gesamtwerk des Künstlers wählte die Gutachterkommission für die künstlerische Ausgestaltung der Ruhr-Universität, vertreten durch die Architekten und Max Imdahl, zusammen mit Josef Albers im Jahre 1971 zwei seiner Grafiken aus. Als einziger Künstler, und auf seinen ausdrücklichen Wunsch hin, verzichtete er auf sein Honorar. Nach Albers Wunsch sollten die Grafiken ursprünglich auf Marmorplatten und mit Linien in Blattgold ausgeführt werden, worauf aber aus Kostengründen verzichtet werden musste. Die Umsetzung der Motive erfolgte schließlich auf verleimten Tischlerplatten, die mit einer weißen Kunststoffbeschichtung überzogen wurden. Dabei wurden die Linien der Grafiken negativ versenkt und schwarz unterlegt. Diese Ausführung entsprach durch ihre Exaktheit am ehesten der Strenge der künstlerischen Darstellung.

factual act, actual fact

Die Grafik „Interim“ im HGA besteht ausschließlich aus horizontalen und vertikalen Linien, wobei die Linie als eindimensionales Element dreidimensionale, abstrakte Raum- und Volumenillusionen entstehen lässt. Die zahlreichen eng aneinander gesetzten parallelen Linien erzeugen im Auge des Betrachters ein Flimmern. Weiterhin scheint das optische Gebilde aus räumlichen Tiefen und Höhen zu bestehen, wobei durch die breiteren Linien eine Entfernung suggeriert wird.
Die vordere Ansicht der Grafik „Figuration“ im HGC wird aus Rhomben gebildet, und die schrägen und parallelen Linien erzeugen im Auge des Betrachters eine räumliche Figur. Wie bei einem Umkehrbild springt das Auge zwischen Vorder- und Hintergrund hin und her. Beim Versuch, die Figur nachzuvollziehen, bemerkt der Betrachter die Unmöglichkeit der Figur in der Realität.
Die Arbeiten von Josef Albers sind als eine Demonstration der Differenz zwischen dem „factual act“, also der objektiv faktischen Bildgegebenheit, und dem „actual fact“, der Möglichkeit der Bilderfahrung, zu verstehen. Das Ziel ist eine Bildwahrnehmung ohne Hierarchie von Anfang und Ende mit den wichtigsten Inhalten: Tausch und Täuschung. Es handelt sich immer um Linienkonstrukte, die Mehrfachformen bilden und somit die Möglichkeit zur Mehrdeutung bieten. Die Unmöglichkeit, weder Figur noch Gegenfigur fassen zu können, liegt darin begründet, dass sich beide Formen, indem sie sich durchdringen, gegenseitig fragmentieren. Dieser Bruch passiert genau da, wo eine Linie nicht eindeutig der einen oder anderen Figur zugewiesen werden kann, sondern von beiden in Anspruch genommen wird. Max Imdahl bezeichnete die Grafiken Josef Albers´ als „ein visuelles Erklärungsmodell für das Verhältnis zwischen Zusammenhang und Unzusammenhang“.



Alexandra Apfelbaum, Universitätsarchiv
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Letzte Änderung: 29.6.2007| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik