Paradoxe
Langeweile
Medienwissenschaftler erproben einen Mix aus Seminar
und Tagung
Die Plakate hängen in Aufzügen, an Türen
oder Schwarzen Brettern: Einladungen zu Ringvorlesungen,
Tagungen und Workshops. Diese Veranstaltungen erweitern
nicht einfach nur das Spektrum der universitären
Angebote, sie sind als Blick über den Tellerrand,
als Präsentation und Repräsentation von Forschung
Teil des akademischen Selbstverständnisses.
Weniger selbstverständlich ist es, wenn Studierende
daran teilnehmen oder mitarbeiten. Schließlich
sind diese Veranstaltungen nur selten in Seminare eingebunden.
Eine Ausnahme gab es im vergangenen Semester, als ein
Seminar mit einer wissenschaftlichen Tagung verknüpft
wurde: Bei den „Paradoxien der Langeweile“
arbeiteten das Graduiertennetzwerk „kooperative
m“ und das Institut für Medienwissenschaft
zusammen. „Langweile als subjektives, diskursives,
gesellschaftliches und mediales Phänomen, präsentiert
von Kultur- und Medienwissenschaftlern aus ganz Deutschland“,
hieß es dazu in der Ankündigung.
Los ging es mit einer Blockveranstaltung, dort wurden
die etwa 30 Studierenden für das Thema sensibilisiert:
Phänomene, Begriffsgeschichte, mediale und kulturelle
Aspekte der Langeweile. Es folgte die Tagung, die von
konkreten Beispielen geprägt war: Darstellung kindlichen
Zeitempfindens im Film, Langeweile in der Architektur
etc. Die Teilnahme an der Tagung war für die Studierenden
verbindlich und wurde kreditiert. Den Abschluss des
Seminars bildete ein weiterer Block.
Kreditierte Teilnahme
Eine Kombination aus Seminar und Tagung bietet zunächst
einmal die Chance, Inhalte aus erster Hand vermittelt
zu bekommen. Themen und Ideen werden in den Personen
lebendig, die sie vertreten – und auf direkte
Weise befragbar. Doch sich als Studierende an den Fragerunden
oder Diskussionen zu beteiligen ist nicht leicht. Das
liegt weniger an der Zurückhaltung der Studierenden
als im Charakter der Tagung, ihren sprachlichen und
sozialen Codes. „Dass man mit dem spezifischen
Milieu auf Tagungen, dem Habitus der Protagonisten,
der Art, wie hier gesprochen wird, überhaupt erst
einmal in Kontakt gerät“, war für Thomas
Waitz (kooperative m) Teil des Konzeptes. Die Tagung
war nicht als didaktische Veranstaltung auf die Studierenden
zugeschnitten, sondern typische Plattform eines wissenschaftlichen
Diskurses. „Nicht alle Themen konnten mit dem
Stoff des Seminars verbunden werden“, bemerkt
Pierre Kemper, einer der teilnehmenden Studenten. Auch
ihn irritierte die Distanz zum akademischen Stil der
zehn beteiligten Wissenschaftler/innen.
Doch trotz mancher Kritik an Umfang und Dauer der Tagung
oder an einzelnen Vorträgen überwog am Ende
das positive Echo – bei den Studierenden und beim
Veranstalter. Zudem hinterließen die Studierenden
bei den Vortragenden einen positiven Eindruck: In den
Kaffeepausen diskutierten sie oft angeregt über
Rückfragen oder Anmerkungen der Studierenden.
Uwe
Wippich
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