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RUBENS 117

29. Juni 2007

Paradoxe Langeweile


Medienwissenschaftler erproben einen Mix aus Seminar und Tagung



Die Plakate hängen in Aufzügen, an Türen oder Schwarzen Brettern: Einladungen zu Ringvorlesungen, Tagungen und Workshops. Diese Veranstaltungen erweitern nicht einfach nur das Spektrum der universitären Angebote, sie sind als Blick über den Tellerrand, als Präsentation und Repräsentation von Forschung Teil des akademischen Selbstverständnisses.


Weniger selbstverständlich ist es, wenn Studierende daran teilnehmen oder mitarbeiten. Schließlich sind diese Veranstaltungen nur selten in Seminare eingebunden. Eine Ausnahme gab es im vergangenen Semester, als ein Seminar mit einer wissenschaftlichen Tagung verknüpft wurde: Bei den „Paradoxien der Langeweile“ arbeiteten das Graduiertennetzwerk „kooperative m“ und das Institut für Medienwissenschaft zusammen. „Langweile als subjektives, diskursives, gesellschaftliches und mediales Phänomen, präsentiert von Kultur- und Medienwissenschaftlern aus ganz Deutschland“, hieß es dazu in der Ankündigung.
Los ging es mit einer Blockveranstaltung, dort wurden die etwa 30 Studierenden für das Thema sensibilisiert: Phänomene, Begriffsgeschichte, mediale und kulturelle Aspekte der Langeweile. Es folgte die Tagung, die von konkreten Beispielen geprägt war: Darstellung kindlichen Zeitempfindens im Film, Langeweile in der Architektur etc. Die Teilnahme an der Tagung war für die Studierenden verbindlich und wurde kreditiert. Den Abschluss des Seminars bildete ein weiterer Block.

Kreditierte Teilnahme

Eine Kombination aus Seminar und Tagung bietet zunächst einmal die Chance, Inhalte aus erster Hand vermittelt zu bekommen. Themen und Ideen werden in den Personen lebendig, die sie vertreten – und auf direkte Weise befragbar. Doch sich als Studierende an den Fragerunden oder Diskussionen zu beteiligen ist nicht leicht. Das liegt weniger an der Zurückhaltung der Studierenden als im Charakter der Tagung, ihren sprachlichen und sozialen Codes. „Dass man mit dem spezifischen Milieu auf Tagungen, dem Habitus der Protagonisten, der Art, wie hier gesprochen wird, überhaupt erst einmal in Kontakt gerät“, war für Thomas Waitz (kooperative m) Teil des Konzeptes. Die Tagung war nicht als didaktische Veranstaltung auf die Studierenden zugeschnitten, sondern typische Plattform eines wissenschaftlichen Diskurses. „Nicht alle Themen konnten mit dem Stoff des Seminars verbunden werden“, bemerkt Pierre Kemper, einer der teilnehmenden Studenten. Auch ihn irritierte die Distanz zum akademischen Stil der zehn beteiligten Wissenschaftler/innen.
Doch trotz mancher Kritik an Umfang und Dauer der Tagung oder an einzelnen Vorträgen überwog am Ende das positive Echo – bei den Studierenden und beim Veranstalter. Zudem hinterließen die Studierenden bei den Vortragenden einen positiven Eindruck: In den Kaffeepausen diskutierten sie oft angeregt über Rückfragen oder Anmerkungen der Studierenden.



Uwe Wippich
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Letzte Änderung: 29.6.2007| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik