Auf Tauchstation
Biologiestudierende erforschen Korallenriffe im Roten
Meer
Nicht viele Studierende bekommen im Studium die „Oasen
in den Wüsten der Meere“ zu sehen. Im Mai hatten
jedoch 23 Biologiestudierende der Ruhr-Universität
diese einmalige Gelegenheit: Auf Tauchgängen untersuchten
sie 14 Tage lang die faszinierende Welt der Korallenriffe
im Roten Meer.
Korallenriffe werden oft als „Oasen in der Wüste
des Meeres“ bezeichnet. Dieses Bild beschreibt die
hohe Diversität, den Farben- und Formenreichtum in
den sonst nährstoffarmen Meeresgebieten. Korallenriffe
sind als Resultat der Beziehung zwischen Korallen und
ihren symbiontischen Algen die größten biogen
entstandenen Strukturen und neben den Regenwäldern
die artenreichsten Ökosysteme der Erde.
Prof. Dr. Ralph Tollrian (Evolutionsökologie und
Biodiversität der Tiere) ermöglichte 23 seiner
Studierenden, diesen einzigartigen Lebensraum mit eigenen
Augen zu sehen. Das Motto ihrer 14-tägigen Exkursion
im Sommersemester lautete „Ökologie und Biodiversität
der Korallenriffe“. Ziel der Reise war die Sinai-Halbinsel
(Ägypten).
Bei ihren Tauchgängen zu den Korallenriffen im Roten
Meer erlebten die Biologen nicht nur eine spektakuläre
Unterwasserwelt. Sie studierten zudem viele generelle
Funktionen und Zusammenhänge von Ökosystemen
und die Anpassungen der Organismen. Die Region des Sinai
erwies sich als ideal für die Exkursion. Neben den
Korallenriffen, die zu den spektakulärsten der Welt
gehören, besuchte die Gruppe die Mangrovenökosysteme,
die Wüste und das Gebirge des Sinai.
Fortsetzung folgt
Eine solche Expedition, bei der Studierende offiziell
tauchen dürfen und dabei versichert sind, sei seines
Wissens einzigartig in Deutschland, so Prof. Tollrian.
Andere Universitäten würden höchstens
Schnorchelexkursionen anbieten. Durch die enge Zusammenarbeit
mit dem Hochschulsport der RUB konnten die Studierenden
vorher günstig den notwendigen Tauchschein erwerben.
Als Hauptsponsor stellte die Firma Mares kostenlos Tauchausrüstungen
zur Verfügung. Condor/Thomas Cook erklärte
sich bereit, die umfangreiche biologische Forschungsausrüstung
kostenfrei zu transportieren.
Die Studenten arbeiteten täglich von morgens bis
in die Nacht und absolvierten in dieser Zeit zwei bis
drei Tauchgänge. Teilweise tauchten sie sogar bei
Dunkelheit, um nachtaktive Organismen zu studieren.
Nach den Tauchgängen traf sich die Gruppe zu weiterführenden
Vorträgen und Diskussionen. Dabei profitierten
die Studenten von den theoretischen, im vorher stattfindenden
Seminar erworbenen Kenntnissen.
Da ein Korallenriff sehr viele für Biologen interessante
Aspekte bietet, wurde die Erforschung mit Hilfe von
Projekten gegliedert, die jeweils von allen Studierenden
bearbeitet wurden. Die Projekte lenkten den Blick jeweils
auf einzelne Teilaspekte und vermittelten aktuelle Arbeitsmethoden.
Ralph Tollrian, der schon in München Exkursionen
dieser Art angeboten hat, war am Ende begeistert. „Die
Studenten arbeiteten sehr gut mit, auch als Team. Alle
haben die Abschlussklausur gut bestanden.“ Insgesamt
sei das Ganze so positiv verlaufen, dass der Biologe
die nächste Exkursion für das kommende Jahr
plant. „Die Ruhr-Universität bietet den Studenten
die nötige Infrastruktur, um Exkursionen dieser
Art langfristig zu etablieren.“
Kathrin
Beckert
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