Thriller mit Tempo
RUB-Mitglied Theo Poitner legt neuen Krimi
vor
Man schielt ja so gerne nach Skandinavien, Großbritannien
oder Amerika, wenn es um gute Krimis geht. Dabei liegt
das Glück oft genau vor der Tür. Vor allem dem
Dortmunder Grafit-Verlag ist es zu verdanken, dass die
mörderischen Ideen heimischer Schreiberinnen und
Schreiber unters Volk kommen. Es wird sozusagen direkt
nebenan erschossen, erstochen, erwürgt oder vergiftet;
bisweilen wird sogar die eigene Straße zum Tatort.
Ganz vorn dabei beim Erfinden böser Verbrecher ist
ein Kollege, den wir als solchen bezeichnen können,
weil er im Westfälischen Zentrum für Psychiatrie
arbeitet, einem Teil des Klinikums der Ruhr-Universität:
Theo Pointner. Er hat die hübsche und zugleich harte
Kriminalkommissarin Katharina Thalbach erfunden, die seit
Ende der 90er-Jahre in Bochum ermittelt.
Ihr aktueller Fall hat es mal wieder in sich: Eine 38-jährige
Grundschullehrerin (Typ „Alte Jungfer“) wird
ausgerechnet in einem Swinger-Club tot aufgefunden. Sie
wurde vergiftet. Besonders bizarr: Das pflanzliche Gift
wurde beim Geschlechtsakt übertragen, direkt in die
Vagina. Vom Täter natürlich keine Spur, ebenso
wenig vom Motiv.
Und dann auch noch das: Im brandenburgischen Strausberg
geschieht in derselben Nacht ebenfalls ein äußerst
ungewöhnlicher Frauenmord, auch hier spielt Sex eine
wesentliche Rolle, allerdings ist der Tatort ein Leichenwagen.
Der dortige Kommissar Rocco Daubitz (was für ein
herrlich ostdeutscher Name!) ist nebenbei Computerfreak
und kann mit Hilfe kleiner Hackereien eine Verbindung
zwischen den beiden Verbrechen herstellen. Da beide Morde
zeitgleich verübt wurden, ist klar, dass man es auch
mit zwei Mördern zu tun haben muss.
Flotter als Wallander
Zeugenbefragungen hüben wie drüben ergeben,
dass beide Mordopfer gerne in diversen Chatrooms im
Internet unterwegs waren. Eine erste heiße Spur.
Doch als Thalbach und Daubitz die Computer der Opfer
untersuchen wollen, erleben sie böse Überraschungen.
Der eine Computer verschlüsselt alle Daten hinter
einem offenbar nicht zu knackenden Code, der andere
vernichtet sämtliche Dateien komplett.
Die Kommissare haben es offenbar mit echten Computerexperten
zu tun. Da reichen weder Daubitz’ Hobby-Kenntnisse
noch die der polizeilichen Experten. Ein richtiger Hacker
muss her. Ihn findet Thalbach auf der Hallig Hooge.
Nun beginnt die Jagd auf die Mörder: virtuell und
real. Und die Suche sollte schnell beendet sein, denn
schon werden sowohl in Bochum als auch in Strausberg
die nächsten Leichen gefunden ...
Spätestens hier zeigt sich, dass Pointners Krimi
nicht nur stetig an Tempo zunimmt, sondern auch echte
Thrillerqualitäten besitzt. Denn: Aus den Jägern
werden bald Gejagte – bzw. Figuren eines perfiden
Spiels, bei dem es natürlich genau um das geht,
was schon der Titel verspricht: den „Highscore“.
Und ganz ehrlich: Um all das herauszufinden, hätte
beispielsweise der schwedische Kollege Kurt Wallander
mindestens doppelt so lange (sprich: doppelt so viele
Seiten) gebraucht wie das sympathische und authentische
Ost-West-Duo Thalbach/Daubitz. Und ein derart überraschendes
wie verstörendes Ende hätte sich anderswo
auch kaum ergeben.
Info: Theo Pointner:
„Highscore“, Kriminalroman, Grafit-Verlag
2007, 350 Seiten, 9,95 Euro.
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