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RUBENS 117

29. Juni 2007

Thriller mit Tempo



RUB-Mitglied Theo Poitner legt neuen Krimi vor


Man schielt ja so gerne nach Skandinavien, Großbritannien oder Amerika, wenn es um gute Krimis geht. Dabei liegt das Glück oft genau vor der Tür. Vor allem dem Dortmunder Grafit-Verlag ist es zu verdanken, dass die mörderischen Ideen heimischer Schreiberinnen und Schreiber unters Volk kommen. Es wird sozusagen direkt nebenan erschossen, erstochen, erwürgt oder vergiftet; bisweilen wird sogar die eigene Straße zum Tatort.
Ganz vorn dabei beim Erfinden böser Verbrecher ist ein Kollege, den wir als solchen bezeichnen können, weil er im Westfälischen Zentrum für Psychiatrie arbeitet, einem Teil des Klinikums der Ruhr-Universität: Theo Pointner. Er hat die hübsche und zugleich harte Kriminalkommissarin Katharina Thalbach erfunden, die seit Ende der 90er-Jahre in Bochum ermittelt.
Ihr aktueller Fall hat es mal wieder in sich: Eine 38-jährige Grundschullehrerin (Typ „Alte Jungfer“) wird ausgerechnet in einem Swinger-Club tot aufgefunden. Sie wurde vergiftet. Besonders bizarr: Das pflanzliche Gift wurde beim Geschlechtsakt übertragen, direkt in die Vagina. Vom Täter natürlich keine Spur, ebenso wenig vom Motiv.
Und dann auch noch das: Im brandenburgischen Strausberg geschieht in derselben Nacht ebenfalls ein äußerst ungewöhnlicher Frauenmord, auch hier spielt Sex eine wesentliche Rolle, allerdings ist der Tatort ein Leichenwagen. Der dortige Kommissar Rocco Daubitz (was für ein herrlich ostdeutscher Name!) ist nebenbei Computerfreak und kann mit Hilfe kleiner Hackereien eine Verbindung zwischen den beiden Verbrechen herstellen. Da beide Morde zeitgleich verübt wurden, ist klar, dass man es auch mit zwei Mördern zu tun haben muss.

Flotter als Wallander

Zeugenbefragungen hüben wie drüben ergeben, dass beide Mordopfer gerne in diversen Chatrooms im Internet unterwegs waren. Eine erste heiße Spur. Doch als Thalbach und Daubitz die Computer der Opfer untersuchen wollen, erleben sie böse Überraschungen. Der eine Computer verschlüsselt alle Daten hinter einem offenbar nicht zu knackenden Code, der andere vernichtet sämtliche Dateien komplett.
Die Kommissare haben es offenbar mit echten Computerexperten zu tun. Da reichen weder Daubitz’ Hobby-Kenntnisse noch die der polizeilichen Experten. Ein richtiger Hacker muss her. Ihn findet Thalbach auf der Hallig Hooge. Nun beginnt die Jagd auf die Mörder: virtuell und real. Und die Suche sollte schnell beendet sein, denn schon werden sowohl in Bochum als auch in Strausberg die nächsten Leichen gefunden ...
Spätestens hier zeigt sich, dass Pointners Krimi nicht nur stetig an Tempo zunimmt, sondern auch echte Thrillerqualitäten besitzt. Denn: Aus den Jägern werden bald Gejagte – bzw. Figuren eines perfiden Spiels, bei dem es natürlich genau um das geht, was schon der Titel verspricht: den „Highscore“.
Und ganz ehrlich: Um all das herauszufinden, hätte beispielsweise der schwedische Kollege Kurt Wallander mindestens doppelt so lange (sprich: doppelt so viele Seiten) gebraucht wie das sympathische und authentische Ost-West-Duo Thalbach/Daubitz. Und ein derart überraschendes wie verstörendes Ende hätte sich anderswo auch kaum ergeben.

Info: Theo Pointner: „Highscore“, Kriminalroman, Grafit-Verlag 2007, 350 Seiten, 9,95 Euro.


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