Ruhr-Universität Bochum zur Navigation zum Inhalt Startseite der RUB pix
Startseite UniStartseite
Überblick UniÜberblick
A-Z UniA-Z
Suche UniSuche
Kontakt UniKontakt

pix
 
Das Siegel
Naturwissenschaften Ingenieurwissenschaften Geisteswissenschaften Medizinische Einrichtungen Zentrale Einrichtungen
pix
RUBENS - Zeitschrift der RUB
RUBENS- Startseite

Lesen
Aktuelle Ausgabe
Archiv
¤Ausgabe Nr. 117
  ¤Artikel
pdf-Dateien

Service & Kontakt
Mediadaten
Redaktion
E-Mail Service
Kontakt

Volltextsuche
pix RUBENS - Zeitschrift der Ruhr-Universität
Nachrichten, Berichte und Meinungen
 
 
 
    
pix
Artikel » Ausgabe 117 »Archiv » RUBENS » Pressestelle » Ruhr-Universität
pix pix
RUBENS 117

29. Juni 2007

Ausnahmsweise ohne Uniform



Chinesische Polizistin studiert Kriminologie an der RUB


Wer Liyuan Fu nicht persönlich kennt, könnte sich durchaus ein muskulöses Mannweib vorstellen: Die 33-jährige Chinesin hat sich als Polizistin in ihrer Heimat und im Auslandseinsatz im Kosovo derart hervorgetan, dass sie unter 100 Bewerbern eines der nur neun „Bundeskanzler-Stipendien“ ergattert hat, das Chinesen einen Studienaufenthalt in Deutschland ermöglicht. Seit Februar 2007 absolviert sie den Masterstudiengang Kriminologie an der RUB. Eine Frau also, die mit allen Wassern gewaschen ist. Als sie zierlich und mit mädchenhafter Ponyfrisur in der Tür ihres Wohnheims am Spechtsweg steht und freundlich lacht, sieht sie allerdings ganz und gar nicht danach aus.

Zur Polizei sei sie über einen Umweg gekommen, erklärt sie in flüssigem Deutsch, das sie erst vor einem guten halben Jahr zu lernen begonnen hat. Früher, zur Zeit ihres Schulabgangs („Ich bin ja schon so alt!“, lacht sie), habe man in China anders als heute keine Wahl gehabt, was man studieren wolle. Man wurde einfach zugeteilt, je nachdem welche Berufsgruppen der Staat gerade brauchte. So studierte sie gezwungenermaßen Ingenieurwesen, was ihr wenig gefiel.
Nach dem Abschluss hielt sie Ausschau nach einer Chance zur Umorientierung und fand eine Stellenausschreibung der Polizei. Kurzerhand bewarb sie sich. „Es gibt immer sehr viele Bewerber auf Stellen bei der Polizei, und die Einstellungstests sind schwierig“, erzählt sie, aber sie schaffte die Prüfung und wurde in den Polizeidienst aufgenommen. Fortan arbeitete sie dort im Büro, „nicht auf der Straße im Streifendienst, aber Uniform musste ich trotzdem jeden Tag tragen.“ Der Beruf war zwar anstrengend, machte ihr aber Spaß.

Schicksalhafte Wendung

Sie war seit über sieben Jahren im Dienst, als ihr Berufsleben 2006 eine in mehrfacher Hinsicht schicksalhafte Wendung nahm: Liyuan Fu wurde von der Regierung auf einen Auslandseinsatz ins Kosovo geschickt, unter Leitung der UNO. Hier lernte sie nicht nur ihren jetzigen Verlobten kennen – wie sie Polizist aus China –, sondern auch eine Menge Deutsche, die ihr Interesse an Deutschland weckten. „Sie waren so fleißig und erfahren und nahmen ihre Arbeit sehr ernst. Das hat mir gefallen“, erinnert sie sich. Sie recherchierte im Internet und stolperte über die Ausschreibung des „Bundeskanzler-Stipendiums für künftige Führungskräfte aus der Volksrepublik China“ der Alexander-von-Humboldt-Stiftung. Ihre Bewerbung schaffte es in die engere Auswahl, und zurück in China setzte sie sich in einem Gespräch unter 20 weiteren geladenen Kandidaten aus insgesamt 100 Bewerbern durch.
Die Tür nach Deutschland stand ihr offen – unter einer Voraussetzung: Sie musste hier einen Professor finden, der ihre Pläne unterstützt. Wieder half eine Recherche im Internet weiter, die sie auf die Seiten des Lehrstuhls für Kriminologie von Prof. Dr. Thomas Feltes führte. Der beantwortete ihre E-Mail noch am selben Tag, sicherte seine Hilfe zu und erklärte sich bereit, auf die Gebühren für das Masterstudium zu verzichten, um das Stipendium zu unterstützen. „Ich bin Herrn Feltes dafür sehr dankbar“, sagt Liyuan Fu. Im Oktober 2006 packte sie also wieder die Koffer für Europa und begann ihren Deutschlandaufenthalt mit einem Sprachkurs in Berlin.
Im Februar 2007 zog sie nach Bochum. Ihr aufgeräumtes Studentenzimmer im Gästehaus der RUB zeugt von einem arbeitsamen Alltag. Lehr- und Wörterbücher stehen ordentlich aufgereiht auf dem Schreibtisch, das Laptop steht offen parat, nur wenige persönliche Gegenstände sorgen für ein bisschen Heimatgefühl. Doch viel Zeit verbringt Liyuan Fu hier ohnehin nicht, sie hat volles Programm. Im Auslandsamt besucht sie an drei Tagen in der Woche einen Sprachkurs, in der Kriminologie studiert sie zurzeit sechs Themenbereiche.
Zwischendurch ist sie durch das Stipendienprogramm viel unterwegs: Von Deutschland und Umgebung hat sie mehr gesehen als so mancher Einheimische. Sie ist in Konstanz gewesen, in Dresden, in Belgien, in Berlin, hat Bundestag und Bundesrat besucht, den WDR, die Deutsche Welle, die Postbank. Beeindruckt hat sie besonders der Besuch eines Bochumer Gefängnisses, den Prof. Feltes arrangiert hat: „Das Management ist in Deutschland und China sehr unterschiedlich“, hat sie erfahren. „Besonders die Psychologie wird in Deutschland wichtiger genommen. Das ist sehr nützlich.“
Neben den Kenntnissen in Psychologie, die auch Inhalt des Studiums sind, schätzt sie vor allem die Schlüsselqualifikationen, die sie erwirbt: Zeit- und Stressmanagement zum Beispiel, die helfen, den anstrengenden Polizeialltag leichter zu bewältigen.

Zu Hause schnell heiraten

Wozu genau sie ihre Kenntnisse ab März 2008 einsetzen wird, wenn das Stipendium beendet ist, hat sie noch nicht entschieden. „Ich kann mir mit meiner Erfahrung bestimmt ganz gute Chancen auf eine Beamtenstelle bei der chinesischen Polizei ausrechnen“, sagt sie bescheiden, „ich könnte mir aber auch vorstellen, für die UNO zu arbeiten.“ Auf jeden Fall will sie in China arbeiten: „Ich liebe es, dort zu leben!“ sagt sie und erzählt mit leuchtenden Augen von ihrer Heimatstadt Yantai City in der Provinz Shandong, die zwischen Peking und Shanghai direkt am Meer liegt, in der Nähe der Grenzen zu Japan und Korea.
Trotz ihres vollen Terminkalenders und der Sympathie für Deutschland – „Die Landschaft ist schön und die Leute sind alle freundlich zu mir. In Holland war das anders!“ – hat sie hin und wieder Heimweh. Vor allem die Familie und ihr zukünftiger Mann, dessen Foto einen Ehrenplatz im Regal innehat, fehlen ihr dann. „Im Herbst werde ich zu Besuch nach China fliegen“, freut sie sich und lacht: „Vielleicht heirate ich ihn dann noch schnell!“

md
pfeil  voriger Artikel Themenübersicht nächster Artikel   pfeil
 
 
Zum Seitenanfang  Seitenanfang | Druckfassung dieser Seite
Letzte Änderung: 29.6.2007| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik