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RUBENS
- Zeitschrift der Ruhr-Universität
Nachrichten, Berichte und Meinungen
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Editorial
Studienbeiträge
Es ist politischer Wille, die Studierenden unmittelbar
an den Kosten ihrer Ausbildung und Qualifikation zu beteiligen.
Wohlgemerkt, zu beteiligen. Welchen Anteil die Lehre am
Gesamtetat der Universität beansprucht, das lässt
sich nicht beziffern, einfach weil wir die Universität
als etwas Ganzheitliches betrachten müssen. Sie lässt
sich nicht im Sinne einer Kosten-Leistungs-Rechnung aufgliedern.
Eine Universität ist ein Kompetenzzentrum, in dem
Forschung und Lehre untrennbar miteinander verbunden sind,
und als solches spielt sie eine fundamentale Rolle für
das Wohlergehen unserer Gesellschaft.
Nehmen wir im Sinne dieser Gleichrangigkeit einmal an,
dass die Aufwendungen für die Lehre die Hälfte
des aus dem Landeshaushalt bereitgestellten Universitätsetats
ausmachten. In diesem Fall wäre der von allen Steuerzahlern
getragene Anteil immer noch ein Mehrfaches der Studienbeiträge.
Berechnungen besagen, dass ein Studienplatz je nach Fachrichtung
zwischen 2.500 und 7.500 Euro pro Semester kostet, in
der Medizin sogar mehr als 20.000 Euro. Der Studienbeitrag
deckt davon also nur einen kleinen Bruchteil.
Dieses Verhältnis und die Einheit des Systems Universität
sollten uns gelassen mit der Frage umgehen lassen, was
genau aus Studienbeiträgen zu finanzieren ist, und
was aus dem Landeshaushalt. Geld ist Geld. Die Forderung,
dass mit der Einführung der Studienbeiträge
eine Verbesserung der Lehre und der Studienbedingungen
einhergehen müssen, ist vollkommen unstrittig. Diese
Verbesserung ist mehr als überfällig. Es ist
auch richtig, dass wir uns alle dieser Tatsache bewusst
sein müssen. Gerade hier hat die an der RUB verabschiedete
Satzung zur Verwendung der Studienbeiträge bereits
beste Dienste geleistet: Sie hat sensibilisiert. Es wäre
fatal, wenn die Beiträge ohne Wahrnehmung ihrer Bedeutung
und Zielsetzung nur die Unterfinanzierung der Universitäten
ausgleichen würden. Wir müssen und wollen bewusst
verbessern.
In kaum erwarteter Einmütigkeit haben dementsprechend
Studierende und Lehrende Konzepte zum Einsatz dieser zusätzlichen
Mittel erarbeitet. Viele gute Ideen und Sinn für
das Wesentliche sind erkennbar. Nach Jahren der Not und
des unkontrollierbaren Qualitätsverlustes darf Fortschritt
in der Qualität der Lehre auch wieder etwas kosten,
können überfällige Investitionen getätigt
werden. In den Fakultäten ist Einigkeit über
den Einsatz der Mittel in der Lehre gut zu erzielen, da
die Verbesserungen unmittelbar wahrzunehmen sind.
Die übergeordneten und zukunftsweisenden Konzepte
zur Verbesserung der Studienbedingungen im Gesamtrahmen
der Universität stellen etwas höhere Ansprüche
an die Vorstellungskraft und das Systemverständnis.
In beiden Fällen stößt man aber sehr schnell
an Grenzen, an denen sich die Frage nach der Sinnhaftigkeit
unserer Bemühungen stellt. Warum müssen wir
den Euro markieren? Teilweise grenzt das an Absurdität.
Ein Beispiel: Wenn wir eine ausschließlich der Lehre
dienende Baumaßnahme im Hörsaalbereich aus
Studienbeiträgen finanzieren, statt aus dem Haushalt,
dann stehen diese Mittel im Haushalt für die unverzügliche
Wiederbesetzung frei werdender Professuren zur Verfügung.
Wenn wir dagegen die für den Lehrbetrieb wichtige
Baumaßnahme – aufgrund der Einschränkungen
durch die gültige Satzung – nicht aus den Studienbeiträgen,
sondern aus dem Haushalt finanzieren müssen, dann
bleiben diese Professuren zumindest zeitweilig unbesetzt.
Stattdessen dürfen wir im Einklang mit der Satzung
einige Lehraufträge vergeben, die ihrerseits dann
immer noch mit der unzureichenden Hörsaalausstattung
zu kämpfen haben: Ein Tausch von Professuren gegen
nur zeitweise verfügbare Lehrbeauftragte in schlechten
Räumlichkeiten? Ein gutes Geschäft? Mit Sicherheit
nicht.
Der Gesamtetat der Universität ist ein geschlossenes
System. Die Einschränkungen durch die gültige
Satzung zur Verwendung der Studienbeiträge sind zum
Teil uneffektiv und umständlich. Die Satzung hat
sensibilisiert und zahlreiche kreative Vorgehensweisen
angestoßen. Das ist sehr gut so. Die Mitglieder
der Ruhr-Universität, allen voran die Studierenden,
haben erneut unter Beweis gestellt, dass sie mit sich
ändernden Bedingungen und neuen Chancen hervorragend
und verantwortungsbewusst umzugehen verstehen. Die Erfahrungen
aus dem ersten Semester mit Studienbeiträgen sind
ausgesprochen ermutigend. Sie sollten uns alle auch ermutigen,
den nächsten Schritt zu wagen. Anstatt uns in kleinstückigen
Kontrollverfahren zu ergehen, müssen wir gemeinsam
übergeordnete Ziele formulieren. Diese wären
eine angemessene Betreuungsrelation, zeitgemäße
Ausstattung der Hörsäle, ein optimaler Service
für die Studierenden bei der Planung von Studienablauf
und Prüfungen, funktionelle Ausstattung in den Praktika,
ein qualitativ hochwertiges Angebot von Fremdsprachenkursen,
und vieles mehr.
Die Abschlüsse werden dadurch wertvoller und in kürzerer
Zeit erreicht, ermöglicht durch die Studienbeiträge.
Den Weg zu diesen Zielen müssen wir abstecken, die
Fortschritte kritisch bewerten, Ideen verwirklichen, die
Universität als System verstehen lernen. Wir müssen
das gemeinsam tun, Studierende, Lehrende und Mitglieder
unserer Ruhr-Universität, die nicht zuletzt aufgrund
unseres verantwortungsbewussten Umgangs mit den Ressourcen
zu den exzellenten Forschungs- und Ausbildungsstätten
zählen soll. Davon wiederum profitieren wir alle.
Prof.
Dr. Bernhard Stöckhert, Prorektor für Lehre,
Weiterbildung und Medien
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