Nur für gute Zwecke
Die Fakultäten fangen an, die Einnahmen aus den
Studiengebühren auszugeben
Die Mediziner schaffen neue Skelette an, die Chemiker
spendieren allen Studienanfängern Lehrbücher
und beinahe alle Fakultäten bauen ihre Tutorenprogramme
aus – die Einnahmen aus den Studiengebühren
können ganz unterschiedlich verwendet werden. Doch
hinter jeder Idee steckt ein gemeinsames Ziel von Studierenden
und Lehrenden: die Studienbedingungen an der Ruhr-Universität
zu verbessern. RUBENS hat sich auf dem Campus umgehört
und zeigt beispielhaft an einigen Fakultäten, wohin
die Studienbeiträge konkret fließen.
Im September 2006 hat der Senat der Ruhr-Universität
eine Beitragssatzung beschlossen, in der eindeutig geklärt
wird, nach welchem Schlüssel die Gebühreneinnahmen
verteilt werden; ein Teil davon, 23 Prozent, wandern laut
Landesgesetz vorab in einen landesweiten Ausfallfonds.
Die restlichen 77 Prozent der Einnahmen bleiben an der
Ruhr-Uni. Ein Drittel davon fließt laut Satzung
in einen Topf des Rektorats, der daraus zentrale Maßnahmen
zur Verbesserung der Lehre finanziert.
Businessplan
Die verbleibenden zwei Drittel bekommen die Fachbereiche.
Die Verteilung der Mittel auf die einzelnen Fakultäten
erfolgt nach der Zahl der eingeschriebenen, grundsätzlich
zahlungspflichtigen Studierenden (Studienfälle).
Wie viel jede Fakultät tatsächlich fürs
laufende Sommersemester bekommt, sollte sich frühestens
Ende Mai entschieden haben. Allen Fakultäten wurden
aber vorab Summen zugesichert, die etwa zwei Drittel
der tatsächlich zu erwartenden Mittel ausmachen.
Über die konkrete Mittelverwendung befinden die
Fakultätsräte. Hierbei haben die Studierenden
ein maßgebliches Mitspracherecht.
Sowohl für die Fakultäts- als auch für
die Rektoratsmittel sind in der Gebührensatzung
Positiv- und Negativlisten festgeschrieben. Daraus wurde
mittlerweile in der Universitätsverwaltung ein
Raster entwickelt, mit dem schnell eindeutig festgestellt
werden kann, ob eine geplante Ausgabe mit Einnahmen
aus den Studiengebühren bezahlt werden kann. Im
Zweifelsfall wird geprüft und schlimmstenfalls
abgelehnt.
Blickt man auf die einzelnen Fakultäten der RUB,
zeichnet sich ein Muster ab. Zum einen sind sich Studierende
und Lehrende stets einig. Zum anderen bilden Tutorenprogramme
und Bibliotheksausstattung überall die zentralen
Elemente. „Ich habe mit einigen Kollegen in der
G-Reihe gesprochen, unsere Listen ähneln sich im
Grunde doch sehr“, erklärt dazu Hans Adden,
Leiter des Dekanats Wirtschaftswissenschaft. Der Fakultätsrat
hat acht Bereiche festgelegt, mit denen die Lehre verbessert
werden soll. Unter anderem wurden 180 zusätzliche
Tutorien gestartet, um die Kleingruppenarbeit zu optimieren;
darüber hinaus wurde ein außergewöhnliches
Mentorenprogramm aufgelegt. Hierbei begleitet der Mentor
einen Studierenden das ganze Studium über. Weiterhin
auf der Liste stehen der Ausbau von Kolloquien, die
Bibliothek oder PC-Arbeitsplätze. Da die Fakultät
auch im Sommersemester neue Studierende aufgenommen
hat, laufen die Tutoren- und Mentorenprogramme bereits;
bei anderen Maßnahmen wartet man noch auf das
Okay aus dem Rektorat.
Mindestens 460.000 Euro kann die Wirtschaftsfakultät
fürs Sommersemester verplanen. Sie denkt allerdings
weit darüber hinaus. „Wir haben einen Businessplan
für die Jahre 2007, 2008 und 2009 konzipiert, der
zurzeit dem Rektorat vorliegt. Dort sind unsere Pläne
semesterweise dargestellt“, erläutert Hans
Adden.
Skelette und Lampen
In einigen Fachbereichen haben die Fakultätsräte
Kommissionen eingesetzt. Neben der Fakultät für
Psychologie war dies auch bei den Bauingenieuren der
Fall: „Sie soll über die Sinnhaftigkeit und
Regelkonformität von Anträgen aus der Fakultät
entscheiden“, beschreibt Dekanatsmitarbeiter Dr.-Ing.
Reinhard Bergmann die Aufgabe der Kommission. Im Sommersemester
2007 stehen der Fakultät etwa 175.000 Euro zur
Verfügung. „Bisher hat die Kommission nur
Ausgaben für studentische Tutorien genehmigt und
zwar in Höhe von etwa 75.000 Euro“, so Bergmann.
Er fügt hinzu, dass die Mehrzahl der Verträge
mit den Tutoren schon geschlossen ist. Sobald das exakte
Mittelaufkommen aus den Studiengebühren feststeht,
soll die Kommission über weitere Anträge,
z. B. zur medialen Ausstattung der Seminarräume,
entscheiden.
Laut Studienberaterin Ivonne Möller steht die mediale
Ausstattung auch in der Fakultät für Physik
und Astronomie oben auf der Liste. Beschafft wird u.
a. neue Software für den multimedialen Seminarraum
„Südpol“. Die übrigen Schlagworte
ähneln denen anderer Fachbereiche: Tutorenprogramm
aufstocken, kleinere Übungsgruppen bilden, mehr
Betreuer anstellen, mehr Grundlagenbücher in die
Bibliothek, das Programm fürs Grundpraktikum verbessern.
Doch keine Regel ohne Ausnahmen: Schädel oder Skelette
benötigen weder Bauingenieure noch Wirtschaftswissenschaftler
im Studium – in der Medizin hingegen sind sie
dringend notwendig. Kein Wunder also, dass der Fakultätsrat
Medizin ein paar Tausend Euro dafür bereitstellt.
Das Votum war hier wie bei allen anderen Anschaffungen
und Maßnahmen laut Dr. Dieter Klix, dem Leiter
des Studiendekanats, einstimmig. Etwas weniger kostet
die – ebenfalls sehr medizinspezifische –
Spaltlampe für den Augenheilkunde-Unterricht. Den
Löwenanteil ihrer Einnahmen aus den Studiengebühren
(vorläufig 420.000 Euro fürs Sommersemester,
davon ist die Hälfte ausgegeben) setzen die Mediziner
allerdings für weniger exotische Maßnahmen
ein. „160.000 Euro fließen in die Ausstattung
der Bereichsbibliothek: für Bücher, für
Computer und vor allem für Hilfskräfte, mit
denen wir längere Öffnungszeiten anbieten“,
erläutert Dr. Klix.
Lehrbuchaktion
Mit einer anderen Besonderheit wartet die Fakultät
für Chemie und Biochemie auf. Dort wurde eine fünfköpfige
Arbeitsgruppe zur Verwendungsfindung eingesetzt, in
der – neben zwei Dozenten – drei Studenten
sitzen und damit die Stimmmehrheit haben. Die AG hat
eine ungewöhnliche Lehrbuchaktion beschlossen:
Bachelorstudenten im ersten bis dritten Semester bekommen
speziell für das jeweilige Semester zusammengestellte
Bücherpakete. „Diese Bücher decken das
gesamte Grundstudium in den Lehreinheiten allgemeine
Chemie, anorganische und organische Chemie sowie Biochemie
ab“, sagt Prof. Hermann Weingärtner, Studiendekan
der Fakultät.
„Wir haben die Arbeitsgruppe bewusst so zusammengestellt,
dass die Studierenden in der Mehrzahl sind“, so
Prof. Weingärtner weiter. „Alle Entscheidungen
über die Verwendung der Studienbeiträge gehen
letztlich auf die Wünsche und das Votum der Studenten
zurück.“ Student Christian Seifert ergänzt:
„Dies ist ein Beispiel für gute Zusammenarbeit
zwischen Studierenden und Professoren.“
Die Arbeitsgruppe hat bereits im Februar alle Lehrstühle
der Fakultät, alle Arbeitseinheiten und die Fachschaft
angeschrieben und sie aufgefordert, Vorschläge
einzureichen. Aus rund 40 Anträgen hat die AG die
besten Ideen ausgewählt. Der Fakultät stehen
in diesem Semester voraussichtlich 175.000 Euro zur
Verfügung. Rund 20.000 Euro fließen in die
Lehrbuchaktion, die – genau wie die AG selbst
– fester Bestandteil der Fakultätsmaßnahmen
werden soll. Den größten Teil der Gelder,
etwa 100.000 Euro, investiert die Fakultät in eine
bessere Ausstattung ihrer Lehr-Labors (z. B. zusätzliche
Destillationsapparaturen oder Vakuumpumpen). Weitere
Mittel fließen in die Fachbereichsbibliothek und
in Tutorien.
Auch am Institut für Pädagogik übernahmen
die Studierenden sofort Verantwortung: Auf ihren Vorschlag
hin wurde eine neunköpfige Kommission zur Verwendungsfindung
gegründet: mit zwei Wissenschaftlichen Mitarbeitern,
zwei Professoren, einem Verwaltungsangestellten und
vier Studierenden. „Alle Entscheidungen wurden
einstimmig getroffen und sowohl vom Direktorium des
Instituts als auch vom Fakultätsrat bestätigt“,
erklärt Miriam Dübbel vom Fachschaftsrat.
Allerdings hat das Rektorat letztlich eine der beschlossenen
Maßnahmen abgelehnt: Im Zuge der geplanten Zusammenlegung
der Fachbereichsbibliotheken Pädagogik und Geschichtswissenschaft
(sie soll u. a. zur Erweiterung der Öffnungszeiten
dienen) sollten Sicherungsstreifen für die Pädagogik-Bücher
aus den Einnahmen aus Studiengebühren finanziert
werden. Das passte ausnahmsweise nicht ins Raster.
Aufkleber
Die neu angeschafften Geräte in der Fakultät
für Chemie und Biochemie haben eine Plakette erhalten
mit dem Slogan „Von uns, für uns –
finanziert mit Studienbeiträgen“. Entworfen
hat diesen Aufkleber der Fachschaftsrat, der ihn auf
Wunsch auch anderen Fakultäten zur Verfügung
stellt. Kontakt: -25287, E-Mail: frchemie@rub.de
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