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RUBENS 116

1. Juni 2007

Nur für gute Zwecke


Die Fakultäten fangen an, die Einnahmen aus den Studiengebühren auszugeben



Die Mediziner schaffen neue Skelette an, die Chemiker spendieren allen Studienanfängern Lehrbücher und beinahe alle Fakultäten bauen ihre Tutorenprogramme aus – die Einnahmen aus den Studiengebühren können ganz unterschiedlich verwendet werden. Doch hinter jeder Idee steckt ein gemeinsames Ziel von Studierenden und Lehrenden: die Studienbedingungen an der Ruhr-Universität zu verbessern. RUBENS hat sich auf dem Campus umgehört und zeigt beispielhaft an einigen Fakultäten, wohin die Studienbeiträge konkret fließen.

Im September 2006 hat der Senat der Ruhr-Universität eine Beitragssatzung beschlossen, in der eindeutig geklärt wird, nach welchem Schlüssel die Gebühreneinnahmen verteilt werden; ein Teil davon, 23 Prozent, wandern laut Landesgesetz vorab in einen landesweiten Ausfallfonds. Die restlichen 77 Prozent der Einnahmen bleiben an der Ruhr-Uni. Ein Drittel davon fließt laut Satzung in einen Topf des Rektorats, der daraus zentrale Maßnahmen zur Verbesserung der Lehre finanziert.

Businessplan

Die verbleibenden zwei Drittel bekommen die Fachbereiche. Die Verteilung der Mittel auf die einzelnen Fakultäten erfolgt nach der Zahl der eingeschriebenen, grundsätzlich zahlungspflichtigen Studierenden (Studienfälle). Wie viel jede Fakultät tatsächlich fürs laufende Sommersemester bekommt, sollte sich frühestens Ende Mai entschieden haben. Allen Fakultäten wurden aber vorab Summen zugesichert, die etwa zwei Drittel der tatsächlich zu erwartenden Mittel ausmachen. Über die konkrete Mittelverwendung befinden die Fakultätsräte. Hierbei haben die Studierenden ein maßgebliches Mitspracherecht.
Sowohl für die Fakultäts- als auch für die Rektoratsmittel sind in der Gebührensatzung Positiv- und Negativlisten festgeschrieben. Daraus wurde mittlerweile in der Universitätsverwaltung ein Raster entwickelt, mit dem schnell eindeutig festgestellt werden kann, ob eine geplante Ausgabe mit Einnahmen aus den Studiengebühren bezahlt werden kann. Im Zweifelsfall wird geprüft und schlimmstenfalls abgelehnt.
Blickt man auf die einzelnen Fakultäten der RUB, zeichnet sich ein Muster ab. Zum einen sind sich Studierende und Lehrende stets einig. Zum anderen bilden Tutorenprogramme und Bibliotheksausstattung überall die zentralen Elemente. „Ich habe mit einigen Kollegen in der G-Reihe gesprochen, unsere Listen ähneln sich im Grunde doch sehr“, erklärt dazu Hans Adden, Leiter des Dekanats Wirtschaftswissenschaft. Der Fakultätsrat hat acht Bereiche festgelegt, mit denen die Lehre verbessert werden soll. Unter anderem wurden 180 zusätzliche Tutorien gestartet, um die Kleingruppenarbeit zu optimieren; darüber hinaus wurde ein außergewöhnliches Mentorenprogramm aufgelegt. Hierbei begleitet der Mentor einen Studierenden das ganze Studium über. Weiterhin auf der Liste stehen der Ausbau von Kolloquien, die Bibliothek oder PC-Arbeitsplätze. Da die Fakultät auch im Sommersemester neue Studierende aufgenommen hat, laufen die Tutoren- und Mentorenprogramme bereits; bei anderen Maßnahmen wartet man noch auf das Okay aus dem Rektorat.
Mindestens 460.000 Euro kann die Wirtschaftsfakultät fürs Sommersemester verplanen. Sie denkt allerdings weit darüber hinaus. „Wir haben einen Businessplan für die Jahre 2007, 2008 und 2009 konzipiert, der zurzeit dem Rektorat vorliegt. Dort sind unsere Pläne semesterweise dargestellt“, erläutert Hans Adden.

Skelette und Lampen

In einigen Fachbereichen haben die Fakultätsräte Kommissionen eingesetzt. Neben der Fakultät für Psychologie war dies auch bei den Bauingenieuren der Fall: „Sie soll über die Sinnhaftigkeit und Regelkonformität von Anträgen aus der Fakultät entscheiden“, beschreibt Dekanatsmitarbeiter Dr.-Ing. Reinhard Bergmann die Aufgabe der Kommission. Im Sommersemester 2007 stehen der Fakultät etwa 175.000 Euro zur Verfügung. „Bisher hat die Kommission nur Ausgaben für studentische Tutorien genehmigt und zwar in Höhe von etwa 75.000 Euro“, so Bergmann. Er fügt hinzu, dass die Mehrzahl der Verträge mit den Tutoren schon geschlossen ist. Sobald das exakte Mittelaufkommen aus den Studiengebühren feststeht, soll die Kommission über weitere Anträge, z. B. zur medialen Ausstattung der Seminarräume, entscheiden.
Laut Studienberaterin Ivonne Möller steht die mediale Ausstattung auch in der Fakultät für Physik und Astronomie oben auf der Liste. Beschafft wird u. a. neue Software für den multimedialen Seminarraum „Südpol“. Die übrigen Schlagworte ähneln denen anderer Fachbereiche: Tutorenprogramm aufstocken, kleinere Übungsgruppen bilden, mehr Betreuer anstellen, mehr Grundlagenbücher in die Bibliothek, das Programm fürs Grundpraktikum verbessern.
Doch keine Regel ohne Ausnahmen: Schädel oder Skelette benötigen weder Bauingenieure noch Wirtschaftswissenschaftler im Studium – in der Medizin hingegen sind sie dringend notwendig. Kein Wunder also, dass der Fakultätsrat Medizin ein paar Tausend Euro dafür bereitstellt. Das Votum war hier wie bei allen anderen Anschaffungen und Maßnahmen laut Dr. Dieter Klix, dem Leiter des Studiendekanats, einstimmig. Etwas weniger kostet die – ebenfalls sehr medizinspezifische – Spaltlampe für den Augenheilkunde-Unterricht. Den Löwenanteil ihrer Einnahmen aus den Studiengebühren (vorläufig 420.000 Euro fürs Sommersemester, davon ist die Hälfte ausgegeben) setzen die Mediziner allerdings für weniger exotische Maßnahmen ein. „160.000 Euro fließen in die Ausstattung der Bereichsbibliothek: für Bücher, für Computer und vor allem für Hilfskräfte, mit denen wir längere Öffnungszeiten anbieten“, erläutert Dr. Klix.

Lehrbuchaktion

Mit einer anderen Besonderheit wartet die Fakultät für Chemie und Biochemie auf. Dort wurde eine fünfköpfige Arbeitsgruppe zur Verwendungsfindung eingesetzt, in der – neben zwei Dozenten – drei Studenten sitzen und damit die Stimmmehrheit haben. Die AG hat eine ungewöhnliche Lehrbuchaktion beschlossen: Bachelorstudenten im ersten bis dritten Semester bekommen speziell für das jeweilige Semester zusammengestellte Bücherpakete. „Diese Bücher decken das gesamte Grundstudium in den Lehreinheiten allgemeine Chemie, anorganische und organische Chemie sowie Biochemie ab“, sagt Prof. Hermann Weingärtner, Studiendekan der Fakultät.
„Wir haben die Arbeitsgruppe bewusst so zusammengestellt, dass die Studierenden in der Mehrzahl sind“, so Prof. Weingärtner weiter. „Alle Entscheidungen über die Verwendung der Studienbeiträge gehen letztlich auf die Wünsche und das Votum der Studenten zurück.“ Student Christian Seifert ergänzt: „Dies ist ein Beispiel für gute Zusammenarbeit zwischen Studierenden und Professoren.“
Die Arbeitsgruppe hat bereits im Februar alle Lehrstühle der Fakultät, alle Arbeitseinheiten und die Fachschaft angeschrieben und sie aufgefordert, Vorschläge einzureichen. Aus rund 40 Anträgen hat die AG die besten Ideen ausgewählt. Der Fakultät stehen in diesem Semester voraussichtlich 175.000 Euro zur Verfügung. Rund 20.000 Euro fließen in die Lehrbuchaktion, die – genau wie die AG selbst – fester Bestandteil der Fakultätsmaßnahmen werden soll. Den größten Teil der Gelder, etwa 100.000 Euro, investiert die Fakultät in eine bessere Ausstattung ihrer Lehr-Labors (z. B. zusätzliche Destillationsapparaturen oder Vakuumpumpen). Weitere Mittel fließen in die Fachbereichsbibliothek und in Tutorien.
Auch am Institut für Pädagogik übernahmen die Studierenden sofort Verantwortung: Auf ihren Vorschlag hin wurde eine neunköpfige Kommission zur Verwendungsfindung gegründet: mit zwei Wissenschaftlichen Mitarbeitern, zwei Professoren, einem Verwaltungsangestellten und vier Studierenden. „Alle Entscheidungen wurden einstimmig getroffen und sowohl vom Direktorium des Instituts als auch vom Fakultätsrat bestätigt“, erklärt Miriam Dübbel vom Fachschaftsrat. Allerdings hat das Rektorat letztlich eine der beschlossenen Maßnahmen abgelehnt: Im Zuge der geplanten Zusammenlegung der Fachbereichsbibliotheken Pädagogik und Geschichtswissenschaft (sie soll u. a. zur Erweiterung der Öffnungszeiten dienen) sollten Sicherungsstreifen für die Pädagogik-Bücher aus den Einnahmen aus Studiengebühren finanziert werden. Das passte ausnahmsweise nicht ins Raster.

Aufkleber
Die neu angeschafften Geräte in der Fakultät für Chemie und Biochemie haben eine Plakette erhalten mit dem Slogan „Von uns, für uns – finanziert mit Studienbeiträgen“. Entworfen hat diesen Aufkleber der Fachschaftsrat, der ihn auf Wunsch auch anderen Fakultäten zur Verfügung stellt. Kontakt: -25287, E-Mail: frchemie@rub.de



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