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RUBENS 116

1. Juni 2007

Besuch bei Lech Wasa


20 Bochumer Studierende reisten nach Thorn, Marienburg und Danzig




Ende März fuhr eine 20-köpfige Gruppe Bochumer Studierender in den Norden Polens und besuchte die Städte Thorn, Marienburg und Danzig. Organisiert wurde die Tour von Slawistik-Studierenden, die etwas frischen Wind ins Studium bringen wollten. Sie gaben der Fahrt das Motto „Sternstunden der (nord-)polnischen Kultur“.

Es wurde eine Kultur- und Erlebnisreise, interaktiv und interdisziplinär. Wir entdeckten das Studentenflair in Toru (dt. Thorn) mit seinem regen Nachtleben. Wir schauten uns das gewaltige Schlachtfeld von Grunwald und den „größten Backsteinhaufen Europas“ in Malbork (Marienburg) an, ein Schloss deutscher Ordensritter. Wir bewunderten die wieder aufgebauten Patrizierhäuser der Altstadt von Gdask (Danzig), die Werft als Geburtstätte der Solidarno-Bewegung und die unglaublich bunte und vielfältige Kulturszene.
Dass wir dann tatsächlich mit Augenzeugen der polnischen Streiks von 1980 – Jerzy Borowczak, Lech Wasa und Anna Walentynowicz – sprechen durften, hätten wir zuvor nicht gedacht. Doch die Idee einer studentischen Projektgruppe, die sich für Polen und die Hintergründe der gut ein Vierteljahrhundert zurückliegenden Ereignisse interessiert, stieß bei unseren Anfragen in Polen auf reges Interesse.
Gerade wir als die neue Generation, die die Zukunft Europas in den Händen halte, sollte doch ohne Vorurteile und unbelastet ein tolerantes Miteinander zwischen Polen und Deutschen gestalten, sagte uns Lech Wasa. Mit ihm und seinem ehemaligen Weggefährten Jerzy Borowczak, der das Museum „Wege zur Freiheit“ leitet, sprachen wir über Volker Schlöndorffs Film, der zur Zeit der Arbeiterstreiks der Danziger Werft spielt. Der Film ist in Polen sehr kontrovers diskutiert worden. Er verzerre die Realität und verbreite Unwahrheiten, sagte uns auch Anna Walentynowicz bei einem Treffen in ihrer Wohnung. Auf sie bezieht sich Schlöndorffs „Strajk – Die Heldin von Danzig“.

Im Literaturcafé

Polen einmal anders kennen zu lernen bedeutete für uns aber auch, mit polnischen Kulturschaffenden zu sprechen: Der jüdische Schriftsteller Mieczysaw Abramowicz führte uns an die Orte des ehemaligen jüdisch-deutschen Lebens im Zentrum Danzigs und berichtete uns über die Situation der Juden in Danzig und Polen vor, während und nach dem 2. Weltkrieg. Er brachte uns auch ins Restaurant „Turbot“ in den Kellergewölben des Roten Rathhauses. Hier trifft sich die literarische Szene Danzigs. Auch Günter Grass speist hier hin und wieder, wenn er in Danzig ist.
Wir trafen auch den erfolgreichen polnischen Schriftsteller Stefan Chwin, der als Professor an der Danziger Universität Poetik lehrt. Er erzählte uns auf eine ganz unkonventionelle Weise von seiner persönlichen Geschichte: Seine Eltern sind nach Ende des 2. Weltkrieges aus den ehemaligen ostpolnischen Gebieten (heute Litauen) nach Danzig vertrieben worden. Danzig, aus der zeitgleich die deutsche Bevölkerung vertriebenen worden ist, ist Schauplatz seiner vielen Romane, die ihm den Ruf eines „Danzig-Chronisten“ einbrachten.
Sämtliche Gespräche und Interviews werden wir in Kürze – übersetzt – als Broschüre zum Projekt veröffentlichen. Essays, die von den persönlichen Eindrücken der Teilnehmer handeln, sollen die Darstellung abrunden. Für den 22. Juni ist eine Multimedia-Präsentation des Projekts mit anschließendem Umtrunk geplant. Interessenten sind willkommen.

Infos: http://www.rub.de/slavbo








Katharina Mol & Magdalena Korda
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Letzte Änderung: 2.5.2007| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik