Von der Biennale ins Schattendasein
einer Universität
Neue Serie in RUBENS: Kunst & Campus
Mit der Kunst am Bau ist das so eine Sache. Manchmal verursacht
sie einen öffentlichen Skandal oder, wie leider in
den meisten Fällen, lediglich Desinteresse. Dieses
Desinteresse ist es auch, dass die Kunstwerke im öffentlichen
Raum oft ein Schattendasein führen lässt. Es
mag etwas hart formuliert sein, aber das gilt auch für
die Kunst an der Ruhr-Universität. Wer weiß
denn schon, dass die Beton-Skulptur („Tor und Doppelwinkel“
von Friedrich Gräsel) auf dem kleinen Hügel
am Querforum West, vor dem „Campus-Center“,
im Jahre 1972 der bundesdeutsche Beitrag zur Ausstellung
„Kunst in der Stadt“ auf der Biennale in Venedig
war?
Die neue Serie „Kunst & Campus“
will versuchen, etwas Licht in den Schatten zu bringen
und darauf aufmerksam machen, dass die Kunstwerke an der
RUB einen fantastischen Querschnitt durch verschiedene
Kunstrichtungen der 60er- und 70er-Jahre bieten. In den
nächsten RUBENS-Ausgaben werden Werke von Josef Albers,
Erich Reusch, Friedrich Gräsel, Günther Fruhtrunk,
Rupprecht Geiger u. a. eingehender betrachtet.
Gutachterkommission
Das Ministerium für Wiederaufbau legte am 25.
Januar 1959 in einem Beschluss fest, dass bei allen
öffentlichen Bauten Künstler zu betätigen
seien, da Kunst ein Wert an sich sei, den es zu schützen
und zu fördern gilt. Die Entscheidung über
die Auswahl der Künstler und den Standort der Objekte
für die RUB lag bei der im Jahre 1970 gebildeten
„Gutachterkommission für die künstlerische
Ausgestaltung der Ruhr-Universität“, die
jeweils im Bedarfsfalle unter Leitung von Ministerialdirigent
Prof. Fridolin Hallauer (Sonderbevollmächtigter
für den Bau der RUB) zusammentrat. Weitere Mitglieder
waren u. a. Prof. Max Imdahl (Ruhr-Universität),
Prof. Eduard Trier (ehemaliger Direktor der Kunstakademie
Düsseldorf) und Dr. Peter Spielmann (Direktor der
Kunstgalerie Bochum).
Gegenüber der ursprünglichen Idee, jedes Gebäude
mit Kunstwerken im Rahmen der eingeplanten Mittel auszustatten,
entschied die Kunstkommission, dass eine Konzentration
auf repräsentative Kunstwerke an repräsentativen
Stellen erfolgen sollte. Nur in einem Fall wurden die
Künstler durch einen beschränkten Wettbewerb
ermittelt. Die meisten Objekte wurden freihändig
vergeben, da man auch jüngeren, eher unbekannten
und regionalen Künstlern eine Chance geben wollte.
Sinnstiftende Zeichen
Kunst im öffentlichen Raum bietet immer eine Chance
zum Dialog zwischen der Kunstwelt und der Öffentlichkeit
und ist im besten Fall ein sinnstiftendes Zeichen für
die Identität eines Ortes. Diese Identifikation
mit der gebauten Umwelt findet dann statt, wenn der
Mensch seine ihm eigene Erlebnis- und Erfahrungswelt
dort materialisiert bzw. symbolisiert sieht. Je mehr
die Architektur, wie die der Ruhr-Universität,
von funktionalen und technischen Zweckmäßigkeiten
bestimmt wird, desto größere Bedeutung muss
der künstlerischen Ausgestaltung dieser Bauwerke
beigemessen werden.
Die Kunst der 60er-Jahre überwand die Nachkriegsphobie
der deutschen Kunst gegen Technik und Kommunikationssysteme.
Das künstlerische Interesse lag von nun an nicht
nur auf Bewegung und Licht, sondern ebenso auf der Verwendung
von Wasser, Klang und optischer Illusion. Auch an den
Objekten der RUB zeigt sich diese Entwicklung deutlich,
wenngleich auch heute einiges nicht mehr erkennbar ist.
Die Serie soll die ursprünglichen Ideen der von
der Gutachterkommission initiierten Kunstwerke wieder
deutlich machen und kann vielleicht durch Beschreibungen
und Erläuterungen einen kleinen Beitrag zu einer
neuen Wertschätzung leisten.
Alexandra
Apfelbaum, Universitätsarchiv
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