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RUBENS 116

1. Juni 2007

Editorial

Studienbeiträge



Es ist politischer Wille, die Studierenden unmittelbar an den Kosten ihrer Ausbildung und Qualifikation zu beteiligen. Wohlgemerkt, zu beteiligen. Welchen Anteil die Lehre am Gesamtetat der Universität beansprucht, das lässt sich nicht beziffern, einfach weil wir die Universität als etwas Ganzheitliches betrachten müssen. Sie lässt sich nicht im Sinne einer Kosten-Leistungs-Rechnung aufgliedern. Eine Universität ist ein Kompetenzzentrum, in dem Forschung und Lehre untrennbar miteinander verbunden sind, und als solches spielt sie eine fundamentale Rolle für das Wohlergehen unserer Gesellschaft.
Nehmen wir im Sinne dieser Gleichrangigkeit einmal an, dass die Aufwendungen für die Lehre die Hälfte des aus dem Landeshaushalt bereitgestellten Universitätsetats ausmachten. In diesem Fall wäre der von allen Steuerzahlern getragene Anteil immer noch ein Mehrfaches der Studienbeiträge. Berechnungen besagen, dass ein Studienplatz je nach Fachrichtung zwischen 2.500 und 7.500 Euro pro Semester kostet, in der Medizin sogar mehr als 20.000 Euro. Der Studienbeitrag deckt davon also nur einen kleinen Bruchteil.
Dieses Verhältnis und die Einheit des Systems Universität sollten uns gelassen mit der Frage umgehen lassen, was genau aus Studienbeiträgen zu finanzieren ist, und was aus dem Landeshaushalt. Geld ist Geld. Die Forderung, dass mit der Einführung der Studienbeiträge eine Verbesserung der Lehre und der Studienbedingungen einhergehen müssen, ist vollkommen unstrittig. Diese Verbesserung ist mehr als überfällig. Es ist auch richtig, dass wir uns alle dieser Tatsache bewusst sein müssen. Gerade hier hat die an der RUB verabschiedete Satzung zur Verwendung der Studienbeiträge bereits beste Dienste geleistet: Sie hat sensibilisiert. Es wäre fatal, wenn die Beiträge ohne Wahrnehmung ihrer Bedeutung und Zielsetzung nur die Unterfinanzierung der Universitäten ausgleichen würden. Wir müssen und wollen bewusst verbessern.
In kaum erwarteter Einmütigkeit haben dementsprechend Studierende und Lehrende Konzepte zum Einsatz dieser zusätzlichen Mittel erarbeitet. Viele gute Ideen und Sinn für das Wesentliche sind erkennbar. Nach Jahren der Not und des unkontrollierbaren Qualitätsverlustes darf Fortschritt in der Qualität der Lehre auch wieder etwas kosten, können überfällige Investitionen getätigt werden. In den Fakultäten ist Einigkeit über den Einsatz der Mittel in der Lehre gut zu erzielen, da die Verbesserungen unmittelbar wahrzunehmen sind.
Die übergeordneten und zukunftsweisenden Konzepte zur Verbesserung der Studienbedingungen im Gesamtrahmen der Universität stellen etwas höhere Ansprüche an die Vorstellungskraft und das Systemverständnis. In beiden Fällen stößt man aber sehr schnell an Grenzen, an denen sich die Frage nach der Sinnhaftigkeit unserer Bemühungen stellt. Warum müssen wir den Euro markieren? Teilweise grenzt das an Absurdität. Ein Beispiel: Wenn wir eine ausschließlich der Lehre dienende Baumaßnahme im Hörsaalbereich aus Studienbeiträgen finanzieren, statt aus dem Haushalt, dann stehen diese Mittel im Haushalt für die unverzügliche Wiederbesetzung frei werdender Professuren zur Verfügung. Wenn wir dagegen die für den Lehrbetrieb wichtige Baumaßnahme – aufgrund der Einschränkungen durch die gültige Satzung – nicht aus den Studienbeiträgen, sondern aus dem Haushalt finanzieren müssen, dann bleiben diese Professuren zumindest zeitweilig unbesetzt. Stattdessen dürfen wir im Einklang mit der Satzung einige Lehraufträge vergeben, die ihrerseits dann immer noch mit der unzureichenden Hörsaalausstattung zu kämpfen haben: Ein Tausch von Professuren gegen nur zeitweise verfügbare Lehrbeauftragte in schlechten Räumlichkeiten? Ein gutes Geschäft? Mit Sicherheit nicht.
Der Gesamtetat der Universität ist ein geschlossenes System. Die Einschränkungen durch die gültige Satzung zur Verwendung der Studienbeiträge sind zum Teil uneffektiv und umständlich. Die Satzung hat sensibilisiert und zahlreiche kreative Vorgehensweisen angestoßen. Das ist sehr gut so. Die Mitglieder der Ruhr-Universität, allen voran die Studierenden, haben erneut unter Beweis gestellt, dass sie mit sich ändernden Bedingungen und neuen Chancen hervorragend und verantwortungsbewusst umzugehen verstehen. Die Erfahrungen aus dem ersten Semester mit Studienbeiträgen sind ausgesprochen ermutigend. Sie sollten uns alle auch ermutigen, den nächsten Schritt zu wagen. Anstatt uns in kleinstückigen Kontrollverfahren zu ergehen, müssen wir gemeinsam übergeordnete Ziele formulieren. Diese wären eine angemessene Betreuungsrelation, zeitgemäße Ausstattung der Hörsäle, ein optimaler Service für die Studierenden bei der Planung von Studienablauf und Prüfungen, funktionelle Ausstattung in den Praktika, ein qualitativ hochwertiges Angebot von Fremdsprachenkursen, und vieles mehr.
Die Abschlüsse werden dadurch wertvoller und in kürzerer Zeit erreicht, ermöglicht durch die Studienbeiträge. Den Weg zu diesen Zielen müssen wir abstecken, die Fortschritte kritisch bewerten, Ideen verwirklichen, die Universität als System verstehen lernen. Wir müssen das gemeinsam tun, Studierende, Lehrende und Mitglieder unserer Ruhr-Universität, die nicht zuletzt aufgrund unseres verantwortungsbewussten Umgangs mit den Ressourcen zu den exzellenten Forschungs- und Ausbildungsstätten zählen soll. Davon wiederum profitieren wir alle.


Prof. Dr. Bernhard Stöckhert, Prorektor für Lehre, Weiterbildung und Medien
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