Mitten im Dschungel
Gebäudeserie: Botanischer Garten / Chinesischer
Garten
Jeder von uns kann sich sicher noch
an sein erstes Semester an der Ruhr-Uni erinnern. Wer
hat sich anfangs nicht in den Kellerräumen verirrt
und verzweifelt einen Ausgang gesucht? Wieso liegt der
mal auf 02 und mal auf 01? Und warum gibt es nicht überall
eine Cafeteria? RUBENS liefert die Antworten –
diesmal zum Botanischen und zum Chinesischen Garten.
Die Luft ist warm und feucht, aus dem Blattwerk fallen
dicke Tropfen auf die Erde. Versteckt auf einem Ast
sitzen zwei Tukane, man hört zunächst nur
das Klopfen ihrer Schnäbel am Stamm. Diese Szene
spielt nicht im Regenwald Südamerikas, sondern
mitten im Ruhrgebiet: Das Tropenhaus ist eine der Hauptattraktionen
des Botanischen Gartens der Ruhr-Uni. Aber auch die
große Freifläche und weitere Themenhäuser
laden zum Verweilen und Studieren ein.
Nur wenige Meter hinter der N-Reihe beginnt die Gartenanlage,
die einen ruhigen Gegenpol zum hektischen Campusbetrieb
darstellt. Mit seiner Fläche von 13 Hektar zählt
der 1968 eröffnete Garten zu den größten
in Deutschland. Neben der Freifläche und mehreren
Gewächshäusern gehören auch Tropen-,
Wüsten- und Savannenhaus zur Ausstattung. Aber
nicht nur die Größe der Anlage, auch die
Vielfalt der Pflanzenarten ist beachtlich. Insgesamt
15.000 Arten wachsen hier, in Deutschland sind gerade
einmal 3.500 Arten heimisch.
Freizeit & Forschung
Der Botanische Garten ist nicht nur eine Freizeitattraktion,
sondern in erster Linie ein Ort für Lehre und Forschung.
Hier können (nicht nur) Studierenden Nutz- und
Zeigerpflanzen ansehen, sowie die Vegetation verschiedener
Klimazonen und den Bau der Pflanzen erforschen. Auch
beherbergt der Garten manche botanische Rarität.
Jüngste Errungenschaft ist ein lebendes Fossil:
Wollemia nobilis wuchs schon zu Zeiten der Dinosaurier
auf der Erde, wie 90 Millionen Jahre alte Fossilienfunde
des Nadelgehölzes zeigen. Die Art galt als ausgestorben,
bis vor einigen Jahren lebende Exemplare gefunden wurden.
Im Juli 2006 zog eine der seltenen Pflanzen in den Botanischen
Garten ein.
Im über 700 Quadratmeter großen Tropenhaus
wachsen Pflanzen des tropischen Klimas, wie etwa Melonenbäume,
afrikanische Wildbananenstauden mit übermannsgroßen
Blättern und Kanonenkugelbäume, die bis zum
17 Meter hohen Dach reichen. Angst muss man vor dem
Kanonenkugelbaum allerdings nicht haben: Er schießt
nicht um sich, sondern hat lediglich große runde
Früchte, die wie Kanonenkugeln aussehen. Vollständig
wird der Eindruck eines Dschungels durch die exotischen
Tiere, die man oft erst auf den zweiten Blick bemerkt,
wie etwa Tukane und Nektarvögel.
Berühmtheit hat ein Teil des Gartens auch weit
über die Grenzen Bochums hinaus erlangt: der Chinesische
Garten „Qian Yuan“. Er wurde 1990 in einer
Kooperation mit der Tongji-Universität Shanghai
errichtet, die seit 1980 Partneruniversität der
Ruhr-Uni ist. Architekten aus Shanghai planten den Garten
im schlichten südchinesischen Stil, die dominierenden
Materialien sind Holz und Steine. Die Gartenanlage ist
ein authentisches Stück chinesischer Kultur: Die
Materialien kamen auf dem Seeweg aus China und wurden
von chinesischen Facharbeitern verbaut.
Infokasten: Ein Gartenführer mit allen wichtigen
Informationen kann wochentags im Sekretariat (BOTA 0/32,
neben dem Tropenhaus, Tel. -23098) und am Wochenende
in der Eingangshalle der Schaugewächse erworben
werden; der Botanische Garten im Internet: http://www.boga.rub.de
Mareike
Begemann
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