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RUBENS 115

2. Mai 2007

Vier Pi-Scheiben


Serie Situation Kunst


Der zweite Raum des Erweiterungsgebäudes der Situation Kunst (Teil der Kunstsammlungen der Ruhr-Universität in Bochum-Weitmar) präsentiert, neben bedeutenden Positionen zeitgenössischer Kunst, auch Exponate aus unterschiedlichen Regionen und Epochen Asiens. Zusätzlich zu großformatigen, zum Teil bis zu 800 Jahre alten Buddha- und Bodishatva-Darstellungen, finden sich in den Vitrinen mehrere Jadestücke, die teilweise aus dem Neolithikum (Jungsteinzeit) stammen. Die ungewöhnlichen Formen und Stilisierungen der Ornamente machen sie zu den vermutlich rätselhaftesten Exponaten der Dauerausstellung.

Dies gilt besonders für vier runde Jadeplatten, genannt „Pi-Scheiben“, die in unterschiedlichen Größen und Farben (schwarzgrau oder graugrün) ausgestellt sind. Dabei verfügen die beiden größeren über einen Durchmesser von 25 cm und stammen aus der Zhou-Dynastie (1100 bis 221 v. Chr.) bzw. der „Zeit der Streitenden Reiche“ (475 bis 221 v. Chr.). Die anderen beiden Platten wurden während der der Han-Dynastie (206 v. bis 220 n. Chr.) hergestellt. Eine der Scheiben zeigt ein Kornmusterfeld sowie stilisierte Phönixe und Drachen im Dreipass. Die Oberfläche einer anderen ist mit einem Hakenwolkenrelief verziert.
Jede Scheibe weist in ihrem Zentrum eine runde Öffnung auf, deren Größe den Namen der Scheibe bestimmt. Hiernach unterscheidet man genau genommen drei unterschiedliche Arten von Jadescheiben: Die mit den kleinsten Löchern bezeichnet man als „Pi-“, die mit den größten als „Yüan-“ und die mit den mittelgroßen Öffnungen als „Huan-Scheiben.“ Da „Pi-Scheiben“ bei weitem am häufigsten vorkommen, spricht man in der Forschung allgemein von „Pi-Scheiben“.
Wahrscheinlich wurden sie zuerst als Hals- und Armschmuck verwendet, hielten in der Shang- und Zhou-Periode jedoch auch Einzug in kultische Zeremonien. Ihre Funktion in diesen Kulten ist rätselhaft und lässt sich zum Teil durch ihre Position in Gräbern hochrangiger Verstorbener, in denen sie gefunden wurden, und anhand von chinesischen Überlieferungen vermuten.

Wertvoll wie Gold

Jade war in China so wertvoll wie in der westlichen Kultur Gold. Zudem sagte man Jade übernatürliche Fähigkeiten nach, wie jene, die Seele eines Verstorbenen vor dem Erlöschen zu bewahren, indem sie den Körper vor der Verwesung schützt. Diese Interpretation wird durch die Motive der Oberflächen gestützt, die zum Teil Drachen darstellen. Drachen galten u. a. als fantastische Himmelswesen, die die Seele des Verstorbenen auf ihrer Wanderung ins Jenseits begleiten und schützen sollten.
Während „Pi-Scheiben“ im Neolithikum noch im Zentrum des Körpers der Toten platziert wurden, findet man sie später auch in anderen Positionen. Mit ihren runden Formen symbolisierten sie in der asiatischen Kultur den Himmel, verbanden den Körper des Toten also mit dem Jenseits. Einige Überlieferungen berichten auch von der Verwendung der Scheiben in Notzeiten, wie in Dürreperioden. Die Menschen veranstalteten in ihrer Sorge kultische Zeremonien, in denen den Scheiben die Macht nachgesagt wurde, die Kraft guter Geister oder eines verstorbenen Königs beschwören zu können.
Somit spielten die „Pi-Scheiben“ zwar zunächst als Schmuck durchaus eine traditionelle Rolle in der diesseitigen Welt, darüber hinaus erfüllten sie nach chinesischer Überzeugung jedoch auch eine wichtige Funktion im Jenseits und konnten sogar eine Mittlerrolle zwischen dem Diesseits und dem Jenseits einnehmen. Ihre Besonderheit und einstige kultische Bedeutung ist bei längerer Betrachtung der verschlungenen Elemente in der Ausstellung auch heute noch gegenwärtig.



Anne Hemkendreis
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